Die Helden-Galerie wird kleiner
- VON OLIVER GRISS
- 02.04.2026 17:53
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VON OLIVER GRISS
Der TSV 1860 hat innerhalb kürzester Zeit zwei seiner ganz großen Persönlichkeiten verloren. Ihr Verlust reißt einen tiefen Krater in mein Löwen-Herz – ausgerechnet in einer Zeit, die geprägt ist von Peinlichkeiten, Misserfolgen, Ausreden und politischen Ausrutschern. Dabei brauchen die Löwen wieder Helden, um nicht die nächste Generation an Fans zu verlieren.
Beide Trainer waren in ihrer Zeit nicht nur herausragend, sondern auch Entertainer und Menschen, wie man sie sich als Reporter wünscht: leidenschaftlich, schlau, emotional, erfolgreich – und vor allem mit dem richtigen Fingerspitzengefühl für diesen wahrlich nicht einfachen Klub. Sowohl Wettberg als auch Lorant waren Erfolgsgaranten für einen Verein, dem in den 80er Jahren sogar kurzzeitig der sportliche Absturz in die viertklassige Landesliga gedroht hatte.
Wettberg hat mir als jungem Reporter Momente beschert, die ich nie vergessen werde: nicht nur das legendäre 3:3 im Mai 1990 gegen Schweinfurt, als der TSV 1860 vor 40.000 Fans im proppevollen Grünwalder Stadion um Haaresbreite die Bayernliga-Meisterschaft und damit die Aufstiegsrunde verpasste. Sondern auch das Schneespiel am Gründonnerstag 1991 gegen Weiden (2:0) oder die fantastische Aufstiegsrunde mit dem Happy End gegen Borussia Neunkirchen (2:1), als mir ein gewisser Horst Schmidbauer nach dem perfekten Aufstieg seinen schwarzen Puma-Schuh vermachte. Bei einem meiner vielen Umzüge fand dieses Souvenir durch fremde Hände leider nicht mehr den Weg in meine vier Wände. Schade drum.
Wettberg war eine ganz besondere Figur im 1860-Kosmos. Und wenn ich mich recht entsinne, hat man den Aufstiegstrainer von 1991 zu den erfolgreichen Bundesliga-Zeiten eher selten bei den Löwen gesehen – wahrscheinlich auch deshalb, weil ihm Sechzig damals ein Stück weit entwachsen war, er mit Werner Lorant nicht das beste Verhältnis pflegte und auch Karl-Heinz Wildmoser nicht gerade zu seinen engsten Freunden zählte.
Erst als 1860 in die Zweite Liga abstürzte, tauchte auch Wettberg wieder auf – voller Selbstbewusstsein, als Vizepräsident. Unvergessen bleibt der politische Wahlkampf vorher zwischen ihm und Otto Steiner im Jahr 2007 um das Amt des Ober-Löwen. Als AZ-Redaktion konnten wir beide Kandidaten für eine Telefonaktion gewinnen – heute, im Zeitalter von Social Media, kaum mehr vorstellbar. Wettberg gegen Steiner: Es wurde mit allen Tricks gearbeitet. Am Ende wurde es keiner von beiden, sondern ein gewisser Albrecht von Linde, der auch noch eine kurze Verweildauer bei 1860 gehabt hat.
In Wettbergs Amtszeit fiel auch die Abtretung der Rückkaufoption für die Allianz Arena. Was viele heute nicht mehr wissen: Wettberg trat damals für die Faninitiative Pro1860 an. „Das war einer meiner größten Fehler, ich war richtig naiv“, vertraute er später einmal db24 an.
Alles vergessen, Karsten. Pass auf Sechzig von oben auf!






