Jetzt erst recht: Lasst Sechzig nicht untergehen und zeigt Trikot!
- VON OLIVER GRISS
- 07.06.2026 13:17
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VON OLIVER GRISS
Sechzig ist Wucht.
Sechzig ist Heimat.
Sechzig ist Kultur.
Sechzig ist Lebensgefühl.
Sechzig ist aber auch oft Chaos.
Und weil die Situation gerade so schwer und unübersichtlich ist, denke ich oft zurück – an die Zeit, als ich zum ersten Mal begriffen habe, dass die Löwen ein ganz besonderer Verein sind. Es war die Saison 1981/82. Der TSV 1860 verpasste als Tabellenvierter der Zweiten Liga nur knapp den Aufstieg. Doch anstatt einen neuen Anlauf zu nehmen, wurde der Löwe in die Bayernliga versenkt. Zwangsabstieg.
Acht Millionen Mark fehlten – und Spieler wie Rudi Völler, Wolfgang Sidka oder Herbert Waas wechselten in die Bundesliga, anstatt den Wiederaufbau mitzutragen. Weil 1860 ins Bodenlose stürzte, verfolgte ich die neuen Vereine dieser Idole ganz besonders: Werder Bremen und Bayer Leverkusen.
Als zehnjähriger Bub konnte ich damals nicht verstehen, warum mein Verein absteigen musste. Der Liebe zu Sechzig tat das keinen Abbruch. Stolz präsentierte ich mein Löwen-Trikot mit der selbst aufgenähten Nummer 6 von Erich Beer in meiner Schulklasse an der Grundschule am Marsplatz in Neuhausen.
1860 war für mich nie gleichbedeutend mit konstantem Erfolg, sondern vielmehr ein Spiegel des wahren Lebens. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Vielleicht hatte ich deshalb auch nie die Absicht, als Reporter in schwierigen Zeiten den Abflug zu machen und beim Nachbarn Karriere zu suchen. Sechzig gibt einem etwas, das viele andere Vereine nicht kennen: Dramaturgie, Leidenschaft und Herzschmerz.

Sechzig fesselt immer. Es ist zu meinem Lebensinhalt geworden – auch wenn ich mir nie hätte vorstellen können, dass dieser Verein seit rund 20 Jahren von chronischem Misserfolg geprägt sein könnte. Tage wie diese schmerzen besonders, weil sich der Klub seit Jahren selbst im Weg steht. Das, was den Verein einst ausgezeichnet hat, scheint verloren gegangen zu sein: Zusammenhalt, Respekt und der menschliche Umgang miteinander. Man denke nur an die Fälle Bierofka, Köllner, Sitzberger, Pfeifer oder Werner.
Weil ich in den vergangenen Tagen immer wieder gefragt werde: „Was soll ich jetzt tun?“, lautet meine Antwort: Auf gar keinen Fall die Mitgliedschaft beim e.V. kündigen. Und wer noch kein Mitglied ist, sollte gerade in diesen schwierigen Zeiten ein Zeichen setzen und dem TSV 1860 beitreten. Am besten sogar die große Lösung: 1.860 Euro für die Lebensmitgliedschaft. Genauso wenig halte ich es für richtig, die Dauerkarte zurückzugeben – weil man damit möglicherweise der KGaA schadet.
Veränderung erreicht man nicht durch Rückzug, sondern durch Engagement. Ich bin mit der aktuellen Vereinspolitik nicht einverstanden – und das gilt ausdrücklich für beide Gesellschafter. Beide Seiten haben ihren Anteil daran, dass zehntausende Löwen-Fans seit dem 3. Juni schlecht schlafen und sich nach einer besseren Zukunft für den TSV 1860 sehnen.
Denn eines darf bei aller Enttäuschung nicht verloren gehen: Der Verein gehört seinen Menschen – nicht Investoren und Funktionären, die um ihren Machterhalt kämpfen. Nur wenn Menschen zusammenstehen, wird Sechzig irgendwann wieder das werden, was wir alle in ihm sehen: ein großer Verein.
Deswegen: Tragt jetzt in dieser schwierigen Zeit stolz das Löwen-Trikot, ob beim Sport, im Urlaub oder auf einen Social Media-Kanälen. Dieser Verein darf nicht untergehen und verschwinden.
Oliver Griss






