Wer löst den Giesinger Knoten? Gauweiler kontra Mang - Infront will bleiben - Herausforderungen für Ausrüster Joma
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 12.06.2026 06:54
- 4 Minuten Lesezeit
- 379 Kommentare
VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
Noch immer ist der Giesinger Knoten nicht gelöst: Hasan Ismaik, der 60 Prozent an der KGaA hält, will die Kündigung des Kooperationsvertrags nicht akzeptieren. Um seine Rechte durchzufechten, hat sich der Geschäftsmann aus Abu Dhabi mit Star-Anwalt Peter Gauweiler einen schwarzen Sheriff der alten Münchner Schule zur Seite gestellt. Es könnte den Löwen eine langjährige Schlammschlacht bevorstehen – und das könnte für den einen oder anderen (Ex-)Funktionär durchaus unangenehm werden. Denn hier geht es um Gesellschaftsrecht, nicht um 50+1 innerhalb des DFB. Stichwort: Treuepflicht gegenüber dem gemeinsamen Unternehmen.
Gegenüber der “AZ” widerspricht der frühere CSU-Politiker den Aussagen von Präsident Gernot Mang, wonach die Darlehenskündigung “wirklich aus dem Nichts” gekommen sei: “Der Kündigung vorangegangen waren intensive Gespräche zwischen der HAM, dem e.V. und der KGaA, in denen von der HAM die Nichteinhaltung der vertraglichen Verpflichtungen durch die KGaA und Zusagen des e.V. beanstandet, die Beendigung der Darlehensverträge mit der KGaA angekündigt und der Vorschlag der HAM für eine alternative Finanzierung der KGaA mit finanziellen Mitteln besprochen wurden, die von einem externen Investor bereitgestellt werden.”
Gab es bei 1860 schon immer einen “Ohne Hasan”-Plan? Für Gauweiler dürfte es ein Leichtes sein, Zeugen aus dem Giesinger Zirkel für diesen Konfrontationskurs zu finden. Es sollen in seiner Münchner Kanzlei auch schon E-Mails von besorgten Adabeis eingegangen sein, die offenbar sehr vertraut mit der Giesinger Spielwiese sind. Außerdem wird Gauweiler vermutlich auch die ehemaligen Geschäftsführer des TSV 1860 zu Recherchezwecken kontaktieren – und dann könnte der Ball so richtig ins Rollen kommen.
Ex-Präsident Peter Cassalette hatte beispielsweise immer davon gesprochen, wie sich seine letzten Stunden nach dem verlorenen Relegationsspiel gegen Jahn Regensburg im Mai 2017 zugetragen haben: “Mir wurde gesagt: ‘Peter, du kannst bleiben – aber ab sofort ohne Hasan! In sechs Monaten sind wir ihn los …’”
Die drohende Insolvenz kreist weiter über Giesing. Nach db24-Informationen lag auch bis Donnerstagabend beim Amtsgericht an der Infanteriestraße keine Insolvenzanmeldung vor. Woran das liegt, ist derzeit offen. Bekannt ist allerdings, dass Hasan Ismaik eine Insolvenz verhindern will. Und selbst wenn die KGaA den Gang zum Insolvenzgericht antreten müsste, wäre der Jordanier als größter Gläubiger in einer entscheidenden Position. Ob wirklich allen Beteiligten bewusst ist, welche Folgen das für die weitere Entwicklung des Klubs hätte? Aktuell hat 1860 noch keine Mannschaft. Aber es könnte theoretisch sofort eine Mischung aus der U17 und der Kreisliga-Elf an den Start gehen. Beide Teams sind - anders als die Profis, U21 und U19 im e.V. - verankert. Einige Profis aus der Vorsaison haben auch schon ihr Interesse bekundet, bei 1860 weitermachen zu wollen.
Zumindest kann 1860 offensichtlich auf seine Partner zählen. Vermarkter Infront will die Löwen in jedem Fall weiter begleiten. “Als exklusiver Vermarktungspartner stehen wir mit den Verantwortlichen beim TSV 1860 München aufgrund der aktuellen Situation in engem Austausch und sind an der Fortführung der erfolgreichen Zusammenarbeit interessiert”, erklärte Marco Sautner, Managing Director von Infront, gegenüber db24. Mehr wollte der langjährige Partner aber nicht sagen: “Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns zu diesen laufenden Gesprächen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht äußern werden. Zu Vertragsinhalten nehmen wir grundsätzlich keine Stellung.” Auch die Stadt München steht an der Seite des e.V. Laut “Merkur” ist das Rathaus bereit, die Stadion-Miete auf rund 400.000 Euro zu senken. Und da wäre da noch das Trainingsgelände…
Martin Gräfer, Vorstand von Hauptsponsor Die Bayerische, hatte nach der Sonderkündigung des Vertrages vor mehr als einer Woche erklärt, dass sein Unternehmen bei einem Neubeginn im Klub gesprächsbereit sei. Er hat erneut eine Hybrid-Mitgliederversammlung vorgeschlagen. Ob das aber allen gefällt?
Und dann bleibt auch die Frage: Wie geht Ausrüster Joma mit der neuen Situation um? Die Spanier haben mit ihrer Trikotkollektion in der vergangenen Saison bewiesen, dass sie nicht nur den Markt verstehen, sondern auch ihr Geschäft. Die beiden Löwen-Trikots wurden von den deutschen Fußballfans zu den besten aller drei Profiligen gekürt. Natürlich möchte man die Partnerschaft fortsetzen – allerdings ist der Vertrag mit der KGaA geschlossen. Die neuesten Entwicklungen dürften Joma deshalb vor große Herausforderungen stellen. Denn die Markenrechte liegen bei Ismaik. Sollte sich Joma für einen Weg mit dem e.V. entscheiden, gäbe es keine Möglichkeit mehr, die Ware über die Fanshops zu verkaufen, zumal nicht nur das Logo geschützt ist, sondern auch der Slogan “Einmal Löwe, immer Löwe” auf dem Rücken des Trikots. Die neuen Löwen-Gewänder sind längst produziert – und Verluste wollen die Spanier wohl kaum freiwillig in Kauf nehmen.
Die neuen Trikots sind nach db24-Informationen übrigens noch einmal eine Steigerung zur Vorsaison: Auf der Vorderseite stehen alle Namen der Meister-Helden. Eine späte Würdigung für Radi, Heiß, Patzke, Reich & Co. und ihre Verdienste rund um den Giesinger Traditionsverein. Ein Must-have für die Fans.

Kein Zufall ist vermutlich auch, dass Multi-Funktionär Sebastian Seeböck (Aufsichtsrat, Beirat, Verwaltungsrat) gestern einen Retro-Löwen auf seinem Facebook-Kanal hochlud, der mutmaßlich das neue Logo des e.V. sein soll. Auch andere Protagonisten aus dem e.V.-Zirkel veröffentlichten die wenig geschmackvolle Grafik, die eher an einen geteilten Drachen als an einen stolzen Löwen erinnert. Aber über Stil lässt sich bekanntlich streiten – vor allem in Giesing.






