Das exklusive db24-Interview mit Ismaik nach dem Löwen-Absturz: "Unsere Forderungen waren weder ungewöhnlich noch außergewöhnlich"
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 04.06.2026 13:55
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VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
db24: Herr Ismaik, wie groß ist Ihre Enttäuschung, dass es letztlich zu keiner Einigung mit dem Mutterverein gekommen ist?
HASAN ISMAIK: Natürlich bin ich zutiefst enttäuscht. In den vergangenen Wochen und Monaten haben wir intensive Anstrengungen unternommen, um eine Lösung zu finden, die die Stabilität und Zukunft des Vereins sichert. Doch manchmal reichen Bemühungen allein nicht aus, um eine endgültige Einigung zu erzielen.
db24: Werden Sie dem TSV 1860 weiterhin verbunden bleiben oder halten Sie nun auch eine Insolvenz oder andere Szenarien für mögliche Optionen?
Im Moment bin ich der Auffassung, dass sich der Verein in einer Phase befindet, in der alle Beteiligten verantwortungsvolle Entscheidungen für seine Zukunft treffen müssen. Was mich betrifft, habe ich bereits vor mehr als einem Jahr deutlich gemacht, dass ich meine Anteile verkaufen möchte, und an dieser Position halte ich weiterhin fest.
Der Tag nach dem Zwangsabstieg: Was muss jetzt bei 1860 passieren?
db24: Falls Sie bleiben: Werden Sie Ihrem Aufsichtsrat weiterhin vertrauen oder denken Sie über Veränderungen nach?
Ich habe volles Vertrauen in die Personen, die in den vergangenen Jahren die Interessen meines Investments vertreten haben. Für ihre Arbeit unter oftmals schwierigen Umständen danke ich ihnen ausdrücklich.
db24: Nicht wenige Fans haben den Eindruck, dass der Verein den Gang in die Regionalliga bewusst in Kauf genommen hat. Wie sehen Sie das?
Ich halte wenig von solchen Beschreibungen. Was ich sagen kann, ist, dass zwischen den beteiligten Parteien grundlegende Unterschiede in den Ansichten und Bewertungen bestehen. Diese Differenzen haben letztlich zu dem Ergebnis geführt, das wir heute sehen.
db24: Verwundert es Sie, dass TSV-1860-Präsident Gernot Mang in den entscheidenden Tagen vor Fristablauf im Urlaub war, obwohl dem Verein der Abstieg drohte?
Ich möchte Entscheidungen oder persönliche Umstände einzelner Personen nicht kommentieren. Für mich zählt das Ergebnis, zu dem der Verein am Ende gekommen ist.
db24: Hat der Verein die Wahrheit darüber gesagt, warum die Einigung mit Ihnen letztlich gescheitert ist?
Jede Seite hat das Recht, ihre eigene Sichtweise darzustellen. Von meiner Seite kann ich lediglich bestätigen, dass die Finanzierung gesichert war und wir große Anstrengungen unternommen haben, um eine Einigung zu erzielen. Leider ist es uns nicht gelungen, den notwendigen Konsens zu erreichen.
db24: Geschäftsführer Manfred Paula hat in einem internen Schreiben offenbar angekündigt, nach der Kündigung des Darlehensvertrags mögliche rechtliche Schritte gegen die HAM prüfen zu wollen. Wie stehen Sie dazu?
Ich sehe keinen Nutzen darin, hypothetische oder mögliche rechtliche Auseinandersetzungen öffentlich zu kommentieren. Sollten rechtliche Fragen entstehen, werden diese auf dem dafür vorgesehenen juristischen Weg geklärt.
db24: Welche Ihrer Forderungen wurden vom TSV 1860 letztlich nicht akzeptiert?
Unsere Forderungen waren weder ungewöhnlich noch außergewöhnlich. Wir waren der Auffassung, dass jede neue Finanzierung mit mehr Transparenz, besserer Unternehmensführung sowie klaren Zuständigkeiten und Entscheidungsstrukturen verbunden sein sollte – im Interesse einer langfristigen Stabilität des Vereins.
db24: In den vergangenen Wochen soll es mehrere Interessenten für Ihre Anteile beziehungsweise Ihr Investment gegeben haben. Warum sind diese Gespräche – unter anderem mit Thomas Hitzlsperger – letztlich gescheitert?
Tatsächlich hat es in der vergangenen Zeit Gespräche mit verschiedenen Interessenten gegeben. Wie bei jedem Investitionsprozess führen jedoch nicht alle Gespräche zu einem erfolgreichen Abschluss. Ich bleibe offen für jede ernsthafte Lösung, die den Interessen des Vereins dient und einen geordneten sowie verantwortungsvollen Übergang des Investments ermöglicht.






