15. März 2004: Der Tag, an dem sich bei 1860 alles verändert hat
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 15.03.2026 17:07
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VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
Keinen Einfluß kann Mang derzeit auf den sportlichen Weg nehmen: Das Kerngeschäft obliegt Trainer Markus Kauczinski, der es im Gegensatz zu Vorgänger Patrick Glöckner geschafft hat, die Qualität des Kaders zu wecken. Vielleicht ist das der Grund, warum sich derzeit alle ein wenig zurückhalten, weil sich 1860 weiter im Aufstiegsrennen befindet. Zuletzt hatte Mang gegenüber der “AZ” von Demut gesprochen - Worte, die die Fans nicht so gern hören. Schließlich ist der TSV 1860 seit neun langen Jahren in der Drittklassigkeit unterwegs. Irgendwann reichts mit der Im-Kreis-Drehen-Nummer.

Große Ratgeber im Löwen-Umfeld, wie man den TSV 1860 wiederbeleben kann, gibt es kaum noch. Der, der den Klub in den 90er Jahren im Rekordttempo von der Bayernliga bis in den Europacup geführt hat und seinerzeit wieder zu einer guten Adresse im deutschen Fußball gemacht hat, war der 2010 verstorbene Ex-Präsident Karl-Heinz Wildmoser. Er lenkte die Löwen von 1992 bis 2004.
Heute vor genau 22 Jahren, am 15. März 2004, trat Wildmoser im Zuge des Arena-Skandals zurück. Oder anders gesagt: Er wurde dazu gedrängt, allen voran vom damaligen OB Christian Ude, der auch im 1860-Aufsichtsrat saß. Der Montag vor 22 Jahren war der Tag, an dem der leidvolle Absturz des TSV 1860 begann. Wildmosers Rückzug war ein Tag der Schande: Der Großgastronom wurde an der Grünwalder Straße 114 unter dem Jubel einer Minderheit der aktiven Fanszene beleidigt und beschimpft. Einer dieser sogenannten Löwen-“Fans” urinierte trotz Polizeiaufgebot am Trainingsgelände sogar an Wildmosers Auto. Bilder, die nicht aus dem Gedächtnis gehen. Szenen, die nicht selten an das Verhalten einiger Fans gegenüber Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik erinnern. Siehe Kondom-Vertrieb mit Ismaiks Gesicht bei der MV 2024.

Nachdem Wildmoser unter dem Schutz der Security zum letzten Mal in seinem Leben von der Geschäftsstelle mit seinem Audi A8 davonbrauste, sagte er: „1860 ist mir ans Herz gewachsen, aber wenn man zwölf Jahre lang permanent beschimpft und dumm angemacht wird, dann geht einem das irgendwann auf den Geist. In sechs Wochen kriege ich die Rente, die will ich genießen.” Sechs Jahre später starb Wildmoser im Alter von 71. Er ging viel zu früh. Er zerbrach an 1860 - am Kampf, der gegen ihn geführt wurde. Dabei war Wildmoser ein Mann mit Durchblick und Visionen. 1860 war zu Bundesliga-Zeiten der erste Klub in Deutschland, der beispielsweise mit chinesischen Firmen Partnerschaften eingegangen war. Die Giesinger waren auch der erste Klub in Deutschland, der eine Webseite auf Chinesisch hatte - das zeigte Wildmosers Weitblick. Dass 1860 ein NLZ hat, war insbesondere Wildmosers Verdienst.

Das Lebenswerk von Wildmoser wurde nach seinem Aus peu à peu jedes Jahr ein kleines Stückchen mehr zerstört. Der Tiefpunkt: Weil sich der TSV 1860 im Jahr 2011 nicht mehr selbst zu helfen wusste, musste mit Hasan Ismaik ein ausländischer Geschäftsmann aus Abu Dhabi dem Klub finanziell unter die Arme greifen. Doch die Löwen wussten mit seiner Unterstützung nur wenig anzufangen. Als er in der Saison 2016/2017 das Zepter übernahm und Millionen investierte, stieg der Verein mit Namen wie Vitor Pereira und Ian Ayre (Manager des Jahres in England) sportlich aus der Zweiten Liga ab - und es einige Unverbesserliche im Klub, die sich sogar über den Abstieg freuten. Weil Ismaik nicht bereit war, 11 Millionen Euro auf den Tisch zu legen, stürzte 1860 schließlich in die Viertklassigkeit ab. Seit 2018 spielt der Klub nun in der Dritten Liga. Egal wie die Saison letztlich Mitte Mai Mai beendet wird, man darf gespannt sein, wo die notwendige Kohle herkommt, um den Klub neu aufzustellen - aber wer weiß: Vielleicht hat Mang jemanden an der Angel, mit dem zum jetzigen Zeitpunkt noch keiner rechnet.






