VON OLIVER GRISS UND STEFAN MATZKE (BILD/FOTOMONTAGE)

Wenn man sich am Dienstagvormittag auf dem Einserplatz an der Grünwalder Straße 114 umsah, war schnell klar: Die Beteiligung an der Vorbereitung war äußerst überschaubar. Nur 16 Feldspieler standen Markus Kauczinski zur Verfügung – plus drei Torhüter. Eingerechnet sind dabei bereits Thore Jacobsen, der beim Re-Start gegen Rot-Weiss Essen (Samstag, 14 Uhr, db24-Ticker) gesperrt ist, sowie die drei NLZ-Talente Damjan Dordan, Noah Klose und Loris Husic. Alle drei sind bislang noch ohne Drittliga-Minute. Das könnte sich allerdings schon nach dem kommenden Wochenende ändern.

Die Personalsorgen bei den Löwen sind größer denn je – und das ausgerechnet vor dieser richtungsweisenden Rückrunde. Markus Kauczinski weiß derzeit kaum, wo ihm der Kopf steht: Musste er bereits im gelungenen Trainingslager in Belek improvisieren, hat sich die Ausfallliste danach keineswegs entspannt – im Gegenteil. Nachdem der Österreicher Raphael Schifferl am Montag kurz vor dem Ende der Einheit abbrechen musste und sich an die Beine fasste, fehlte der Innenverteidiger am Dienstag komplett. Zwickt der Muskel – oder ist es „nur“ eine Verhärtung? Sollte Schifferl ausfallen, könnte Lasse Faßmann (19) zu seinem Start-Debüt in der Dritten Liga kommen. Andere Alternativen hat Markus Kauczinski nicht mehr, die neben Max Reinthaler und Siemen Voet auflaufen könnten.

Ebenfalls nicht mittrainieren konnten neben den bereits bekannten Ausfällen (u.a. Sigurd Haugen, Max Christiansen, Tunay Deniz, Jesper Verlaat, Manuel Pfeifer und Sean Dulic) auch Philipp Maier und Maxi Wolfram. Das Duo absolvierte ein individuelles dosiertes Programm, ohne in den Schnelligkeitsbereich zu wechseln. Kauczinski suchte immer wieder das Gespräch mit den beiden erfahrenen Löwen-Profis. Können sie am Mittwoch wieder einsteigen?

Der erfahrene Angreifer Florian Niederlechner, der das Trainingslager in Belek verpasst hatte, am Montag aber extern mit Fitnesstrainer Philipp Kunz trainierte, wurde am Dienstag gar nicht gesichtet. Für Essen scheint der Wahl-Rosenheimer damit keine Alternative zu sein.
Hoffnung besteht zumindest bei Torwart Thomas Dähne. Der Keeper ist krank, mit seinem Trainings-Comeback wird in den nächsten ein bis zwei Tagen gerechnet. Sollte Dähne wider Erwarten nicht spielen können, stünde Rene Vollath parat. Der Ex-Hachinger zeigte beim 4:1-Testsieg gegen Winterthur zwei spektakuläre Paraden und verhinderte damit weitere Gegentore.

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Die wenigen Kiebitze, die am Dienstag den Weg ans Trainingsgelände gefunden hatten, kannten freilich nur ein Thema: das unglaubliche Verletzungspech der Profifußballer. „So etwas gab es bei 1860 noch nie“, berichtet ein grauhaariger Fan, gezeichnet von über 50 Jahren Löwen-Leidenschaft. „Das kann kein Zufall mehr sein. Der Klub sollte sich dringend hinterfragen, warum das so ist. Ich kann mich nicht erinnern, wann es zuletzt so viele Muskelgeschichten gab. Wenn ich den verbliebenen Kader sehe, wird mir vor Essen Angst und Bange.“

Macht sich nun die Zurückhaltung auf dem Transfermarkt bemerkbar? Doktor Kauczinski hat in den vergangenen Monaten immer wieder mit kreativen Lösungsansätzen überzeugt – doch gegen diesen Aderlass dürfte selbst er kaum ankommen.