Blaue Ehrenrunde - mit Ambitionen?
- VON OLIVER GRISS
- 14.04.2026 18:13
- 3 Minuten Lesezeit
- 63 Kommentare
VON OLIVER GRISS
Nein, Namen sind keine Garantie, doch sie machen es prinzipiell einfacher. Der Aufstieg hat auch mit Volland & Co. leider wieder nicht geklappt. Der TSV 1860 muss erneut eine Ehrenrunde in der Dritten Liga drehen – und geht auf diesem Niveau in die neunte Saison in Folge.
Warum eigentlich?
Auch, weil der Klub nach dem Rauswurf von Patrick Glöckner im Herbst zu lange ohne klare Lösung blieb. Unter Interimstrainer Alper Kayabunar gingen wichtige Punkte verloren (2:2 gegen Viktoria Köln, 0:1 in Wiesbaden) – und im Winter wurde auf die Probleme, vor allem im zentralen Mittelfeld, nicht reagiert. Noch im Trainingslager in Belek verteidigte Geschäftsführer Manfred Paula die Transferpassivität des Klubs: „Wir glauben an unseren Kader mit seiner Qualität und Breite.“ Dabei war klar: Ohne erfahrenen Übergangsspieler als Ersatz für Tunay Deniz wird es schwer, sich im Aufstiegskampf durchzusetzen. Siehe db24-Prognose im Winter.
Umso überraschender sind jetzt Paulas neue Aussagen gegenüber dem „Bayerischen Fernsehen“: „Ich glaube, wir waren nicht so gut beraten, das Etikett ‚Aufstiegskader‘ auf diesen Kader zu kleben.“ Heißt übersetzt: Der Kader hatte möglicherweise aus Sicht des Geschäftsführers nicht die Qualität – oder nicht die Stabilität –, mit diesem Druck umzugehen.
Tatsache ist: Wenn man die letzten acht Drittliga-Jahre bei 1860 Revue passieren lässt, war dies mit Sicherheit die beste zusammengestellte Mannschaft. 15 von 17 Drittliga-Trainer haben 1860 zu einem Aufstiegskandidaten gekürt - und das nicht, um abzulenken, sondern voller Überzeugung.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Kader stark auf eine Dreierkette ausgelegt war. Dazu kommt: Mit einem Budget von rund 6,3 Millionen Euro rangiert 1860 nur auf Platz elf der Etat-Tabelle. Und klar ist auch: Ohne die Transferaktivitäten des vergangenen Sommers hätte 1860 nie diese Euphorie entfacht – 5.000 Fans beim Tag der offenen Tür sprechen für sich. Auch im Fanshop wurden Rekorde gebrochen, beim Trikotverkauf sogar Bestmarken aus Bundesliga-Zeiten übertroffen.
Alles schon vergessen?
Sind wir wieder beim Leistungsprinzip, das Markus Kauczinski in den vergangenen Wochen immer wieder richtigerweise angesprochen hat. Natürlich ist die Dritte Liga kein Selbstläufer. Dennoch sollte es der Anspruch dieser verstaubten Fußballmarke sein, auf diesem Niveau zu liefern und dem Ruf des Klubs gerecht zu werden. Wir erinnern an dieser Stelle auch an den „Biss des Löwen“ – Nummer zwei in Bayern in den nächsten fünf Jahren.
Fühlt sich Sechzig nicht mehr imstande, Ambitionen zu hegen, sollte man die Sinnhaftigkeit des gesamten Konstrukts hinterfragen. Im Fußball geht’s um Entwicklung und Erfolg, egal ob C-Klasse oder Bundesliga. Die Löwen haben vor allem auch eine Verpflichtung gegenüber ihrem treuen Publikum. Nur mal zum Nachdenken: Wenn 1860 früher in der drittklassigen Bayernliga nur Zweiter wurde, war das ein Misserfolg – und die Trainer mussten reihenweise gehen.
Vielleicht ist das aber alles nur Taktik. Vielleicht will Paula den Druck rausnehmen, sich selbst schützen. Doch genau daran wird er sich messen lassen müssen: nicht an Worten, sondern daran, ob er diesen Kader endlich so baut, dass er dem Anspruch dieses Klubs gerecht wird. Denn eines ist klar: Noch eine Ehrenrunde verträgt Sechzig nicht. Und irgendwann auch seine Fans nicht mehr.






