VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)

Die Drittliga-Saison biegt auf ihre Zielgerade ein – und für den TSV 1860 geht es am Samstag (14 Uhr, db24-Ticker) ausgerechnet zu einem Klub, bei dem derzeit nichts mehr so ist, wie es noch vor wenigen Wochen war: Der 1. FC Schweinfurt 05 ist längst abgestiegen – doch der sportliche Absturz ist nur die eine Seite der Medaille. Viel schwerer wiegt der Abgang von Klub-Boss und Hauptsponsor Markus Wolf, der nach massiver Fankritik die Reißleine zog. Auslöser waren Plakate im Stadion mit der Botschaft: „Schlimmer als jeder Abstieg ist nur unsere Vereinsführung.“

Für Wolf war das der Punkt, endgültig Ade zu sagen. „Das Plakat war einfach zu viel. Das ist, wie wenn du die Milch gebende Kuh schlachtest“, erklärte er gegenüber der “Main Post” – und stellte damit die zentrale Frage: Wie viel Undank verträgt moderner Fußball eigentlich noch?

Wolf erklärte vor zwei Wochen sein Ausscheiden: “Das Plakat war einfach zu viel. Das ist, wie wenn du die Milch gebende Kuh schlachtest, es zeigt, wie undankbar diese Leute sind. Jetzt können die Plakatschreiber zeigen, ob sie es besser können.”

Am Dienstagabend nun gab es mit etwas Abstand von Vereinsseite eine Erklärung zur Ist-Situation. Verbunden mit einem herzlichen Dankeschön an Wolf: “Über nahezu zwei Jahrzehnte hinweg hat Markus Wolf gemeinsam mit seinem Unternehmen Wolf Möbel den 1. FC Schweinfurt 05 in außergewöhnlicher Weise geführt und unterstützt - persönlich wie finanziell. Dieses Engagement hat eine Ära geprägt, die im heutigen Fußballgeschäft alles andere als selbstverständlich ist.”

Der Verein habe sich unter Wolf sportlich wie strukturell weiterentwickelt, mit der Rückkehr in den Profifußball vergangene Spielzeit sei es dem Klub gelungen, “diese Entwicklung konsequent fortzuführen und die operativen Aufgaben und Verantwortungen auf mehrere Schultern zu verteilen”.

Der FC05, für den der Rückzug von Wolf völlig überraschend kam, macht in seinem Statement zudem klar, “dass man die zuletzt öffentlich geäußerten Vorwürfe und teilweise versuchten Diffamierungen gegenüber Markus Wolf in keiner Weise unterstützt. Aus Sicht des Vereins war die gemeinsame Zeit von großem Vertrauen und enormem Einsatz gekennzeichnet.”

Für die kommende Saison in der Regionalliga Bayern setzen die Schnüdel auf Konsolidierung statt Risiko. Man werde keine wirtschaftlichen Wagnisse eingehen, sondern die sportliche Zukunft in einem klar definierten finanziellen Rahmen gestalten. Ein Kernpunkt der neuen Strategie: Die Verzahnung zwischen der Profi-GmbH und dem Verein soll wieder enger werden, wobei der Fokus verstärkt auf der Entwicklung eigener Talente aus dem Nachwuchs liegt. Doch zunächst will man sich anständig aus der Dritten Liga verabschieden - am besten mit einem Heimsieg über die Löwen…