VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)

Als am Sonntag kurz nach 10 Uhr die vereinseigene Blaskapelle in der Zenith-Halle, in der sonst Stars wie DJ-Legende Paul Kalkbrenner spielen, unter tosendem Applaus mit dem Sechzger Marsch einlief, hatte man das Gefühl, dass die Mitglieder gerade den Durchmarsch der Profi-Mannschaft von der Dritten Liga in die Bundesliga feierten. Auch Präsident Gernot Mang hatte an der musikalischen Unterhaltung seine wahre Freude daran. Dabei ist die Realität bekanntlich eine andere: Zwangsabstieg in den Amateurfußball - und der angekündigte "Befreiungskampf" ist gehörig ins Stocken geraten...

Nein, Mang, der nach eigenen Aussagen in den letzten Tagen “schlecht geschlafen” habe, konnte bei der Mitgliederversammlung in der Zenith-Halle vor über 1.140 Anwesenden noch keine Ergebnisse im Millionen-Poker mit Ismaik liefern. “Ich habe das Gefühl, dass Hasan Ismaik seine Anteile lieber jemand anderem verkaufen will als dem e.V.”, erklärte der Österreicher.

Eine Einigung mit HAM sei “in weite Ferne” gerückt. Der Mutterverein soll Ismaik angeblich fünf Millionen Euro als Exit-Lösung angeboten haben. Mang: “Nach aktuellem Stand müssen wir in dieser Woche für die KGaA die Insolvenz anmelden.” Später sagte er, er wisse noch nicht, ob man Insolvenz anmelden müsse.

Sein Entschluss steht aber: “Wir verabschieden uns vom Investoren-Modell der letzten 15 Jahre.” Und: “Der Löwe befreit sich von seinen Fesseln und zeigt Zähne. Wir sind der Verein.”

Und ja, Mang rechnet mit hartnäckigen rechtlichen Auseinandersetzungen. Aber er verspricht: “Wir werden nicht allein sein.” Der Österreicher will auch um die Markenrechte kämpfen: “Diese Markenrechte gehören dem Verein - uns.” Hasan Ismaik hat für diese Rechte Geld bezahlt. Nun entsteht der Eindruck, dass genau diese Rechte ausgehebelt werden sollen.

Mang frohlockte, dass die Sechzger jetzt fast 29.000 Mitglieder haben. “Das ist Vereinsrekord”, erklärte der 57-Jährige. Es gab nur 50 Austritte seit dem Zwangsabstieg, versicherte er. Die Dauerkarten-Besitzer, die bereits ihren Obolus entrichtet haben, wolle man unterstützen: “Die Fans, die diesem Verein vertrauen, werden wir nicht im Stich lassen.”

Und trotzdem meldete Mang, dass der e.V. zuletzt ein Minus von 1,4 Millionen Euro angesammelt habe. “Aber wir sind jetzt auf dem richtigen Weg.” Das Minus des e.V. für das Geschäftsjahr 24/25 beträgt 414.853 Euro. Entlastet von der Mitgliederversammlung wurden übrigens nicht Ex-Präsident Robert Reisinger und dessen Stellvertreter Norbert Steppe.