VON OLIVER GRISS UND ULI WAGNER (FOTO)

Lange war von 1860-Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik nichts zu lesen. Jetzt aber kommt der 46-jährige laut zurück. Ismaik kritisiert die Entwicklung der Löwen scharf und vergleicht 1860 mit einem liegengebliebenen Oldtimer. Seine Stellungnahme im Wortlaut:

Liebe Löwen,

nach einer längeren Pause möchte ich mich bewusst wieder zu Wort melden. Trotz der Zeit des Schweigens habe ich mein Interesse an 1860 nie verloren, wie mir oft nachgesagt wird, und das wird sich auch nie ändern. Dennoch hat mich der Verlauf dieser Saison emotional schwer enttäuscht. Ich möchte das in aller Deutlichkeit sagen, und ich glaube, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine bin. Während einige behaupten, sie sehen keine Stagnation, beobachte ich einen besorgniserregenden Trend. Wie lange wollen wir uns noch von allen Seiten überholen lassen? Es fühlt sich an, als wäre 1860 wie ein liegengebliebener Oldtimer auf dem Mittelstreifen der Autobahn, der dringend eine Generalüberholung benötigt.

Nachdem wir nun den Klassenerhalt am vorletzten Spieltag auch rechnerisch erzielt haben und die Existenz in der Dritten Liga für eine weitere Saison gesichert ist, möchte ich auf die letzten schweren Monate zurückblicken. Diese waren immer wieder von politischen Machtkämpfen geprägt, die sogar den ehemaligen Vize-Präsidenten Hans Sitzberger zur Strecke gebracht haben. Ihn haben die Kräfte verlassen, sich gegen diese Intriganten länger zu stemmen. Sitzberger ist nur ein abschreckendes Beispiel von vielen.

Ich spreche euch direkt an: Warum haltet ihr zu Sitzbergers Gegnern und nicht zu diesem Mann, der viel Geld, Aufwand und Herzblut in den Verein gesteckt hat? Warum vertraut ihr diesen Leuten, die nichts anderes im Schilde führen, als 1860 für ihre eigenen Zwecke und Ideologie klein zu halten? Anstatt den Klub so aufzustellen, wie er es verdient hätte, werden gezielt immer wieder Lügen über meine Familie und mich verbreitet. Seit vielen Jahren wiederholen sich diese hinterhältigen Geschichten. Es ist eine Schande.

Warum steht ihr nicht auf, um unseren Löwen eine bessere Zukunft zu bescheren?

Ich behaupte, dass die Qualität der Mannschaft wesentlich höher ist als ihr aktueller Tabellenplatz. Doch wer kann zuverlässige Höchstleistungen abrufen, wenn es in der Führungsebene keine Einigkeit, kein Miteinander und vor allem keinen seriösen Plan gibt? Es ist auch keine Vision, die Nummer zwei in Bayern werden zu wollen, ohne dafür die nötigen Strukturen und Geschlossenheit vorweisen zu können. Was hat sich in den vergangenen Jahren bei 1860 verbessert? Der Verein ist gespaltener denn je. Welches Unternehmen will in dieser Konstellation seinen Namen mit 1860 in Verbindung sehen?

Soll 1860 den Reisinger-Kurs auch in der neuen Saison weitergehen?

Umfrage endete am 26.05.2024 11:00 Uhr
Nein!
88% (3719)
Ja!
9% (362)
Mir egal: Hauptsache Giesing!
4% (163)

Teilnehmer: 4244

Erinnert ihr euch noch, als wir im vergangenen Sommer gut in die Saison gestartet sind und plötzlich wie auf Knopfdruck wieder Unruhe in die Mannschaft hereingetragen wurde? Es wurden schwindelerregende Behauptungen gegen Geschäftsführung und Trainer aufgestellt, dass Spieler gedrängt worden seien, den Berater zu wechseln, um zu 1860 transferiert zu werden. Zu keiner Zeit wurden Beweise erbracht. Stattdessen wurde Marc Pfeifer eliminiert.

Die Leistung auf dem Platz ist ein Spiegelbild der verantwortlichen Funktionäre, und diese sind ausschließlich auf der von PRO1860 unterstützten Vereinsseite zu finden. Solange sich das nicht ändert, werden wir uns nicht in eine positive Richtung bewegen können. Es ist kein Zufall, dass PRO1860 mit der Unterstützung des Präsidiums, des Verwaltungsrats und der aktuellen Geschäftsführung zu einer Wahlveranstaltung an unser Trainingsgelände einlädt. Der Status der Neutralität ist ungeniert aufgehoben worden.

Ich verstehe nicht, wie Mitglieder, Fans und auch die Ultras diese fürchterliche Situation akzeptieren können. Es sollte für uns alle von größtem Interesse sein, dass unser TSV 1860 München möglichst hochklassig spielt und langfristig wieder zu einem Werbeträger im deutschen Fußball heranwächst. Allein schon aus Traditionsgründen haben wir eine Verpflichtung gegenüber denen, die den Verein mühsam aufgebaut und 1860 zu der Marke gemacht haben, die sie heute ist.

Deswegen richte ich eine eindringliche Bitte an euch alle: Geht am 16. Juni zur Mitgliederversammlung und gebt diesen Löwen eine Chance, die für eine Verbesserung des Status Quo kämpfen. Das Bündnis1860 tritt beispielsweise nicht für ein Gegeneinander, sondern für ein konstruktives Miteinander ein.

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, eurer Stimme Gehör zu verschaffen. Jede einzelne Stimme zählt.