1860-Verwaltungsrat Seeböck über Mueller-Aus: Ismaiks Kanzlei hat die Kündigung formuliert
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 27.02.2026 08:07
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Sebastian Seeböck.
VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
Besonders erwähnenswert ist jedoch eine Personalie: Marc Pfeifer, der relativ erfolgreich für 1860 arbeitete und vor allem im Sponsorenbereich deutliche Zugewinne verzeichnete, musste Anfang 2024 nach dreieinhalb Jahren als Geschäftsführer gehen – für einen gewissen Oliver Müller, den mit “UE“. Der Schwarzwälder wurde mit 50+1 eingestellt – freilich gegen den Willen von 60-Prozent-Eigner Hasan Ismaik. Das gehört offenbar zum guten Ton an der Grünwalder Straße 114.
Berühmt war die kurze Amtszeit des Finanz-Geschäftsführers freilich nicht: Planeten-Präsentation mit Angriff auf die Nummer zwei in Bayern, ständige Konfrontation mit Mehrheitsgesellschafter Ismaik – und laut dem früheren 1860-Anwalt Erhard Kött aus Fulda führte Müller den Klub auch an den Rand der Insolvenz.
Gestern, beim dritten Prozesstag vor dem Landgericht München I, war von all den Vorwürfen, die anfangs gegen Müller im Raum standen, nicht mehr viel übrig geblieben: eine Studie für 86.000 Euro, Grafiker-Kosten in Höhe von 8.000 Euro – oder das Argument, Müller habe sich Ismaik gegenüber respektlos verhalten.
Erstaunlich: Nachdem die Löwen zu Beginn der gerichtlichen Auseinandersetzung Müller zunächst nur 50.000 Euro für seinen bis zum 30. Juni 2026 laufenden Vertrag zahlen wollten, hat sich der Betrag inzwischen versechsfacht – 300.000 Euro sind sie nun bereit, dem Ex-Boss zu überweisen. Müller will jedoch deutlich mehr: mal 480.000, mal 450.000 Euro. So recht weiß man es nicht – dieses Gefühl hatten gestern auch die Schaulustigen im Saal.
Wer muss für dieses finanzielle Desaster aufkommen? Das könnte die Gesellschafter noch länger beschäftigen. Und es stellt sich ohnehin die Frage: Konnten die Löwen für diesen Fall Rücklagen bilden?
Interessant ist jedenfalls die Darstellung der „Süddeutschen Zeitung“ mit dem Titel „Ein Investor, der 50+1 zieht“. Eine spannende Sichtweise. Denn das Präsidium Reisinger hatte im August 2024 die Notbremse bei Müller gezogen, nachdem Ismaik zuvor das Überbrückungsdarlehen gekündigt hatte. Um eine Insolvenz zu vermeiden? Höchstwahrscheinlich.
Zumindest wird Verwaltungsrat Sebastian Seeböck in der „SZ“ wie folgt zitiert: „Weder im primär zuständigen Beirat noch im Verwaltungsrat waren irgendwelche Pflichtverletzungen oder gar die Trennung von Oliver Müller im Vorfeld ein Thema. Es handelte sich um ein autonomes Zusammenwirken von HAM (Ismaiks Firma, d. Red.), deren Kanzlei die Kündigung formuliert hat, und dem ehemaligen Präsidium aus dem Stegreif.“
Die „SZ“ schreibt dazu: „Wenn Investoren-Anwälte eine 50+1-Kündigung vorbereiten, birgt das schon einen feinen Humor.“ Für Seeböck ist es eher weniger lustig. Der Dauer-Funktionär erklärte, es sei „sehr naheliegend anzunehmen, dass das ehemalige Präsidium in gutem Glauben dem Wunsch von HAM nach einer Entlassung entsprochen und sich insoweit auf eine gemeinsame geräuschlose Abwicklung im Nachgang verlassen hat“.
Wer es vielleicht vergessen hat: Der Verwaltungsrat schlägt beim TSV 1860 laut Satzung den Präsidenten vor - und hätte dieses Gremium das Präsidium Reisinger im Fall Müller nicht zurückpfeifen können?
Es passt zu diesem turbulenten Verein, dass längst nicht mehr darüber gesprochen wird, wer am 60-Prozent-Gesellschafter Ismaik vorbei fragwürdige Personalentscheidungen zulasten des Klubs getroffen hat – stattdessen zeigt man mit dem Finger auf den Mann, der den Verein seit 14 Jahren finanziell über Wasser hält. Das ist jedenfalls auch eine Kunst…






