Harie & Löwenforum: "Haben wir als Verein kein Interesse, ein Konzept zu entwickeln?"
- VON OLIVER GRISS UND ULI WAGNER (FOTO)
- 01.06.2026 09:06
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Zahlt er oder zahlt er nicht? Hasan Ismaik.
VON OLIVER GRISS UND ULI WAGNER (FOTO)
Die Uhr tickt unerbittlich. Bis Mittwoch, 17 Uhr, müssen die Münchner Löwen gegenüber dem DFB eine Liquidität von 2,7 Millionen Euro nachweisen. Gelingt das nicht, ist die Lizenz für die Dritte Liga Geschichte.
Nachdem zunächst die „Bild“ berichtet hatte, dass diese Summe fehle, lieferte die „Süddeutsche Zeitung“ weitere Hintergründe: Hasan Ismaik soll einen Darlehensvertrag gekündigt haben. Gleichzeitig hat der jordanische Investor einen Forderungskatalog vorgelegt, der aus seiner Sicht Voraussetzung für weitere Unterstützung ist. Laut „Bild“ wurden inzwischen die Gehaltszahlungen eingestellt, Manfred Paula agiert offenbar als Not-Geschäftsführer. All das zeichnet das Bild einer Situation, die weit über einen gewöhnlichen Liquiditätsengpass hinausgeht.
Von einem Durchbruch in den Verhandlungen ist weiterhin nichts zu hören. Weder die Vereinsführung noch die Gesellschafter konnten bislang Vollzug melden. Die Ungewissheit bleibt.
Die Sorgen unter den Fans wachsen von Tag zu Tag. Und nein: Das alles ist kein künstlich erzeugtes Horrorszenario, das an die Giesinger Hauswände gemalt wird. Es ist die Realität eines Klubs, der wenige Tage vor einer existenziellen Frist um seine Zukunft kämpft. Umso aufmerksamer verfolgen viele Löwen die Einschätzungen jener Mitglieder und Fans, die den Verein, seine Satzung und seine Geschichte seit Jahrzehnten begleiten. Einer von ihnen ist Harald „Harry“ Riedl. Der 63-Jährige nutzt das Löwenforum – einst Keimzelle des Widerstands gegen das Wildmoser-Regime und heute von 1860-Funktionär Dr. Markus Drees betrieben – für eine bemerkenswerte Analyse der aktuellen Lage.
Unter der Kategorie “Soll und Haben - aktuelle Finanzsituation des TSV 1860”, schreibt “Harie” Erstaunliches zum Beziehungsgeflecht zwischen Klubseite und Hasan Ismaik. Auf Nachfrage hat uns Riedl diesen Text ebenfalls zur Verfügung gestellt: “Ja und wo ist der Plan des Vereins, der ihn als Investor sieht und nicht als Geldautomat? Genau der HI soll machen… und weiter? Hat der Verein kein Interesse an der Entwicklung der Gesellschaft. Immerhin gehören uns da auch 40 Prozent und die GmbH als operatives Element komplett. Das NLZ wird von Verein finanziert und investiert damit auch jedes Jahr zwei Millionen in die KGaA. Haben wir da als Verein kein Interesse, ein Konzept zu entwickeln und umzusetzen, das nicht nur darauf beruht, ein Deppen zu haben, der die Misswirtschaft bezahlt?”
Und weiter: “Es gibt doch zwei Arten von Investoren. Diejenigen, die eine Idee haben und eine Gelegenheit suchen, diese zu entwickeln. Z.B. RedBull.
Und es gibt Investoren, die sehen ein fertiges Produkt dem offensichtlich nur Geld fehlt, um sich entwicklen zu können. Das zweite war Sechzig aus Sicht von HI bei seinem Einstieg. War natürlich ein Irrtum und aus der reinen Due Diligence definitv nicht erkennbar. Weil die kann nicht in die Köpfe der handelnden Personen schauen. Und als er gemerkt hatte, dass das nicht funktioniert, was ihm die Vereinsführung beim Einstieg erzählt hat, und anstatt Fortschritt nur immer mehr Geld für den Stillstand verlangt wurde, da wurde er ja tätig und hat selbst die Initiative ergriffen. Dass er dabei Fehler gemacht hat, ist ja allgemein überhaupt keine Diskussion.. Dass er 16/17 den Bogen überspannt hatte mit seinen Forderungen, bis hin zur „4“, die allein auf sein Konto geht, darüber besteht ja auch völlige Einigkeit. Aber man kann eben nicht sagen, dass er gar nichts gemacht oder versucht hätte. All das ist aber eben, jedenfalls für mich, kein Grund, den Verein komplett aus der Verantwortung zu nehmen, sich zurück zu lehnen und auf die göttlichen Eingaben von Aloisius zu warten.”
Haries Vorwurf: “Wenn man schon ohne Investor sein will, warum handelt man dann permanent genau entgegengesetzt. Lieber beschwert man sich, dass der ja nix macht oder zu wenig zahlt. Dann setz ich mich mit ihm zusammen und finde eine gemeinsame Lösung die beide Interessenslagen berücksichtigt, oder vereinbare dass es keine weitere Neuverschuldung mehr gibt, solange nicht die Kostenstruktur der Gesellschaft auf einen Topzustand gebracht ist, der der Lage entspricht, in der man sich befindet. Und die ist Dritte Liga, nicht Lizenzligen. Und das wird dann ned zwei Monate später wieder über den Haufen geworfen, weil der SD beim Mitgesellschafter im Hotelzimmer steht und zum Heulen anfängt. Und dann wird das auch so den Mitgliedern und Fans kommuniziert und die Erwartungshaltung entsprechend justiert. Auch nicht passiert und was war das Ergebnis? Robert (Reisinger, d. Red.) war der Umfaller und sein Konsolidierungskurs wurde ihm um die Ohren gehauen, weil Ismaik doch wieder zahlen musste, mit Darlehen (!) Und Ismaik war der Depp, weil er zu wenig zahlt und dann auch noch Forderungen stellt.”
Ergo: “Es fehlt der Plan von allen Seiten - und nicht nur von einer Seite. Und wenn mal sowas wie ein Plan aufploppt, fehlt das Rückgrat, ihn auch konsequent durchzuziehen. Das zum Beispiel ist das, was Klubs wie Freiburg Union Verl etc. nach oben spült. Wenn ich als Klub einen Plan habe mit Hand und Fuß, dann finde ich Partner und Freunde, die mir dabei helfen. Scheiß egal ober der Investor das gut findet oder nicht. Ich kann mich natürlich auch hinstellen, der Investor soll den Plan entwickeln, aber ihm dann immer wieder rote Linien ziehen. Ich ziehe ihm eine und die gilt dann. Punkt. Dann weiß er Bescheid und kann sagen, ob er das will oder ned. Und dann arbeitet man in diesem gesetzten Rahmen zusammen, ohne sich gegenseitig immer wieder zu trangsalieren.”
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