Der Gast-Kommentar von Ex-Kassenprüfer Herbert Hagen: "Wir Löwen-Fans fordern eine sofortige Zäsur!"
- VON HERBERT HAGEN UND IMAGO (FOTO)
- 05.06.2026 13:12
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VON HERBERT HAGEN UND IMAGO (FOTO)
Es waren Bilder, die viele Fans ihr Leben lang nicht vergessen werden. Als Gernot Mang aus der Geschäftsstelle kam und das Drittliga-Aus verkündete, gab’s lautstark Unmutsäußerungen. Die einen riefen “Alle raus!”, die anderen hielten mit “Scheiß auf den Scheich” dagegen. Die Löwen im Jahr 2026. Völlig uneinig. Herbert Hagen, der frühere 1860-Kasenprüfer, hat uns einen Gast-Kommentar geschrieben. Seine Meinung ist klar und verständlich.
Der 3. Juni 2026 wird als einer der schwärzesten Tage in die Geschichte des TSV 1860 München eingehen. Der Zwangsabstieg in die Regionalliga ist nicht einfach nur „passiert“ – er ist das zwangsläufige Resultat eines jahrelangen, hausgemachten Versagens.
Während bei den Löwen seit Jahren zwischen Investor und Verein Streit und gegenseitige Anschuldigungen das Bild prägen, hat eine ganze Generation von Funktionären, Beratern und Entscheidungsträgern den Verein sehenden Auges gegen die Wand gefahren.
Selbstredend war die Rolle des Investors, der mit seinem finanziellen Hebel das Schicksal des Klubs maßgeblich mitbestimmt, mitunter mehr als unglücklich. Doch wer den Blick nur auf die HAM International richtet, macht es sich viel zu einfach. Die wahre Verantwortung für diesen Totalabsturz liegt in den Büros an der Grünwalder Straße.
Der Tag nach dem Zwangsabstieg: Was muss jetzt bei 1860 passieren?
Der e.V. hat sich in einer Mischung aus ideologischer Verblendung und operativer Überforderung in eine Sackgasse manövriert. Man hat es als Gesellschafter über Jahre hinweg versäumt, eine professionelle, konsens- und tragfähige Struktur zu schaffen, die den Verein vom Wohlwollen eines einzelnen Gesellschafters unabhängig macht. Stattdessen hat man sich in Grabenkämpfen verloren, jede Chance auf einen Kompromiss durch phasenweise rhetorische Zuspitzung torpediert und den Verein zur Spielwiese für überforderte Funktionsträger und Berater verkommen lassen.
Diese sogenannten „Berater“ und „Strategen“, die sich im Umfeld des e.V. tummeln, haben mehr Zeit damit verbracht, ihre eigene Relevanz zu sichern und interne Machtkämpfe zu befeuern, als den TSV 1860 München sportlich oder wirtschaftlich zukunftsfähig zu machen und weiterzuentwickeln. Sie haben zugesehen – oder aktiv dazu beigetragen –, wie der Verein Stück für Stück an Substanz, Glaubwürdigkeit, Sympathie und sportlichem Wert verloren hat.
Die Bilanz dieses Handelns ist erschütternd: 60 Jahre nach der Deutschen Meisterschaft ist der TSV 1860 München viertklassig.
Sportlich eine Katastrophe (Eltersdorf und Landsberg statt Aachen und Düsseldorf), wirtschaftlich ein Desaster. Es drohen Mindereinnahmen in Millionenhöhe durch ausbleibende Ablösesummen, fehlende Magenta-Zahlungen, Einbußen bei den Dauerkartenerlösen, Rückzug des Hauptsponsors und Anpassungen der übrigen Sponsorenverträge einschließlich des Ausrüstervertrages. Und jetzt die Kündigung des Kooperationsvertrages durch den e.V. mit unabsehbaren rechtlichen und wirtschaftlichen Risiken und Folgen ohne jegliche Einbeziehung der Mitglieder, obwohl die MV unmittelbar bevorsteht. Die eh sehr knappen Gelder werden in Zukunft überwiegend in die Kassen der beauftragten Anwaltskanzleien fließen statt in den Sport. Die rechtliche Aufarbeitung wird Sechzig über Jahre hinweg beschäftigen und lähmen. Auffallend in dem Zusammenhang war für mich die unmittelbare und zeitnahe Veröffentlichung des Fragen und Antworten-Katalogs sowie die sofortige Kündigung des Kooperationsvertrags. War dies von Anfang an der Plan? Gibt es Kräfte im oder sogar außerhalb des Vereins, die dies eingefordert haben und ggfs. bereits 2017 erfolglos eingefordert hatten?
Schwer enttäuscht hat mich dieser Tage das Präsidium, allen voran Präsident Gernot Mang, der es nicht geschafft hat, einen Plan B zu präsentieren. Wie abschreckend muss ein Verein in seiner Funktion als Gesellschafter sein, wenn er es in einer Wirtschaftsmetropole wie München nicht schafft 2,7 Mio. EUR aufzutreiben? Oder liegt es an den „handelnden“ Verantwortlichen? Die Frage muss lauten „Was kann ich für Sechzig tun?“ und nicht „Was kann Sechzig für mich tun? Viel von Mangs Versprechen bei seinem Amtsantritt bleibt da nicht mehr übrig. Er verantwortet in seiner Funktion als Präsident des e.V. diesen Zwangsabstieg. Beide Gesellschafter haben dieses unerträgliche Szenario zu verantworten!
Wir Löwen-Fans fordern eine sofortige Zäsur. Alle Verantwortlichen im e.V., die diesen Niedergang durch Inkompetenz, Profilierungsstreben, Eigeninteressen oder bloßes Nichthandeln ermöglicht haben, müssen die Konsequenzen ziehen und den Weg frei machen. Der TSV 1860 München ist keine Spielwiese und kein Experimentierfeld für Funktionäre oder solche, die es gerne wären. Er ist ein Traditionsverein, der aktuell von seinen eigenen Leuten demontiert wird. Es ist Zeit für einen echten Neuanfang ohne die Architekten dieses Untergangs.
Der Rückzug der Bayerischen ist unter den beschriebenen Umständen nur folgerichtig und konsequent. Mein Dank gilt an dieser Stelle auch insbesondere Herrn Gräfer, der sich in stürmischen Zeiten stets als verlässlicher Partner gezeigt hat. Weitere Sponsoren werden folgen oder ihre bisherigen Verträge nach unten anpassen.
Sechzig muss sich endlich öffnen für kompetente und integre Persönlichkeiten und Experten, die dem Klub wieder aufhelfen, ihn weiterentwickeln und ihm eine Perspektive geben.
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