Neue Ausgabe von Radis Erben: Gefesselt in Liga 3
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 16.04.2026 07:00
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VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
So schaut’s aus, Sechzig.
Es ist längst kein Ausrutscher mehr, kein unglücklicher Verlauf, kein einmaliges Scheitern. Es ist ein Muster. Ein Kreislauf, aus dem sich der Löwe einfach nicht befreien kann. Jahr für Jahr wird ein neuer Angriff gestartet – mit neuen Stars, neuen Versprechen, neuen Parolen. Doch die entscheidende Konstante bleibt: Der Aufstieg gelingt nicht.
Dabei sind die Voraussetzungen oft gar nicht so schlecht. Namen, Erfahrung, Ambitionen, Rekorde, euphorisierte Fans – all das ist vorhanden. Spieler wie Kevin Volland, Florian Niederlechner, Sigurd Haugen oder Thomas Dähne kommen nicht nach Giesing, um im Mittelfeld der Dritten Liga mitzuschwimmen. Sie kommen mit einem klaren Ziel: Aufzusteigen. Und trotzdem endet auch dieser Versuch wieder irgendwo zwischen Anspruch und Realität.
Und vielleicht liegt genau hier der Kern des Problems. Geschäftsführer Manfred Paula hatte es selbst eingeräumt: „Ich glaube, wir waren nicht so gut beraten, das Etikett ‚Aufstiegskader‘ auf diesen Kader zu kleben. Die Mannschaft musste sich erst finden. Dann haben wir festgestellt, dass wir doch noch Bereiche haben, wo wir defizitär sind und uns entwickeln müssen.”
Nur: Noch Anfang Dezember hatte Paula selbst erklärt, dass dieser Kader nominell stark genug sei. Im Gegensatz zur Konkurrenz war 1860 nicht auf dem Transfermakt aktiv, um an den Stellschrauben zu drehen. Jetzt also plötzlich doch kein Aufstiegskader mehr? Das wirkt weniger wie eine neue Erkenntnis – sondern eher wie eine nachträgliche Korrektur der eigenen Erwartungshaltung. Oder deutlicher gesagt: wie eine Ausrede.
Denn die entscheidende Frage lautet doch: Wer hat diesem Kader überhaupt das Aufstiegsetikett verpasst? Und warum? Wenn man intern von der Qualität überzeugt war, dann muss man sich heute auch daran messen lassen. Alles andere wäre Schönfärberei.
Die Frage ist längst nicht mehr nur, ob Sechzig es irgendwann schafft. Die viel spannendere – und unbequemere – Frage lautet: Warum schafft es der Löwe nicht? Nein, am Druck liegt es nicht. Ist es die fehlende Kontinuität? Möglich! Zu viel Unruhe im Umfeld? Nein! Noch nie war eine Saison ruhiger auf Gesellschafter-Seite. Oder steht sich der Klub am Ende selbst im Weg? Wahrscheinlich ist es – wie so oft bei 1860 – von allem etwas.
Fakt ist: Während andere Klubs in die Zweite Liga zurückkehren oder zumindest ernsthaft angreifen, baut der TSV 1860 seinen ganz eigenen Status weiter aus – den des Dinos der Dritten Liga. Neunte Saison, kein Ende in Sicht. Und genau das tut weh.
Denn dieser Verein gehört nicht hierher. Nicht mit seiner Geschichte, nicht mit seiner Wucht, nicht mit dieser Fanbasis. Aber der Fußball interessiert sich nicht für Tradition. Er belohnt keine großen Namen und keine schönen Erinnerungen. Er belohnt Strukturen, Galligkeit und Leistungsbereitschaft.
All das muss Sechzig endlich liefern. Sonst bleibt alles, wie es ist: ein neuer Sommer, ein neuer Anlauf – und wieder dieselbe Frage.
Radis Erben ist der Podcast von TV-Kommentator Tobias Fischbeck (u.a. DAZN, Sport1, ZDF) und Oliver Griss, der seit mehr als drei Jahrzehnten über diesen einzigartigen Klub berichtet. Das Format wurde in der Corona-Zeit gegründet und ist der älteste Podcast dieser Art im Löwen-Kosmos.
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