Planeten, Paula - und ein neues Personalbeben
- VON OLIVER GRISS
- 24.04.2026 08:26
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VON OLIVER GRISS
Nein, das war kein selbstherrlicher Alleingang von Mueller, sondern ein Vorhaben, das von vielen im Verein auch noch unterstützt wurde. Ob sich der eine oder andere heute dafür schämt? Man weiß es nicht.
Vielleicht kommt etwas Licht ins Dunkel, wenn vor Gericht noch detaillierter über Sinn und Zweck des „Biss des Löwen“ philosophiert wird – sicherheitshalber sollten die Besucher dann Popcorn mitbringen. Exakt zwei Jahre später, am 23. April 2026, gibt’s bei 1860 wieder eine Nachricht, über die man noch länger sprechen wird. db24 hat sie Kahlschlag genannt. Geschäftsführer Manfred Paula verkündete in einer Video-Botschaft, dass sich der Klub zum Saisonende von sechs Spielern trennen werde, darunter die beiden Spielführer Jesper Verlaat und Thore Jacobsen sowie der Österreicher Raphael Schifferl, der genau das verkörpert, wofür die Fans Thomas Miller beim Durchmarsch von der Bayernliga in die Bundesliga in den 90er Jahren vergöttert haben: Mentalität, Einsatzwillen und Herz. Paula begründet seine Zäsur in Giesing, wohlwissend, dass die letzten fünf Spiele inklusive dem Toto-Pokal-Finale in Würzburg jetzt zum Glücksspiel werden: „Das ist im Einzelfall menschlich immer eine sehr schwere Entscheidung. Aber am Ende des Tages müssen wir sie treffen, um aus unserer Sicht in der kommenden Saison sportlich erfolgreich sein zu können.”
Erfolgreich also? Aha. Die entscheidende Frage lautet: Wie oft wollen die 50+1-Löwen ihren Kurs noch korrigieren, um endlich ans ersehnte Ziel zu kommen? Im Winter hatte 1860 mit Geschäftsführer Paula verpasst, personell nachzulegen und die Offensiv-Defizite durch den Ausfall von Kreativspieler Tunay Deniz auszugleichen. Und überhaupt: Im Februar wehrte sich Paula gegenüber der Abendzeitung noch gegen einen größeren Cut, als er sagte: “Das ist aber nicht unsere Strategie: Wir wollen vermeiden, im Sommer den nächsten großen Umbruch zu gestalten. Unsere klare Handlungsmaxime ist, nicht wieder zehn, zwölf Spieler zu holen und auszutauschen.” Was interessiert mich mein…
Das Giesinger Heimatgefühl (“Mei, so schee!”) wird nicht ausreichen, um professionellen Sport zu praktizieren und die Fans zufrieden zu stellen. Manchmal hat man bei den Löwen das Gefühl: Jeder darf sich mal ausprobieren im Experimentierstüberl an der 114, doch vom gehobenen Profifußball ist das ganz weit weg. Und wer glaubt, dass man mit dem eigenen Nachwuchs in der Dritten Liga um die vorderen Plätze spielen kann, sollte mal bei Manni Schwabl in Unterhaching nachfragen. Er musste den verstärkten Jugendkurs mit dem Abstieg in die Regionalliga bezahlen.
Paula jedenfalls hat die Latte für sich selbst sehr hoch gelegt. Wenn die neuen Spieler nicht besser sind und die Qualität im Kader nicht spürbar steigt, wird man in München-Giesing womöglich schon zur Wiesn Ende September wieder über den nächsten neuen Dreijahresplan sprechen. Oder über eine neue Auflage des „Biss des Löwen“ - und dann wird selbst im 1860-Fanshop registriert werden, dass der Spaß vorbei ist und man besser auf komische TikTok-Videos verzichten sollte…






