VON OLIVER GRISS UND STEFAN MATZKE (FOTO)

Man glaubt, man habe beim TSV 1860 schon alles erlebt – doch derzeit toppt an der Grünwalder Straße 114 ein Tag den nächsten. Erst die Meldung, dass Hasan Ismaik einen Kredit gekündigt hat und dadurch plötzlich 2,7 Millionen Euro fehlen. Bis zum 3. Juni um 12 Uhr muss dieser Betrag ausgeglichen sein, ansonsten geht es zurück in die Regionalliga Bayern. Kurze Zeit später warf der Jordanier dann seinen selbst auferlegten Maulkorb nach fast einem Jahr weg und veröffentlichte eine Botschaft, die deutlicher kaum sein könnte: „Manchmal ist es notwendig, einen Schritt zurückzugehen.“ Ismaik soll den Löwen einen Forderungskatalog vorgelegt haben – nur dann gäbe es offenbar eine Chance auf Rettung.

Und weil es gerade offenbar nicht turbulenter sein kann, veröffentlichte die „tz“ am Donnerstagnachmittag auch noch einen vor einigen Wochen entstandenen Beitrag mit exklusiven Aussagen von Präsident Gernot Mang für eine Video-Produktion zum Grünwalder Stadion: „Man darf nie die Heimat aufgeben. Wir haben die Diskussion jetzt jahrzehntelang geführt, wo man rausgegangen ist, Olympiastadion und dann nach Fröttmaning. Das hat doch nie gepasst.“

Behauptet der Österreicher – und blendet dabei möglicherweise aus, wo die größte Zeit der Löwen seit der Meisterschaft tatsächlich stattgefunden hat: im Olympiastadion. Dort schlugen die Sechzger in der Saison 1999/2000 zweimal den FC Bayern, dort spielte 1860 international, dort war der Klub bundesweit sichtbar. Hat Mang das vergessen – oder passt es einfach nicht in die Erzählung vom einzig wahren Giesing?

Und weiter geht die wilde Fahrt. „Und es passt doch wirklich wunderbar hier, 60, Giesing, Giesing, 60. Und man sagt nicht umsonst, es ist das 60er-Stadion. Und das wäre ein Wahnsinn, sowas aufzugeben. Seine DNA, die Leidenschaft.“

Dann legt Mang noch nach: „Und ich weiß, dass auch sehr viele FC-Bayern-Sympathisanten uns beneiden, ein Stadion hier in der Stadt zu haben, hier spielen zu dürfen, die kurzen Wege dazu.“

Und weiter: „Wir sind öffentlich mit der Tram, mit Bus und U-Bahn einfach zu erreichen. Man kann draußen am Grünspitz hineingehen, zehn Minuten, Viertelstunde, dann bin ich hier im Stadion. Das ist eine ganz andere Fußballatmosphäre, eine ganz andere Fußballkultur. Auch weit, weit weg vom Kommerz.“

Bald ist der TSV 1860 möglicherweise wieder gezwungenermaßen auf Regio-Tour – dann allerdings nicht als romantischer Traditionsklub, sondern als abgestürzter Viertligist mit Stationen in Buchbach, Burghausen und Illertissen. Mit Ober-Löwe Mang als Reiseführer?