Gerät 1860 e.V. jetzt unter Druck? LMU-Professor Grigoleit schaltet sich ein
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 17.06.2026 04:34
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Ein Bild mit Symbolcharakter: Hasan Ismaik und die Kasse.
VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
Nach neuen Ismaik-Aussagen: Wer hat 1860 in die Amateurliga geschickt?
Und außerdem: So ganz hat Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik die Drittliga-Lizenz offenbar noch nicht abgeschrieben. Laut “AZ” soll Aufsichtsrat Biel Ballester Relat Not-Geschäftsführer Manfred Paula angewiesen haben, beim DFB Widerspruch gegen die Nichterteilung der Lizenz einzulegen. Die Erfolgsaussichten auf eine Wiedereingliederung gelten allerdings als gering.
Der neue 1860-Aufsichtsrat Nicolai Walch, einer der größten Hoffnungsträger im Münchner Anwaltshimmel, wünscht sich, dass Ismaik seine Anteile den Fans schenkt – nach dem Modell Hoffenheim. Dieser Vergleich hinkt allerdings deutlich: SAP-Gründer Dietmar Hopp hat seine Beteiligung zwar reduziert, hält aber weiterhin 49 Prozent der Anteile an der Kraichgauer Fußballfirma. Aber das nur am Rande in der Giesinger Blase “Ich mal mir die Welt, wie sie mir gefällt”.
Die “AZ” schreibt: “Auch der Hochstilisierung von Ismaiks Siebenerpack an Forderungen, die angeblich gegen Sechzigs Satzung und DFB-Richtlinien verstoßen würde, widersprachen die Ismaik-Anwälte vehement: Eine renommierte Prüfungs- und Beratungsgesellschaft habe 1860 zum Zwecke eines baldigen Anteilsverkaufs durchleuchtet und erhebliche Compliance- und Reporting-Probleme diagnostiziert. Diese habe man lediglich lösen wollen, dabei satzungswidrige Inhalte herausverhandelt und letztlich wortgleiche Formulierungen aus bestehenden Darlehensverträgen übernommen. Bereits im Rahmen mehrerer Konferenzen habe man KGaA und Mutterverein schon vor dem 21. Mai darauf hingewiesen. Auch hier steht angesichts der seitens des e.V. als völlig überraschend dargestellten Kündigung der Darlehen also Aussage gegen Aussage.” Sätze mit Sprengstoff.
Anders als andernorts behauptet, hatte Ismaik die notwendigen 2,3 Millionen Euro auf dem Konto der eigenen Merchandising-Firma geparkt. Diesen Kontoauszug soll Ismaik gestern in seinem Münchner Hotel auch Reportern gezeigt haben. Dass die Summe auf einem deutschen Konto bereitstand, darüber hatte db24 bereits am besagten schwarzen Mittwoch (3. Juni) berichtet.
Wenig überraschend: Laut “AZ” existiert ein Gutachten des LMU-Professors Hans Christoph Grigoleit, eines ausgewiesenen Experten für Gesellschaftsrecht. Darin wird selbst für den Fall einer Insolvenz eine gesellschaftsrechtliche Treuepflicht des Gesellschafters e.V. gegenüber der KGaA bejaht – genau jene erwähnte Treuepflicht im Innenverhältnis, über das db24 bereits vor einigen Tagen berichtet hatte.
Ismaiks Vorwurf gegenüber dem “BR”: “Bei allem, was ich sage, argumentieren sie mit 50+1. Wenn ich nur ‘Kaffeemaschine’ sage, rufen sie 50+1.” Und weiter: “Das große Problem ist nicht das Geld. Das ist seit 15 Jahren vorhanden. Das Hauptproblem ist das Management und die Vereinsführung.” Diese versuche, “die Identität und die Vergangenheit zu beschützen. (…) Aber sie müssen auch die Zukunft im Blick haben.” Und die Zukunft lautet bei 1860 seit Jahren offenbar vor allem: Hauptsache Giesing – der Profifußball scheint dabei immer mehr aus dem Fokus geraten zu sein.
Übrigens: Gestern war an der Grünwalder Straße zumindest rund um die Mannschaft wieder so etwas wie Alltag eingekehrt. Nicht mehr als 25 Kiebitze verfolgten die XXL-Einheit von U21-Meistertrainer Alper Kayabunar, nachdem tags zuvor noch über 300 Schaulustige nach Giesing geströmt waren. Auch Not-Geschäftsführer Manfred Paula war vor Ort, im weißen Hemd und schwarzer Hose, telefonierte immer wieder und wirkte beschäftigt und alles andere als entspannt.
Hat der Aindlinger eine Lösung für das Giesinger Wirrwarr? Man kann es diesem großartigen Traditionsverein nur wünschen, der sich seit gefühlt zwei Jahrzehnten immer wieder selbst im Weg steht.






