Volland - Teil 2: "Ich finde, dass wir unter Kauczinski nochmal einen Schritt nach vorne gemacht haben"
- VON OLIVER GRISS UND STEFAN MATZKE (FOTO)
- 13.01.2026 17:56
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VON OLIVER GRISS UND STEFAN MATZKE (FOTO)
die Qualität der Mannschaft: „Ich kenne sie, ich habe die Qualität der Mannschaft im Trainingslager, aber auch das ganze letzte halbe Jahr gesehen. Da ist schon Zug drin. Es hat jeder die Qualität, für den anderen einzuspringen und auch auf das Level zu kommen. Ich finde, dass wir unter Kauczinski noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht haben – im Gegenpressing, in Ballbesitzformen. Am Anfang war es noch wilder. Zu Saisonbeginn hatte ich auch das Gefühl, die Gegner sehen die Partien gegen uns wie DFB-Pokal-Spiele. Da waren schon gute Gegner dabei…“
die Leistungsstärke in der Dritten Liga: „Es sind vielleicht ein paar Mannschaften schon weiter als wir – in der Spielanlage vielleicht schon länger zusammen. Das ist ja auch ein Thema. Man hat hinten raus gemerkt: Wenn du dich ein bisschen einspielst, dann merkst du auch, dass die Abläufe kommen. Da funktionieren Sachen, die am Anfang der Saison noch nicht funktioniert haben. Ich würde schon sagen, dass wir von der Qualität im oberen Mittelfeld einsiedeln, vielleicht sogar weiter vorne. Aber es gibt schon noch ein paar Mannschaften, die auch einen sehr guten Fußball spielen, auch einen Plan haben und zurecht da stehen, wo sie gerade stehen.“
die Einschätzung zu seinem eigenen Niveau: „Im vorderen Mittelfeld (lacht). Ich habe mich hinten raus gut gefühlt, den Rhythmus und das Selbstverständnis bekommen. Ich bin von der Position her einer, der nicht jedes Spiel drei, vier Tore macht, weil ich auch viel im Mittelfeld arbeite und mich als Übergangsspieler aufreibe. Wie es in den letzten Spielen lief, hat es mir richtig, richtig Spaß gemacht. Und so habe ich die Liga auch richtig verinnerlicht. Das ist alles ein bisschen anders als in der Bundesliga. Ab und zu hat man mehr Zeit, wo ich denke, ich spiele mit dem ersten oder zweiten Kontakt. Das ist ein Prozess, den man nicht immer gleich rausbekommt, den ich seit 15, 16 Jahren drin habe. In der Dritten Liga hast du dann mal einen kleinen Manndecker, den du in der Bundesliga nicht hast. Es ist auch viel hektischer.“
seinen Gesundheitszustand: „Ich bin schon täglich auf der Massagebank, es wird auch nicht mehr besser. Das Knie ist nicht mehr so, wie es einmal war. Aber ich bin schmerzfrei – und das ist für mich das Wichtigste. Wenn ich mich jeden Tag quälen müsste, dann macht es für den Verein oder auch für mich keinen Sinn mehr. Aber dieses Gefühl habe ich nicht. Aktuell müssen mein Bruder und der FC Thalhofen noch warten (lacht).“
der etwas abgenommene Hype um seine Rückkehr: „Darüber bin ich froh! Es war schon extrem viel. Es war mir nicht bewusst, dass er so groß sein wird. Dass das bei Sechzig oder in Bayern so einschlagen wird, das war mir klar. Dass das gefühlt deutschlandweit ein Thema war, das hat mich überrascht. Das habe ich nicht auf dem Schirm gehabt. Ich bin froh, dass das jetzt abgeflacht ist. Das hat zusätzlich neben dem Training Energie gekostet. Man macht die Selfies ja gerne, aber trotzdem ist man am Abend froh, mit seiner Familie am Tisch zu sitzen und eine Brotzeit zu machen.“
den Stotterstart von Kumpel Flo Niederlechner bei 1860: „Er hatte einen kleinen Rückschlag. Er ist mit seiner Erfahrung und auch mit dem, was er schon geleistet hat, ein sehr wichtiger Teil der Mannschaft. Er hat das Standing in der Mannschaft. Vielleicht ist es bei ihm wie bei mir: viel Euphorie, große Erwartungshaltung. Als Stürmer bist du ja auch davon abhängig, wie viele Bälle du bekommst, wie oft du in der Box bist. Es ist seine Spielanlage, die er am Ende optimieren muss, damit es auch so klappt, wie er sich das wünscht und wie es der Verein will. Man sieht es trotzdem in jedem Training und jedem Spiel: Flo ist einer, der mit seiner kämpferischen Leistung vorangeht. Er hat eine brutale Präsenz. Die wird in der Rückrunde auch noch wichtig sein. Davon kann man ausgehen.“
den Absturz seines Transfermarktwerts von 35 Millionen auf 500.000 Euro: „Diese Werte waren mir schon immer egal. Wenn du Nationalspieler bist, dann geht er gleich hoch. Dann hast du irgendeine Ablöse im Vertrag stehen, dann ist das die Benchmark. Wenn man eine festgeschriebene Ablöse von 40 Millionen Euro im Vertrag hat und das rauskommt, dann hat man plötzlich diesen Wert. Ich habe jetzt 500.000 Euro – das ist doch was. Da kann ich mir ja eine Wohnung kaufen. Ich weiß aber, dass ich dafür in München nichts mehr kriege (lacht)…“
seine finale Rückkehr nach Bayern: „Das ist richtig schön. Ich bin ja fünfmal die Woche im Allgäu. Es war am Anfang so ungewohnt. Wenn meine Tante Geburtstag hatte und am Nachmittag Kaffee und Kuchen hatte, dann war bei mir im Kopf: Ich bin ja eh nicht da! Das war echt komisch in den ersten zwei, drei Monaten. Ich dachte, ich bin nur anderthalb Tage da und dann muss ich wieder nach Berlin. Du hast wieder viel mehr Zeit für Family & Friends.“
den Rückblick auf seine Karriere: „Ich habe eigentlich alles so geschafft, wie ich es wollte. Es war alles so durchdacht, auch meine Transfers. Ich wollte immer viele Spiele machen und ich fand schon, dass ich bis zu meinem 31. Lebensjahr fast alles gespielt habe. Dass es dann bei Union Berlin sportlich nicht so gepasst hat und man schwierige Phasen hat, das gehört dazu. Da lernt man daraus. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt – ob es Abstiegskampf war oder ob du in die Champions League reinkommst und auch die Nationalmannschaft gesehen hast. Ich habe viele geile Sachen in meiner Karriere erlebt. Ich sehe es an meiner Familie: Meine Mama hat so eine Reisegruppe, die waren jetzt im Erzgebirge, als wir in Aue gespielt haben. Die suchen sich solche Adressen raus. Und ich war auch schon in Aubstadt. Da haben wir ein Selfie gemacht, das wir uns in die Kabine hängen müssen (lacht). Das war der U-Turn.“
die richtungsweisenden Spiele gegen Essen und Osnabrück: „Das werden sehr schwere Spiele, das ist klar. Das sind starke Gegner, aber wir waren in den letzten Wochen auch stark drauf, das hat man gesehen. Klar müssen wir uns jetzt in neuer Konstellation noch finden, aber das haben wir im Trainingslager gut gemacht. Es ist jetzt auch so: Wenn wir in den ersten beiden Spielen keine sechs Punkte holen, wären wir dann weg vom Fenster? Was uns nicht mehr passieren darf, ist so eine Phase wie in der Mitte der Saison. Daraus müssen wir lernen. Wir werden auch Spiele verlieren, das ist klar. Aber wir dürfen keine Negativserie mehr haben. Da geht viel kaputt. Im März/April solltest du schon noch in der Hitparade dabei sein…“
seine Nebenrolle als Gastronom in der Piazza Italiana in Kempten: „Ich mache gar nichts mehr in der Gastro (lacht). Es macht Spaß, aber es ist mühsam. Ich bin mit meinem Kumpel Gesellschafter. Wenn man mitbekommt, wie das in der Gastronomie läuft und von welchen Faktoren das abhängig ist – das habe ich mir anders vorgestellt. Bei uns ist das Problem, dass wir eine Terrasse mit 130 Leuten und in der Gaststätte nur Platz für 25 Personen haben. Wenn es bei uns im Allgäu regnet und plötzlich im Sommer die Sonne rauskommt, dann sitzen bei uns am Rathausplatz innerhalb von einer halben Stunde 100 Leute. Und du hast anders geplant aufgrund der Wetterprognosen. Deshalb ist es schwer planbar – und wenn man Aufwand und Ertrag sieht, macht es mir keinen Spaß (lacht).“






