Türkische Sonne & Finanzangst: Servus, Dritte Liga?
- VON OLIVER GRISS
- 27.05.2026 13:53
- 3 Minuten Lesezeit
- 213 Kommentare
VON OLIVER GRISS
Einen Zusammenhang, dass Mang und Köllner ausgerechnet jetzt im selben Hotel sind, gibt es aber offenbar nicht: Köllner muss in der türkischen Sonne nach dem Last-Minute-Abstieg mit Blau-Weiß Linz erst einmal seine Wunden lecken. Der frühere 1860-Coach hatte den österreichischen Klub erst im Winter übernommen, konnte den Gang in die Zweitklassigkeit am Ende aber nicht verhindern.
Und Mang? Den dürften derzeit ohnehin ganz andere Themen beschäftigen – wenn man die jüngsten Entwicklungen beim TSV 1860 betrachtet. Die Löwen kämpfen aktuell an mehreren Fronten um ihre Zukunft. Während die sportliche Entwicklung seit Monaten Sorgen bereitet, steht der Klub auch wirtschaftlich massiv unter Druck.
Bis zum 3. Juni, 12 Uhr, muss die Finanzlücke von 2,7 Millionen Euro geschlossen werden, nachdem Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik in der vergangenen Woche einen Kredit gekündigt haben soll – ansonsten: Servus, Dritte Liga!
Wie man diese aktuelle Schieflage analysiert, ist bemerkenswert: Während 1860 mit Ismaik laut “SZ” in einem Konflikt steht und Manfred Paula sich selbst als Not-Geschäftsführer einsetzt, relativiert das Präsidium Mang in einer Stellungnahme den aktuellen Zustand: “Die Erbringung eines Liquiditätsnachweises gegenüber dem DFB im Rahmen des Zulassungsverfahrens zur 3. Liga ist für die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA ein regelmäßig wiederkehrender Vorgang zu Beginn einer neuen Spielzeit. Wir gehen aktuell davon aus, dass der Liquiditätsnachweis gegenüber dem DFB rechtzeitig erbracht wird. Die entsprechenden Gespräche hierzu dauern an.” Laut “SZ” soll Paula gegen die Darlehenskündigung juristisch vorgehen. Alles Sechzig also. Man begegnet sich nicht auf Augenhöhe, sondern tritt sich gegenseitig ans Schienbein. Genau das ist das Sechzig, was diesen Verein seit Jahren in einen lähmenden Zustand versetzt.
Die Frage ist: Wollen wir das wirklich?
Überhaupt sind die Tage für leidgeprüfte Löwen-Fans richtig hart: Am Wochenende postete Multi-Funktionär Sebastian Seeböck ein Foto vom DFB-Pokalfinale in Berlin, während die eigene Mannschaft sich fast zeitgleich im Toto-Pokal in Würzburg im Elfmeterschießen blamiert hat. Aber wer weiß: Vielleicht hat Seeböck Junior beim 3:0-Sieg des FC Bayern über den VfB Stuttgart für die Löwen gescoutet. Ansonsten fällt es schwer zu verstehen, warum man den großen Fußball anderswo verfolgt, während man sich beim eigenen Verein auf einem sehr niedrigen Niveau im Kreis dreht. Das ist nicht fair, vor allem gegenüber den Menschen, die 1860 noch sehr gut aus der Bundesliga kennen und deswegen diesen Verein lieben. Wie die Fans leiden, sieht man an unserer gestrigen Statistik: 46.101 reine Besucher (203.000 Aufrufe) wollten wissen, was bei Sechzig los ist. Das ist ein deutlicher Auftrag an die Verantwortlichen: 46.101! Das ist das Grünwalder Stadion dreimal gefüllt.
Für Mang und die Vereinsführung sind es derzeit alles andere als entspannte Tage – selbst dann nicht, wenn die Sonne in Belek scheint.
Oliver Griss (54) berichtet seit 1989 über die Münchner Löwen, davon zwischen 1998 und 2010 für die Abendzeitung. Seit 2011 betreibt er db24.






