VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)

Inzwischen sind die Gerichte eingeschaltet. Das Landgericht München führt unter dem Aktenzeichen 5 HK O 5549/26 ein eingeleitetes Verfahren von 1860-Aufsichtsrat Biel Ballester Relat gegen Herbert Bergmaier, Nicolai Walch, Gernot Mang und Sebastian Seeböck mit einer einstweiligen Verfügung - ausgerechnet gegen Bergmaier, den 1860-Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik vor knapp einem Jahr noch in das Kontrollgremium holte, was viele alte Löwen-Fans überhaupt nicht verstanden hatten, denn der Wochenanzeiger-Verleger war über Jahre Vorstand bei Pro1860, jener Vereinigung, die eine klare Linie verfolgt.

Und weil das jüngste Schreiben im Verein für Verwunderung sorgt, erklärte der neue 1860-Kontrolleur Nicolai Walch in einem Interview gegenüber dem e.V.-nahen Fanmagazin “sechzger.de”: “Noch vor meiner förmlichen Annahme des Amtes, hatte ich eine – gelinde gesagt – lächerliche einstweilige Verfügung im Beschlusswege ohne Anhörung auf dem Schreibtisch liegen. Ein herzliches Willkommensgeschenk zum Einstand! Antragsteller war Biel Ballester Relat, Antragsgegner sind neben mir Gernot Mang, Sebastian Seeböck und Herbert Bergmaier.”

Dass Ismaiks neuer Anwalt Dr. Peter Gauweiler zuletzt von einem Masterplan sprach, dass der e.V. bewusst auf eine Insolvenz hinarbeite, widersprach der Jurist entschieden: “Es handelt sich um einen schwerwiegenden Vorwurf, der komplett an den Haaren herbeigezogen ist. Dieser ist m.E. Teil einer gezielten Diffamierungskampagne. Wo sachliche Argumente nicht vorhanden sind, wird eben auf derartig schmutzige Methoden zurückgegriffen.”

Das wird sich auch Ex-Vize Hans Sitzberger denken, dem vor einigen Jahren bei 1860 ganz übel mitgespielt worden ist - aber definitiv nicht von der Ismaik-Seite. “Man drohte mir mit öffentlicher Diffamierung.” Seine Schlußfolgerung von 2024: “Dieser Verwaltungsrat ist Gift für unseren Verein.”

Dass die HAM-Seite jetzt schwere Geschütze auffährt, lässt Walch kalt: “Wir sehen das ganz entspannt. Wer schreit, hat Unrecht, und wer zu solchen Methoden greifen muss, dem fehlen die sachlichen Argumente. Wir lassen uns da nicht einschüchtern, weder vom Kapital noch von großen Namen. Auch wir haben unsere Netzwerke. Unterschätzt Giesing nicht! Für einvernehmliche Lösungen sind wir aber natürlich jederzeit offen. Ich bin ein Freund davon, immer das persönliche Gespräch außerhalb von Paragrafen und Öffentlichkeit zu suchen.”

Ist die Insolvenz bei 1860 noch zu vermeiden? Walch: “Auf jeden Fall. Hier ist aber nun HAM am Zug. Die Investorenseite kann völlig unproblematisch zur Vertragstreue zurückkehren und dadurch die Zukunft der KGaA sicherstellen. Festzuhalten bleibt aber, dass die Uhr erbarmungslos tickt. Wir sind weit fortgeschritten in der Frist zur Stellung des Insolvenzantrags. Unsere Hand bleibt ausgestreckt.”

Walchs Wunsch: “HAM und der e.V. reichen sich die Hand. Hasan Ismaik macht es wie Dietmar Hopp und gibt den Fans die Anteile zurück. Wir finden darüber hinaus einen gemeinsamen Weg zur Sanierung der KGaA unter Beteiligung des Vereins. Am Ende reichen wir uns die Hände und Hasan ist jederzeit bei uns willkommen und bleibt ein Teil der Löwenfamilie. So könnte man aus einem jahrelangen Missverständnis ein außergewöhnliches Märchen mit schönem Ende machen.”