VR-Kandidat Graeter: "Es muss endlich aufhören, dass 1860 wie ein Bienenzuchtverein geführt wird"
- VON OLIVER GRISS UND FOTO (PRIVAT)
- 11.06.2026 09:27
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VON OLIVER GRISS UND FOTO (PRIVAT)
So blieb am Ende vor allem das Verwaltungsrats-Casting im Vorfeld der Mitgliederversammlung am 21. Juni. Von den zehn Kandidaten fehlten allerdings gleich vier und stellten sich den Mitgliedern nicht persönlich vor.
Einer, der zu den rund 150 Besuchern sprach, war Michael Graeter. Der langjährige Gesellschaftsreporter (u.a. AZ, Bild und Bunte) zählt seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Journalisten Deutschlands, seine Rolle wurde im ARD-Klassiker „Kir Royal“ verewigt.
Graeter ist seit den 80er Jahren Lebensmitglied des TSV 1860 und zeigt sich tief getroffen vom erneuten Absturz: „Diesen Zwangsabstieg hätte man unbedingt vermeiden müssen. Wenn man eins und eins zusammenzählt, kommt man nicht daran vorbei, dass das alles sehr merkwürdig ist“, sagt er gegenüber db24 und ergänzt: „Es muss endlich aufhören, dass 1860 wie ein Bienenzuchtverein geführt wird – wobei ich den engagierten Imkern damit vermutlich unrecht tue. 1860 hat wahrlich Besseres verdient als die aktuelle Situation und ihre Protagonisten.“
Graeter erinnert daran, dass er in den 80er Jahren den Unternehmer Karl Heckl zu den Löwen vermittelte. Dieser prägte einst den legendären Satz: „Ich bin bei 1860 Millionär geworden – vorher war ich Milliardär.“ Auch Heckl investierte damals viel Geld in den Verein – allerdings fehlten ihm sowohl die notwendige Expertise als auch die richtigen Berater.
Dass Hasan Ismaik den von Präsident Gernot Mang ausgerufenen „Befreiungskampf“ nicht akzeptiert, hält Graeter für nachvollziehbar: „Was man Ismaik vorwerfen muss, ist, dass er über all die Jahre zu gutmütig war. Jetzt hat er in Peter Gauweiler aber einen Mann gefunden, der ihm sein Recht zurückbringen wird. Er ist einer der besten Wirtschaftsjuristen Deutschlands. Und ein Rat an 1860: Man beißt nicht die Hand, die einen füttert. In allen Ländern funktionieren Investoren, ob in Frankreich oder England - nur bei uns in Giesing nicht. Wer sind da die Spielverderber?“
Scharfe Kritik übt Graeter auch an einer Aussage Mangs im Bayerischen Rundfunk. Dieser hatte erklärt, er könne nicht nachvollziehen, warum Gauweiler als ehemaliger CSU-Politiker jemanden aus dem „Middle East“ vertrete. „Das ist eine Frechheit“, poltert Graeter. „Wir leben in einem freien Land, und wen Gauweiler anwaltlich vertritt, geht Herrn Mang überhaupt nichts an.“
Auch deshalb kandidiert Graeter für den Verwaltungsrat. Zudem kritisiert er weiterhin den Ablauf der Mitgliederversammlung 2024: „Das ist nicht sauber abgelaufen. Ich bin erst anderthalb Stunden nach Beginn der MV in die Halle gekommen. Und das Schlimme ist, dass diese Veranstaltung bis 22 Uhr gedauert hat. Sowas gibt es normalerweise nicht - in keinem Verein und keiner Firma…“
Pro1860 zog nach der Veranstaltung in den sozialen Medien ein positives Fazit: „Heute hatten die Mitglieder im Schlachthof München die Gelegenheit, die Kandidatinnen und Kandidaten für den Wahlausschuss und den Verwaltungsrat persönlich kennenzulernen. In ihren Vorstellungen präsentierten sie ihre Beweggründe, Ziele und Ideen und stellten sich den Fragen der Anwesenden. Danke für euer Interesse an unserem Format, das wir seit Jahren im Sinne einer aufgeklärten und informierten Mitgliedschaft des TSV München von 1860 e.V. eigenständig anbieten. Vielen Dank an Peter Kveton (BR) für die Moderation sowie an alle Kandidatinnen und Kandidaten für ihre Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, und an die zahlreichen Mitglieder für die konstruktive Diskussion. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu den anstehenden Wahlen – für einen starken und lebendigen TSV 1860 München. Wir sehen uns auf der Mitgliederversammlung!“
Das Schlusswort von Pro1860 lautete: „Mit Sechzig wird immer zu rechnen sein!“






