Gräfer mit Fünf-Punkte-Plan für die 1860-Zukunft: Her mit der Hybrid-MV!
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 10.06.2026 07:39
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VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
Es sind harte Zeiten bei Sechzig München. Eine Woche ist der schwarze Mittwoch genau her - und noch immer ist keine Lösung in Sicht. Schlimmer noch: Es droht eine jahrelange Schlammschlacht zwischen beiden Gesellschaftern - und die Insolvenz der KGaA des TSV 1860.
Hauptsponsor “Die Bayerische” hat ihren Vertrag unmittelbar nach dem Zwangsabstieg außerordentlich gekündigt. Es gibt aber eine Chance auf ein schnelles Comeback. Martin Gräfer, der Vorstand des Versicherers, schrieb jetzt auf seinen Social Media-Kanälen: “Ganz persönlich bleibe ich Mitglied des TSV München von 1860 e.V. Und zwar auf Lebenszeit. Heute reden viele über Schuldige. Das verstehe ich. Mich interessiert vor allem eine andere Frage:
Was müssen wir ändern, damit wir in fünf oder zehn Jahren nicht wieder genau hier stehen? Der Lizenzentzug ist kein Betriebsunfall. Er ist das Ergebnis von Problemen, die seit Jahren bekannt waren. Jahr für Jahr mussten Verluste ausgeglichen werden. Jahr für Jahr wurde über Lösungen gestritten. Die eigentlichen Probleme blieben bestehen.”
Und Gräfer blickt in der Stunde null zurück: “Eine Reihe möglicher Lösungen wurden bereits im Matchplan des Bündnis Zukunft 1860 im Jahr 2024 beschrieben. Nicht alles daran war perfekt. Nicht alles wäre umsetzbar gewesen. Aber die Kernprobleme waren offensichtlich. Deshalb hoffe ich auf einen echten Neuanfang. Ein echter Neuanfang bedeutet für mich zunächst die Lösung des Gesellschafterkonflikts. Den eingeschlagenen Weg des Präsidiums unterstütze ich ausdrücklich. Wer glaubt, damit seien die Probleme des TSV 1860 gelöst, macht es sich allerdings zu einfach.
Auch lange vor dem Einstieg des Investors gab es immer wieder sportliche, wirtschaftliche und strukturelle Krisen. Deshalb braucht es aus meiner Sicht auch Veränderungen im Verein selbst.
1. Mehr Beteiligung der Mitglieder: Nicht einmal 500 Mitglieder haben im vergangenen Jahr über die Zukunft eines Vereins mit inzwischen mehr als 27.000 Mitgliedern entschieden. Warum? Für hybride Mitgliederversammlungen braucht es nach meinem Verständnis nicht einmal eine Satzungsänderung. Es braucht eine Entscheidung des Präsidiums. Wer in ganz Deutschland und weit darüber hinaus Mitglieder hat, sollte ihnen auch die Möglichkeit geben, an wichtigen Entscheidungen digital teilzunehmen. Mindestens genauso wichtig ist aber die Frage der Information. Wie sollen Mitglieder fundierte Entscheidungen treffen, wenn sie unterschiedliche Positionen, Vorschläge und Konzepte oft gar nicht kennen? Ich wünsche mir deshalb eine Plattform des Vereins, auf der unterschiedliche Meinungen, und Zukunftskonzepte für alle Mitglieder transparent dargestellt werden. Nicht als Instrument einzelner Gruppen. Sondern als Ort, an dem sich alle Mitglieder ein eigenes Bild machen können. Denn echte Beteiligung beginnt nicht bei der Abstimmung. Sie beginnt bei der Information.
2. Faire und neutrale Mitgliederversammlungen: Unterschiedliche Meinungen gehören zu einem Mitgliederverein. Aber jedes Mitglied muss darauf vertrauen können, dass Versammlungen fair geleitet werden, Redezeiten ausgewogen vergeben werden und unterschiedliche Positionen respektiert werden.
3. Mehr Demokratie auch zwischen den Mitgliederversammlungen: Mitgliedschaft darf nicht bedeuten, einmal im Jahr abstimmen zu dürfen.
Ein Verein mit über 27.000 Mitgliedern braucht Möglichkeiten, wichtige Themen, Vorschläge und Zukunftsfragen auch zwischen den Mitgliederversammlungen mit seinen Mitgliedern zu diskutieren. Warum nicht regelmäßige digitale Mitgliederdialoge?
Warum nicht Befragungen zu wichtigen Zukunftsfragen? Warum nicht mehr Möglichkeiten, Ideen und Konzepte frühzeitig vorzustellen und zu diskutieren?
Viele der heutigen Strukturen und Regeln sind aus den Konflikten der Vergangenheit entstanden. Das ist nachvollziehbar. Die entscheidende Frage lautet aber:
Helfen sie uns heute dabei, die Zukunft zu gestalten? Oder helfen sie uns vor allem dabei, die Konflikte der Vergangenheit weiterzuführen?
4. Eine professionelle Zukunftsstrategie für den Fußball: Wo soll 1860 in zehn Jahren stehen? Bundesliga? 2. Liga? Etablierter Ausbildungsverein?
Alles sind legitime Antworten. Aber ein Verein braucht gemeinsame Ziele. Und er muss seine Entscheidungen konsequent daran ausrichten. Stadion, Trainingsgelände, Nachwuchsleistungszentrum, Frauenfußball und Profifußball müssen Teil eines gemeinsamen Zukunftsbildes sein.
5. Verantwortung statt Lagerdenken: Die Entwicklung der Fußballabteilung in den vergangenen Jahren lag nicht nur in der Verantwortung von Investoren oder Geschäftsführern. Auch die gewählten Vereinsgremien tragen Verantwortung.
Wer die Zukunft gestalten will, muss bereit sein, auch die eigene Rolle kritisch zu hinterfragen.
Die Realität ist:
Niemand wird den TSV 1860 alleine retten.
Kein Investor.
Kein Präsident.
Kein Sponsor.
Kein Verwaltungsrat.
Und auch kein einzelnes Fanlager.
Die Zukunft dieses Vereins wird davon abhängen, ob es gelingt, mehr Menschen einzubinden, gemeinsame Ziele zu verfolgen und wieder Vertrauen aufzubauen.
Deshalb werde ich an der Mitgliederversammlung am 21.06.2026 teilnehmen.
Nicht als Sponsor.
Nicht als Kandidat.
Sondern als einfaches Mitglied.
Und ich hoffe, dass viele weitere Mitglieder kommen. Noch mehr hoffe ich, dass viele Menschen gerade jetzt Mitglied werden und sich einbringen. Denn die Zukunft der Löwen entscheidet sich nicht auf Social Media. Sie entscheidet sich dort, wo Mitglieder mitdiskutieren, mitentscheiden und Mehrheiten organisieren.
Wer 1860 liebt, sollte jetzt nicht austreten.
Wer 1860 liebt, sollte Mitglied werden.
Wer 1860 liebt, sollte sich einbringen.
Die Löwen haben viele schwierige Zeiten überstanden. Diese gehört sicher zu den schwersten. Jetzt beginnt die Arbeit für die Zukunft. Ich habe auf diese Fragen nicht alle Antworten. Aber ich bin überzeugt, dass wir anfangen müssen, die richtigen Fragen zu stellen.






