Urteilsverkündung im Fall Mueller: Wird's richtig teuer für Sechzig?
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 08.04.2026 13:14
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VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
**Seit Dienstag, 20.50 Uhr, ist auch die letzte sportliche Resthoffnung dahin: Das 0:3 in Cottbus hat für den TSV 1860 das nächste Jahr in der Dritten Liga besiegelt. Sechs Spieltage vor Schluss beträgt der Rückstand auf den Relegationsplatz zehn Punkte – der Aufstiegstraum ist geplatzt. Bleibt aus sportlicher Sicht nur noch die Trostrunde: das Toto-Pokal-Finale am 23. Mai in Würzburg, das immerhin noch das Tor zum DFB-Pokal öffnen kann.
Unklar ist dagegen die wirtschaftliche Power für die Zukunft - und die Frage: Hat man für die Saison 26/27 ein Budget zur Verfügung, das die Ambitionen des Klubs unterstreicht und vor allem der Marke gerecht wird?
Viel hängt davon ab, ob Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik seine Anteile abgibt und mit einem möglichen Nachfolger eine neue Aufbruchstimmmung erzeugt werden kann. Nach db24-Informationen gibt es tatsächlich Interessenten, die Lust auf einen Einstieg an der Grünwalder Straße 114 haben. Doch der finale Durchbruch lässt weiter auf sich warten. Allzu lange sollte man aber nicht mehr warten - Stichwort Kaderplanung.
Klarheit wird es dagegen bereits morgen geben, aber an anderer Stelle - zu finanziellen Einschnitten: Im Landgericht München I wird um 11 Uhr im Sitzungssaal 601 das Urteil gesprochen, was Ex-Geschäftsführer Oliver Mueller nach seiner fristlosen Kündigung seitens des TSV 1860 zusteht. Der Manager war im Februar 2024 gegen den Willen von Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik mit 50+1 vorgestellt - und nach nur wenigen Monaten wieder entlassen worden.
Bis heute hat der Drittligist keinen Nachfolger präsentiert. Und der Geschäftsführer, der für Mueller seinerzeit unter kuriosen Begleiterscheinungen geopfert wurde, befindet sich mit Rot-Weiss Essen auf dem direkten Weg in die Zweite Liga: Marc Pfeifer. Unter dem Schwaben ist RWE nicht nur finanziell auf einem sehr positiven Weg, sondern auch sportlich - auch Pfeifers Verdienst.
Die Gefahr ist für die Löwen nicht gerade klein, dass sie Mueller ohne Gegenleistung eine Entschädigung von rund 400.000 Euro bezahlen müssen. Eine Summe, die für die finanziell arg gebeutelten Giesinger sehr schmerzhaft wäre. Dazu kommt die nächste offene Flanke: Auch die Causa Dr. Christian Werner ist noch nicht sauber gelöst. Wieder geht es um eine Personalie auf Geschäftsführer-Ebene, die gegen den Widerstand Ismaiks durchgedrückt wurde. Sollte auch hier noch eine kostspielige Trennung nachwirken, wäre das der nächste Beleg dafür, wie teuer Missmanagement an der Grünwalder Straße geworden ist. Werner hat Vertrag bis Sommer 2027.
Die eigentliche Kernfrage bleibt deshalb: Wer kommt für diesen finanziellen und strategischen Scherbenhaufen auf? Und vor allem: Wer zieht endlich die Konsequenzen aus einer Misswirtschaft, die 1860 sportlich klein hält, wirtschaftlich schwächt und die Zukunft des Klubs Jahr für Jahr belastet?






