Paula nach dem Personal-Beben: "Geld spielt immer eine Rolle bei 1860 München"
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 27.04.2026 09:36
- 3 Minuten Lesezeit
- 63 Kommentare
VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
Genau hier setzt Geschäftsführer Manfred Paula an. Der 61-Jährige, der eigentlich aus dem Nachwuchsfußball kommt, plant nichts weniger als einen sportlichen Neustart. Weg von Stückwerk und Zufall, hin zu einem klaren Ansatz: Tempo-Fußball und technische Qualität. Gegenüber “MagentaSport” skizzierte Paula das Anforderungsprofil der Zukunft deutlich: „An erster Stelle stehen Tempo und Schnelligkeit, sowohl Balltempo als auch eine zyklische Schnelligkeit bei den Spielern. Das ist ein wesentliches Kriterium für uns. Aber auch eine technische Kapazität, die es uns erlaubt, ein schnelles Passspiel aufzuziehen. Das sind Basiselemente, die wir suchen.“
Dass dieser Plan einen größeren Umbruch erfordert, ist offensichtlich. Sieben Abgänge stehen bereits fest, weitere könnten folgen. Paula begründet diesen Schritt auch mit dem Wunsch nach Klarheit: „Grundsätzlich kann man sagen, dass Personalentscheidungen im Fußball immer kontrovers diskutiert werden. Die einen finden die Entscheidungen gut, die anderen finden sie gar nicht gut. Wir haben, nachdem unsere Aufstiegsambitionen erledigt waren, gesagt, dass wir aktiv in die Kommunikation mit den Spielern gehen wollen, beziehungsweise die Öffentlichkeit informieren, was wir planen, was wir vorhaben.“
Doch auch die finanziellen Rahmenbedingungen spielen eine entscheidende Rolle. Gegenüber dem Bayerischer Rundfunk machte Paula keinen Hehl daraus: „Geld spielt immer eine Rolle bei 1860 München, weil es grundsätzlich nicht üppig vorhanden ist. Es ist eines von mehreren Kriterien.“ Mit Spielern wie Jacobsen oder Verlaat wurde aber angeblich erst gar nicht übers Geld gesprochen.
Das Budget soll für die neue Saison sogar unter dem Vorjahresniveau liegen, das bei rund 6,3 Millionen Euro angesiedelt war – im Ligavergleich nur Mittelmaß. Von Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik haben die Löwen vermutlich nichts mehr zu erwarten. Der Geschäftsmann aus Abu Dhabi will weiter verkaufen - und dass immer noch kein Gesellschafterwechsel vollzogen wurde, lässt trotz vieler Gespräche vermuten: Bei 1860 ändert sich nichts. Und es zeigt einmal mehr: Der despektierliche Umgang mit Ismaik hat späte Folgen.
Für Verwunderung sorgte im Grünwalder Stadion, dass beim Sieg gegen Ulm ausgerechnet Spieler in der Startelf standen, die den Verein im Sommer verlassen müssen. Paula verweist auf das Leistungsprinzip und erklärte im BR: „Der Trainer hat’s ja schon begründet: Wir wollen ja unsere Spiele noch erfolgreich bestreiten. Wir haben ja noch das Toto-Pokal-Finale vor der Brust – und wir haben gesagt: Wir gehen nach wie vor nach Trainingsleistung. Bei den Dreien war’s ausgezeichnet. Deswegen werden sie auch auf dem Platz stehen.“
Eine nachvollziehbare Argumentation, die jedoch im Widerspruch zum zuvor kommunizierten personellen Schnitt steht. Auch 1860-Idol Benny Lauth sieht diesen Spagat und erklärte ebenfalls im BR: „Man muss beide Seiten sehen. Es gilt das Leistungsprinzip, die Saison ist noch nicht vorbei. Die Spieler sind alle noch da. Und wenn die einen besser trainiert haben, ist es auch das gute Recht des Trainers, zu sagen: Die spielen! Andererseits muss man auch sagen: Wenn ich Flo Niederlechner oder Patrick Hobsch auf der Bank habe – und das sind die Spieler, die ich auch nächstes Jahr mitnehmen muss, dann weiß ich nicht, wie die reagieren. Du musst halt alle mitnehmen. Du musst für die letzten Wochen die Kabine natürlich stark halten.“
Damit liegt der Fokus zwangsläufig auf Trainer Markus Kauczinski. Der erfahrene Coach steht vor der Herausforderung, genau diesen Spagat zu moderieren. Paula ist sich dessen bewusst und betont: „Er ist ein sehr erfahrener Trainer, der weiß um die Lage, dies zu managen, zu moderieren und zu begleiten. Mir ist da nicht bange, aber es ist eine Herausforderung, um die Spannung hochzuhalten und die gesetzten Ziele noch zu erreichen.“






