60 Jahre Meisterschaft, 60 Jahre Schmerz
- VON OLIVER GRISS
- 28.05.2026 13:13
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VON OLIVER GRISS
Löwen-Deadline am 3. Juni: Sind die sieben Forderungen von Hasan Ismaik nachvollziehbar?
So treffen an diesem Abend zwei Welten aufeinander: Auf der einen Seite die Helden von einst, die an große Zeiten erinnern. Auf der anderen Seite ein bemitleidenswerter Präsident wie Gernot Mang, der vor knapp einem Jahr viel versprochen hat – bislang aber wenig davon halten konnte.
Größer könnte der Kontrast kaum sein.
Die letzten 60 Jahre bedeuten auch: 60 Jahre Schmerz - mit einer kleinen Unterbrechung dank Karl-Heinz Wildmoser & Werner Lorant.
Der Voralberger Mang sollte jetzt gemeinsam mit denjenigen innehalten, die 1860 in diese Lage gebracht haben – allen voran der mächtige Verwaltungsrat um Sebastian Seeböck, Sascha Königsberg und Robert von Bennigsen. Die entscheidende Frage lautet: Steht ihr Handeln wirklich für die Mehrheit der Mitglieder – oder nur für einen kleinen, lautstarken Teil?
Hasan Ismaik, der in den vergangenen 15 Jahren mehr als 82 Millionen Euro in den Verein investiert hat, will nach dem gescheiterten Anteilsverkauf offenbar einen Neustart – mit klaren Spielregeln und einer wirtschaftlich sauberen Grundlage für die Zukunft der Löwen. Sein Ansatz klingt nachvollziehbar: Die Fußball-KGaA soll endlich vernünftig wirtschaften – und nicht dauerhaft mit neuen Darlehen künstlich am Leben gehalten werden.
Denn noch immer leidet der TSV 1860 unter einem strukturellen Defizit. Heißt: Der Klub gibt mehr Geld aus, als er einnimmt. Das hängt auch mit den begrenzten Möglichkeiten im Grünwalder Stadion zusammen. Ein früherer Geschäftsführer bezifferte den Wettbewerbsnachteil einst auf rund eine Million Euro pro Jahr. Man hat sich allerdings selbst in die Situation gebracht. Der Weg war selbst gewählt, ohne an die folgenden Konsequenzen zu denken.
Dazu kommen fragwürdige Personalentscheidungen: Geschäftsführer Marc Pfeifer raus, dafür wurden Oliver Mueller und Christian Werner im Zuge des 50+1-Kurses installiert – nur um sich kurze Zeit später wieder von ihnen zu trennen. Die Restzahlungen für beide Manager dürften sich insgesamt auf rund eine Million Euro summieren - freilich alles exklusive Anwaltskosten. Das sollte man beim aktuellen 2,7 Millionen-Fehlbetrag berücksichtigen.
Deshalb erscheint Ismaiks Wunsch nach einem Re-Start durchaus nachvollziehbar – zumal sich der Klub seit Jahren kaum weiterentwickelt und gleichzeitig einen Stadion-Traum verfolgt, der zunehmend unrealistisch wirkt. Die anfängliche Euphorie ist längst der Ernüchterung gewichen. db24 hatte bereits nach dem Jahrhundertabstieg ausdrücklich vor einer Verzwergung gewarnt.
Genau an diesem Punkt steht 1860 jetzt.
Die Löwen sind in den vergangenen Jahren massiv geschrumpft. Sollte es tatsächlich zurück in die Regionalliga Bayern gehen, drohen dem deutschen Meister von 1966 nicht nur weitere verlorene Jahre – sondern womöglich auch der Verlust einer weiteren Generation an Fans. Und nein: Ein erneuter Absturz wäre aus unserer Sicht keine neue Chance, sondern ein weiterer Tiefschlag. Wir hoffen, dass sich beide Gesellschafter - e.V. und Ismaik - ihrer Verantwortung bewusst sind.
Viele Anhänger würden bei der “4” vermutlich endgültig mit dem Verein brechen – und möglicherweise die ideologisch geprägte Anti-Kommerz-Haltung der Gremien als einen Grund für ihren Rückzug nennen. Denn 1860 ist nicht nur die Westkurve. 1860 sind wir alle.
Immerhin hat Ismaik in seinem jüngsten Social-Media-Post angekündigt, auch selbst Verantwortung für die erfolglose Entwicklung übernehmen zu wollen. Genau diese Einsicht braucht es jetzt aber auch auf der e.V.-Seite. Der TSV 1860 darf nicht länger für Machtspiele und Eigeninteressen missbraucht werden. Stattdessen braucht es endlich Offenheit für eine gemeinsame, fruchtbare Zukunft.
Alles andere wird diesem Wappen nicht gerecht.






