Verstoß gegen 50+1, Dauerkarten & Treue-Appell: Die KGaA beantwortet die wichtigsten Fragen
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 04.06.2026 06:45
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Wie geht`s weiter bei Münchens tragischer Liebe?
VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
Der Tag danach. Wie geht es weiter mit den Münchner Löwen? Der Schock sitzt tief in der 1860-Familie: Warum ist es soweit gekommen? “Es ist, wie wenn du einen Zahn gezogen bekommst - und hinterher kommen die Schmerzen”, sagte gestern ein Löwenstüberl-Gast nach dem bitteren Gang in die Regionalliga Bayern.
Gilt auch für Dich: Einmal Löwe, immer Löwe?
Wieder - wie schon 2017 - konnten sich beide Gesellschafter nicht über einen gemeinsamen Weg einigen und damit wurden die fälligen 2,7 Millionen Euro nicht beim DFB fristgerecht hinterlegt. Die Folge: Zwangsabstieg in den Amateurfußball.
Am Donnerstag veröffentlichte die KGaA auf ihrer Webseite Fragen und Antworten zur Entwicklung der Fußballfirma. Man schiebt den schwarzen Peter wieder einmal nach Abu Dhabi: “Die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA wird aufgrund eines nicht fristgerecht erbrachten Liquiditätsnachweises die erforderliche Zulassung für die 3. Liga nicht erhalten.Ursächlich dafür ist eine nicht erfüllte Finanzierungszusage unseres Gesellschafters Hasan Ismaik und der mit ihm verbundenen Unternehmen.”
Die wichtigsten Fragen aus Sicht der Fußballfirma:
Warum ist die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA trotz bilanzieller Überschuldung bislang nicht insolvent?
Eine Gesellschaft kann trotz negativem Eigenkapital weiter bestehen, wenn sie ihre Rechnungen bezahlen kann (ausreichend Liquidität vorhanden ist) und eine positive Fortführungsprognose besteht, d. h., wenn die Finanzierung für die kommenden Jahre gesichert erscheint. Bei der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA prüfen externe Wirtschaftsprüfer deshalb regelmäßig, ob die Finanzierung durch die Gesellschafter und Kreditgeber hinreichend gesichert ist.
Warum konnte die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA trotz positiver Fortführungsprognose zum Stichtag 3. Juni 2026 keinen Liquiditätsnachweis für die kommende Spielzeit in der 3. Liga erbringen?
Hasan Ismaik und mit ihm verbundene Unternehmen haben bestehende Darlehen am 21. Mai 2026 – also 13 Tage vor Ablauf der Frist zur Erbringung des Liquiditätsnachweises im Rahmen des Zulassungsverfahrens zur 3. Liga – ohne jegliche Vorwarnung und Vorverhandlung gekündigt und im gleichen Atemzug einen umfangreichen Forderungskatalog an die KGaA und den e. V. übergeben.
Es ist nicht nachvollziehbar und auch nicht redlich, nun, da die Mittel erwartungsgemäß abgerufen werden, der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA die vereinbarten Darlehen zu kündigen. Zu dieser Feststellung gelangen auch drei renommierte und unabhängige Rechtsanwaltskanzleien. Sie kommen übereinstimmend zu dem Schluss, dass die Kündigung der Darlehen unwirksam ist. Zur Wahrung der Interessen der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA sind gerichtliche Schritte beabsichtigt.
Die Vereinsvertreter kritisieren die Kündigung der bestehenden Zahlungsvereinbarungen hinsichtlich ihrer Form, ihres Inhalts sowie der gewählten zeitlichen Abfolge. Noch im Februar 2026 versicherte Hasan Ismaiks Vertreter in München, Aufsichtsratsmitglied Biel Ballester Relat, ausdrücklich und schriftlich, dass HAM International seine finanziellen Verpflichtungen erfüllen werde.
In enger Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung haben beide Gesellschafter ein Kostensenkungsprogramm entwickelt, im Aufsichtsrat gemeinsam beschlossen, um den erforderlichen Finanzierungsrahmen so gering wie möglich zu halten. Das im März 2026 erarbeitete Reformpaket umfasst zahlreiche Einsparungen und Optimierungen in unterschiedlichen Unternehmensbereichen. Gleichzeitig konnte auch die Erlössituation und die Umsatzentwicklung verbessert werden. Dadurch ließ sich das ursprünglich für die Saison 2026/2027 erwartete Defizit deutlich reduzieren.
Ist plötzlich eine Finanzierungslücke bei der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA aufgetreten?
Nein, das ist nicht der Fall. Alle zu leistenden Zahlungen und die für die Lizenzierung erforderlichen Liquiditätsnachweise waren in der Finanzplanung klar prognostiziert und wurden vom Aufsichtsrat der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA beschlossen.
Was hat es mit den publik gewordenen Forderungen von Hasan Ismaik auf sich?
Die von HAM International in den Bereichen Compliance-Richtlinien und Finanzberichterstattung geforderten organisatorischen Veränderungen wurden und werden in weiten Teilen sogar von den Vereinsvertretern unterstützt. Der von unserem Mitgesellschafter erweckte Eindruck, die Vereinsvertreter würden sich an dieser Stelle verwehren, entspricht nicht den Tatsachen.
Das bislang zur Anwendung gekommene Reporting-System wurde von HAM-Vertreter Anthony Power selbst implementiert. HAM International hätte eine Erweiterung oder Modifikation nebst der dafür erforderlichen Finanzierung mit ihrer Mehrheit im Aufsichtsrat jederzeit beschließen können. Dafür hätte es nicht einmal der Stimmen der e. V.-Vertreter bedurft. Gleiches gilt für die Umsetzung eines wie auch immer gearteten Restrukturierungsplans. Wenn die Vertreter von HAM International an dieser Stelle organisatorische Defizite vermuten, hätten sie in der Vergangenheit längst nach ihren Wünschen handeln können.
Allerdings enthalten die publik gewordenen Forderungen von Hasan Ismaik auch Elemente, die mutmaßlich gegen Verbandsrichtlinien und insbesondere gegen die 50+1-Regelung verstoßen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat Bedenken angemeldet. Vor diesem Hintergrund durften sich weder die Vereinsvertreter noch die Geschäftsführung der TSV München von 1860 GmbH dem Ansinnen von HAM International vorbehaltlos unterwerfen.
Haben Hasan Ismaik und/oder seine Vertreter eine alternative Finanzierung angeboten?
Die HAM International brachte eine anderweitige Finanzierungsmöglichkeit grundsätzlich ins Gespräch. Da einzelne der damit verbundenden Forderungen aus grundlegenden juristischen und wirtschaftlichen Gründen für den TSV München von 1860 e. V. nicht als zustimmungsfähig angesehen werden konnten, ließ sich die vorgeschlagene Finanzierungslösung nicht realisieren.
Haben sich die Vereinsvertreter um eine mögliche alternative Finanzierung bemüht?
Die Vereinsvertreter haben sich intensiv um die Prüfung und Erschließung möglicher alternativer Finanzierungsoptionen bemüht. Eine grundsätzlich in Betracht kommende Finanzierungslösung hätte jedoch die Stellung entsprechender Sicherheiten vorausgesetzt. Da hierfür die Mitwirkung aller beteiligten Gesellschafter erforderlich gewesen wäre und eine entsprechende Zustimmung der HAM International nicht erreicht werden konnte, ließ sich diese Finanzierungsalternative letztlich nicht umsetzen.
Was geschieht nun weiter mit der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA?
Die Geschäftsführung, die bereits im Bereich der Notgeschäftsführung agiert, arbeitet derzeit eng mit erfahrenen Sachverständigen und Beratern aus dem Bereichen Insolvenzrecht zusammen, um den Geschäftsbetrieb geordnet aufrechtzuerhalten. Parallel dazu werden verschiedene Optionen geprüft und Konzepte erarbeitet, die eine nachhaltige Fortführung des Spielbetriebs ermöglichen. Ziel ist es, gemeinsam mit unseren Sponsoringpartnern eine tragfähige Perspektive für die Zukunft zu entwickeln und den laufenden Betrieb bestmöglich zu sichern. Dabei hat neben der Fortführung des Spielbetriebs auch der Erhalt der Arbeitsplätze der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hohe Priorität.
Ist der Mutterverein des TSV 1860 München von den finanziellen Verwerfungen in der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA betroffen?
Nein, der eingetragene Verein ist davon nicht betroffen.
Was geschieht mit meiner bereits bezahlten Dauerkarte für die Drittliga-Saison 2026/2027?
Wir arbeiten derzeit intensiv an einer Lösung, um eine angemessene Kompensation für bereits bezahlte Dauerkarten zu finden. Dabei steht die Zufriedenheit unserer Dauerkarteninhaber für uns im Fokus. Sobald die Details feststehen, werden wir alle Betroffenen umgehend informieren und bitten bis dahin um Verständnis und Geduld.
Was können Mitglieder und Fans jetzt tun zur Unterstützung des TSV 1860 München?
Wahre Verbundenheit und Freundschaft zeigen sich nicht in Zeiten des Erfolgs, sondern in Stunden der Bewährung. Der TSV 1860 München durchlebt derzeit eine schwierige Phase, die am Ende aber auch eine Befreiung bringen kann. Jetzt ist nicht die Zeit, sich abzuwenden. Jetzt ist die Zeit, zusammenzurücken und zu kämpfen. Jede Unterstützung zählt: auf den Rängen, in den sozialen Medien, bei Veranstaltungen, durch Mitgliedschaften oder einfach durch ein klares Bekenntnis zu den Löwen. Die Geschichte unseres Vereins wurde nie von Einzelnen, sondern von Menschen geschrieben, die zusammenstanden, wenn es darauf ankam.






