Neuer Plan? DFL-Boss Lenz: "Wenn 50+1 gefordert wird, muss demokratische Teilhabe gestärkt sein"
- VON OLIVER GRISS, IMAGO UND GETTY (BEIDE FOTO)
- 30.04.2026 09:20
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DFL-Boss Marc Lenz (rechts) bezieht Stellung zu 50+1.
VON OLIVER GRISS, IMAGO UND GETTY (BEIDE FOTO)
Allerdings nicht im Zusammenhang mit der KGaA, die weiterhin zu 60 Prozent dem jordanischen Geschäftsmann Hasan Ismaik gehört, sondern mit einem Herzensprojekt: 1860 will eine Betreibergesellschaft für das Grünwalder Stadion gründen. Der e.V. der Löwen schreibt in seiner Stellungnahme: „Die Satzung der Gesellschaft wird die Möglichkeit vorsehen, dass sich Dritte unter bestimmten Voraussetzungen an der Gesellschaft beteiligen können. Eine zentrale Bedingung hierbei ist, dass der TSV München von 1860 e.V. stets mindestens 51 Prozent der Gesellschafteranteile halten muss. Damit ist sichergestellt, dass der Verein dauerhaft die Mehrheit an der Gesellschaft behält und die Kontrolle über die Geschicke des Stadions an der Grünwalder Straße in den Händen der Vereinsmitglieder verbleibt.“
50+1 stärken, im Gegenzug das Partizipationsrecht (Wahlen Hybrid) anwenden. ist das der Königsweg im deutschen Fußball?
Was 50+1 den Löwen in den letzten neun Jahren gebracht hat, ist eindrucksvoll dokumentiert: Sportlich dreht sich der Drittliga-Dino 1860 im Kreis, wirtschaftlich ist der Klub schwer angeschlagen – auch, weil Vereinsentscheidungen gegen den Willen von Mehrheitsgesellschafter Ismaik in der Neuzeit 1860 schwer belasten. Erst stellt man die beiden Geschäftsführer Oliver Mueller (Vertrag bis 30. Juni) und Christian Werner (Vertrag bis 30. Juni 2027) ein, um sie dann kurze Zeit später wieder zu entlassen. Das finanzielle Paket dürfte rund eine Million Euro schwer sein. Mit Mueller streitet 1860 bereits vor Gericht.

Dass Ismaik nach 15 Jahren völlig entnervt aufgeben will, ist allzu verständlich. Er sieht seinen Traum von Bundesliga-Derbys gegen den FC Bayern nicht mehr umsetzbar. Seine Anteile will er seit geraumer Zeit verkaufen – doch es findet sich kein Käufer, der 1860 einen echten Neubeginn ermöglichen kann. Bei zwei Investoren soll das Interesse nach db24-Informationen zuletzt deutlich abgekühlt sein. Eine schnelle Lösung, die den Löwen bei der Planung der neuen Saison hilft, ist derzeit nicht in Sicht. Aber wen wundert’s…
Bei 1860 ist die aktive Fanszene hervorragend organisiert – und regelmäßig auch bei Mitgliederversammlungen lautstark präsent. Ex-Geschäftsführer Stefan Ziffzer sagte zuletzt gegenüber db24: „1860 steckt mit seiner Stadion-Diskussion in einer Sackgasse. Das Problem ist: Die Freunde des Sechzger Stadions sind besser organisiert als der Rest. Die haben eine Einstellung: Lieber mit 1860 auf Giesings Höhen in der Bezirksliga als Champions League in der Arena. Ich kann das nicht nachvollziehen.“
Seit der denkwürdigen Mitgliederversammlung 2024, als sich die Kandidaten der Faninitiative „Pro1860“ mit 9:0 durchsetzten und kurz darauf Ismaik seine Kampfeslust verlor, ist bei vielen Mitgliedern, denen es ausschließlich um Fußball und weniger um Posten geht, der Geduldsfaden gerissen. Sie haben sich zurückgezogen – auch, weil der Klub weiterhin auf Präsenzwahlen setzt und sich gegen Brief- oder Hybridwahlen sperrt. Aus Angst, die Kontrolle zu verlieren?
Doch jetzt könnte Bewegung reinkommen – auch, weil noch eine Entscheidung des Bundeskartellamts aussteht. „Wir sind davon überzeugt und setzen uns dafür ein, dass 50+1 ein zukunftsfähiges Grundprinzip bleibt. Wir werden aber auch die rechtlichen Risiken und das Thema des limitierten Investitionskapitals lösen müssen“, sagt DFL-Boss Marc Lenz im „kicker“-Interview. „Das Bundeskartellamt wird voraussichtlich noch in diesem Jahr eine finale Bewertung vorlegen. Das DFL-Präsidium hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, in der wir sehr intensiv an möglichen Szenarien arbeiten, um vorbereitet zu sein und bestenfalls auch Rechtsstreitigkeiten innerhalb der 36 Klubs vermeiden zu können.“
Dem Kartellamt geht es dabei auch um Partizipation – und ihm ist aufgefallen, dass im Schnitt nicht einmal zwei Prozent der Mitglieder an den Versammlungen der Klubs teilnehmen. Sind hybride Mitgliederversammlungen die Lösung? Lenz vielsagend: „Diese Zahlen treffen einen neuralgischen Punkt. Denn eine wesentliche Säule von 50+1 – und übrigens auch der entscheidende Grund für die Vereinbarkeit mit dem Kartellrecht nach vorläufiger Ansicht des Bundeskartellamts – ist die Mitgliederpartizipation. Wenn 50+1 gefordert wird, muss demokratische Teilhabe gestärkt sein.“
db24 meint: 50+1 stärken – dafür allen Mitgliedern im Gegenzug echte Wahlmöglichkeiten geben (auch per Klick): Das könnte der vernünftige Königsweg sein. Aber ob die Ultras damit klarkommen?






