Der Gast-Kommentar von Franz-Josef Obermaier: Es reicht!
- VON FRANZ-JOSEF OBERMAIER
- 10.06.2026 10:18
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Franz-Josef Obermaier ist schwer enttäuscht.
VON FRANZ-JOSEF OBERMAIER
Auf der einen Seite die Bereitschaft der Fans, für ihren Verein das letzte Hemd zu geben. Sogar DFB-Sportdirektor Rudi Völler will als ehemaliger Löwe spenden - auf der anderen Seite die Angst der Anhänger vor der sportlichen und wirtschaftlichen Zukunft. Der Gast-Kommentar von Unternehmer Franz-Josef Obermaier aus Forstern.
Es reicht. Für viele Löwen-Fans ist ein Punkt erreicht, an dem Enttäuschung längst in Wut umgeschlagen ist. Der Zwangsabstieg des TSV 1860 München ist nicht einfach nur ein sportlicher Rückschlag. Er ist eine historische Blamage für einen der traditionsreichsten Vereine Deutschlands. Und das Erschütterndste daran ist nicht einmal der Abstieg selbst. Es ist die Reaktion derjenigen, die den Verein führen. Kein Rücktritt. Keine personellen Konsequenzen. Keine erkennbare Übernahme von Verantwortung. Stattdessen wird weitergemacht, als wäre nichts Außergewöhnliches passiert.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um eine verlorene Saison. Es geht um Vertrauen. Es geht um Glaubwürdigkeit. Es geht um die Frage, wie ein Verein mit einer solchen Katastrophe umgeht. Seit Jahren wird den Mitgliedern erzählt, dass 50+1 den Verein schützt. Dass die Macht beim Verein bleibt. Dass Investoren nicht über den Verein bestimmen dürfen.
Doch nach diesem Desaster stellen sich viele Fans eine andere Frage:
Wer schützt den Verein eigentlich vor den eigenen Funktionären? Wer schützt die Mitglieder vor Fehlentscheidungen, wenn diejenigen, die sie getroffen haben, am Ende keinerlei Konsequenzen tragen? Wer schützt einen Traditionsverein vor einer Führung, die nach einer der schwersten Krisen seiner Geschichte nicht einmal bereit ist, politische Verantwortung zu übernehmen?
Und bitte hört endlich auf, jede Diskussion reflexartig auf Hasan Ismaik zu reduzieren.
Man kann Ismaik kritisieren. Man kann viele seiner Entscheidungen kritisch sehen. Doch die Verantwortung für den e.V. liegt beim e.V. Die Verantwortung für dessen Entscheidungen liegt beim e.V. Und die Verantwortung für die aktuelle Situation liegt bei denjenigen, die seit Jahren die Kontrolle über die Vereinsgremien beanspruchen. Wer die Verantwortung für sich reklamiert, kann im Moment des Scheiterns nicht plötzlich so tun, als seien immer nur die anderen schuld.
Besonders deutlich wurde das beim Auftritt von Präsident Gernot Mang in der gestrigen Abendschau im BR. Viele Mitglieder und Fans hofften auf Antworten. Auf Orientierung. Auf einen Plan. Doch zurück blieb vor allem ein Gefühl der Unsicherheit. Wie soll der sportliche Wiederaufbau gelingen? Wie sieht die finanzielle Strategie aus? Wie soll verloren gegangenes Vertrauen zurückgewonnen werden? Welche Konsequenzen ziehen die Verantwortlichen aus dem Scheitern?
Auf viele dieser Fragen gab es keine überzeugenden Antworten. Statt Zuversicht entstand der Eindruck, dass selbst die Verantwortlichen noch immer keine klare Vorstellung davon haben, wie der TSV 1860 München aus dieser Krise herausgeführt werden soll.
Besonders irritierend wirkte dabei die Diskussion um Peter Gauweiler und dessen Vertretung von Hasan Ismaik. Wieder entstand der Eindruck, dass Nebenschauplätze wichtiger genommen werden als die eigentlichen Probleme des Vereins. Viele Fans haben längst genug von Schuldzuweisungen. Sie wollen Lösungen. Sie wollen Führung.
Sie wollen Verantwortungsbewusstsein.
Und dann kam der Spendenaufruf. Natürlich ist die Hilfsbereitschaft der Löwen-Familie beeindruckend. Viele Fans sind bereit, selbst in schwierigen Zeiten Geld zu geben, um ihren Verein zu unterstützen. Doch genau deshalb drängen sich unbequeme Fragen auf. Warum müssen schon wieder die Mitglieder und Fans einspringen? Wo sind die großen Sponsoren? Wo sind die Unternehmer und Netzwerke? Wo sind die Unterstützer, die einem Traditionsverein in einer existenziellen Krise zur Seite stehen? Warum gelingt es offenbar nicht, ausreichend finanzielle Hilfe aus dem wirtschaftlichen Umfeld zu mobilisieren?
Ein Verein mit der Strahlkraft des TSV 1860 München sollte eigentlich Menschen finden, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, Kontakte einzubringen und den Wiederaufbau zu unterstützen. Stattdessen werden erneut diejenigen um Hilfe gebeten, die den Verein ohnehin seit Jahren tragen. Die Fans. Die Mitglieder. Die Ehrenamtlichen.
Viele fragen sich inzwischen, ob das Fehlen größerer Unterstützer nicht auch etwas über das Vertrauen aussagt, das potenzielle Geldgeber in die aktuelle Führung haben. Denn wer von einem Kurs überzeugt ist, investiert. Wer an eine Strategie glaubt, unterstützt. Wer Vertrauen genießt, findet Partner. Genau dieses Vertrauen scheint jedoch verloren gegangen zu sein.
Und damit sind wir beim eigentlichen Kern des Problems. Die größte Enttäuschung ist nicht der Zwangsabstieg. Die größte Enttäuschung ist, dass diejenigen, die den Verein in diese Situation geführt haben, offenbar keinen Anlass sehen, persönliche Konsequenzen zu ziehen. In jedem professionell geführten Unternehmen, in jeder verantwortungsvoll geführten Organisation und in vielen anderen Vereinen wären nach einem derartigen Desaster längst personelle Konsequenzen gezogen worden. Beim TSV 1860 München scheint dagegen das Festhalten an Ämtern wichtiger zu sein als die Frage, was für den Verein richtig wäre.
Es werden große Worte benutzt. Von Aufbruch ist die Rede. Von Neuanfang. Von Befreiungsschlägen. Doch viele Fans fragen sich: Auf welcher Grundlage eigentlich? Wo ist der Plan? Wo ist die Strategie? Wo ist die Vision?
Vor allem aber: Warum sollte man ausgerechnet denjenigen vertrauen, die den Verein nicht vor dieser historischen Krise bewahren konnten? Der TSV 1860 München braucht jetzt keine weiteren Durchhalteparolen. Er braucht Glaubwürdigkeit. Er braucht Kompetenz. Er braucht Vertrauen. Und er braucht einen echten Neuanfang. Deshalb richtet sich an die Verantwortlichen eine einfache Frage: Seid ihr wirklich noch die Richtigen, um diesen Verein aus der schwersten Krise seiner jüngeren Geschichte zu führen? Für viele Mitglieder und Fans lautet die Antwort längst: Nein. Manchmal besteht Verantwortung nicht darin, festzuhalten. Manchmal besteht Verantwortung darin, loszulassen. Wenn ihr den TSV 1860 München wirklich liebt, dann stellt nicht eure Ämter in den Mittelpunkt. Stellt den Verein in den Mittelpunkt. Die Löwen werden bleiben. Die Mitglieder werden bleiben. Die Fans werden bleiben. Die Funktionäre werden irgendwann gehen.
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