VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)

Der deutsche Fußball und seine wichtigen Geldgeber - es ist ein Spiel mit dem Feuer.

Was dem TSV 1860 vermutlich noch bevorsteht, ist anderswo längst Realität: Bei Drittliga-Absteiger FC Schweinfurt 05 zieht sich mit Markus Wolf ausgerechnet der Mann zurück, der den Klub über Jahre getragen hat – als Geschäftsführer, als Macher, als Hauptsponsor, als Geldgeber. Und das mit sofortiger Wirkung.

Dabei wollte Wolf eigentlich trotz des Abstiegs weitermachen - doch jetzt die 180-Grad-Wende - der Grund: Die Beleidigungen gegen seine Person aus der eigenen Fanszene. “Schlimmer als jeder Abstieg ist nur unsere Vereinsführung” - so lautete das Urteil der Schweinfurter Fans beim Auswärtsspiel in Hoffenheim als Reaktion auf das schlechte Abschneiden der Mannschaft. Die Schweinfurt-Ultras nannten nicht den Namen des Vorstands, aber Wolf fühlt sich direkt angesprochen.

Wolf in seinem Statement: “Die aktuellen Entwicklungen rund um den Verein - unter anderem auch öffentlich sichtbar gewordenen Stimmungen und Ausdrucksformen, wie sie zuletzt im Stadion dokumentiert wurden - zeigen, dass eine vertrauensvolle und geschlossene Zusammenarbeit in der bisherigen Form nicht mehr gegeben ist.”

Bereits vor sechs Wochen hatte Wolf angedeutet, dass er hinschmeißen würde, wenn man ihn im Stadion ständig diffamiere. “Das Plakat war einfach zu viel. Das ist, wie wenn du die Milch gebende Kuh schlachtest, es zeigt, wie undankbar diese Leute sind. Jetzt können die Plakatschreiber zeigen, ob sie es besser können.”

Beim TSV 1860 wird der jordanische Geschäftsmann Hasan Ismaik seit vielen Jahren von der eigenen Fanszene diskreditiert - ohne dass der Klub dem Ganzen den Riegel vorschiebt. Bis heute weht in der Westkurve die Anti-Ismaik-Fahne - zudem singen die Fans zwar nicht mehr “Scheiß auf den Scheich, scheiß auf sein Geld”, sondern in abgeänderter Form “Wir scheißen auf den Investor”. Ändert auch nicht viel. Fakt ist: Ein möglicher Ismaik-Nachfolger wird sich genau überlegen, ob er bei 1860 München einsteigen soll und möglicherweise ein Plakat “spendiert” bekommt.