Derby-Held Riedl: "In der Führungsetage wurde über viele Jahre kein gutes Bild abgegeben"
- VON OLIVER GRISS UND GETTY (FOTO)
- 07.06.2026 10:40
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VON OLIVER GRISS UND GETTY (FOTO)
Sollte es in die Insolvenz gehen, würden die Löwen erst einmal ohne Personal dastehen. Ein Zusammenarbeit zwischen dem e.V. und Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik scheint inzwischen ausgeschlossen zu sein. Die Vereinsseite hat den Kooperationsvertrag mit dem Jordanier gekündigt, nachdem dieser kurzfristig ein zugesagtes Darlehen in Höhe von 2,7 Millionen Euro gekündigt hatte. Die Folge: Der zweite Absturz in die Viertklassigkeit binnen von neun Jahren. Die Fans sind am Boden.
Der Tag nach dem Zwangsabstieg: Was muss jetzt bei 1860 passieren?
Kult-Verteidiger Thomas Miller sagt zum Beispiel gegenüber “Sport1”: “Die Situation zwischen Ismaik und dem Verein scheint inzwischen so verfahren, dass eine gemeinsame Zukunft kaum noch denkbar is. Statt weiter Zeit und Energie in einen festgefahrenen Konflikt zu investieren, könnte ein geordneter Neuanfang – gegebenenfalls auch über eine Insolvenz – eine Lösung sein. Mit neuen Geldgebern und klaren Strukturen ließe sich möglicherweise eine unbelastete Zukunft aufbauen.“ Und doch warnt der 63-jährige Finanzbeamte: „Man sollte beachten, dass eine Insolvenz für einen Profifußballverein erhebliche Risiken mit sich bringt – etwa Punktabzüge, Lizenzprobleme und wirtschaftliche Unsicherheiten.“
Die Strukturen bei 1860 sind aus der Steinzeit - der mächtige Verwaltungsrat schlägt den Präsidenten vor, die Mitglieder können abnicken oder ablehnen. Dieses System stört den Großteil der Löwen-Familie, die sich ohnehin eine Hybrid-Variante wünscht.
Auch Thomas Riedl, der am 27. November 1999 mit seinem Gold-Tor gegen den FC Bayern für einen großartigen Moment gesorgt hatte, wird müde, wenn er über 1860 spricht. „Natürlich sind das ganz bittere Tage für alle Löwen. Wenn man ehrlich ist, haben die Verantwortlichen in den vergangenen 15 Jahren keine gute Arbeit abgeliefert“, sagte der Derby-Held gegenüber Sport1. Es sei nie gelungen, „die GmbH und den e.V. wirklich zusammenzubringen, damit beide an einem Strang ziehen. Stattdessen herrschten immer Misstrauen und Konflikte.“
Riedls Vorschlag für eine bessere Zukunft: „Jetzt gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder man jammert weiter, sucht Schuldige und schimpft auf den Investor. Oder man schaut endlich nach vorne. Das einzig Positive an dieser schlimmen Situation ist die Chance auf einen echten Neuanfang. Der muss jetzt kommen – ohne Wenn und Aber. Und das wird verdammt schwer.” Und: “Jetzt braucht es neue Leute, die anpacken und Verantwortung übernehmen. Man sollte endlich wieder mehr Fußballkompetenz in die entscheidenden Positionen holen.“
Riedl wird deutlich, woran es bei 1860 krankt: Zu oft hatten Unternehmer und Politiker das Sagen, aber zu selten Menschen, die den Fußball aus eigener Erfahrung kennen.
„In der Führungsetage wurde über viele Jahre kein gutes Bild abgegeben. Vieles ist leider immer schlimmer geworden.“






