VON OLIVER GRISS

Nein, es gibt kein Abstiegsfinale am 38. und letzten Spieltag - diese Entscheidung wurde der Dritten Liga bereits an diesem Wochenende abgenommen: Der Hallescher FC folgt Duisburg, Lübeck und Freiburg II in die bittere Viertklassigkeit.

Die Ostdeutschen, die sich am Samstagnachmittag noch ein 0:0 in Bielefeld erkämpft hatten, erfuhren von der Horror-Nachricht im Mannschaftsbus auf dem Weg von der Alm zurück nach Halle. Ex-Löwen-Trainer Stefan Reisinger konnte den Absturz nicht stoppen. Nach 12 Jahren Drittklassigkeit muss Halle zurück in den Amateurfußball.

Keiner war länger in dieser Spielklasse unterwegs als Halle. Unfreiwillig bringt der Halle-Albtraum nun dem TSV 1860 einen wenig schmeichelhaften Titel ein - die Löwen dürfen sich ab sofort ganz offiziell “Drittliga-Dino” nennen.

Nachdem sich die Giannikis-Elf am Freitag mit dem 1:0 in Essen aus eigener Kraft selbst gerettet hat, gibt es in der neuen Saison kein Team, das länger als 1860 in der Dritten Liga spielt - seit 2018. Sieben lange Jahre am Stück. Bis zum Abstieg 2017 waren die Löwen übrigens 13 Jahre Dauergast in der Zweiten Liga. Und selbst das gefiel nicht allen - man sprach von Langeweile. Und dass vor allem die Allianz Arena an der Stagnation schuld sei…

Auch wenn Geschäftsführer Oliver Mueller kürzlich angekündigt hat, die Löwen neu aufstellen zu wollen - nein, Drittliga-Dino ist kein Titel für den Briefkopf, aber auch nicht für den Trikot-Rücken. Und hoffentlich kommt man an der Grünwalder Straße 114 auch nicht auf den Gedanken, einen Dino-Marketing-Gag im Fanshop daraus zu machen. Die Fans, die zumindest den Sport als den Mittelpunkt ihrer Löwen-Passion sehen, leiden schon genug. Und die Münchner Medien begleiten den TSV auswärts eigentlich gar nicht mehr. Was auch tief blicken lässt.

Es ist wahrlich keine Auszeichnung, dass es sich die Löwen in der Dritten Liga gemütlich machen. Man bekommt das Gefühl nicht los, dass sich nicht wenige in diesem Umfeld wohl fühlen. Dabei ist diese Spielklasse mit wenigen Ausnahmen ein Auffangbecken der Gescheiterten. Mehr Schein als Sein. Mehr als 25 Millionen Euro hat sich 1860, derzeit die Nummer 8 in Bayern, seit dem Aufstieg 2018 den Spielbetrieb kosten lassen - und darin sind die Gehälter für die Geschäftsstelle und die Stadion-Kosten fürs Grünwalder noch nicht mal eingerechnet…

Was aber Hoffnung macht: Glaubt man der Biss-Präsentation der beiden Geschäftsführer vor einigen Wochen, will 1860 bis 2029 wieder die Nummer 2 in Bayern sein. Und genau deswegen wird die nächste Saison zeigen, wie ernst es die Löwen mit ihren Absichten wirklich meinen. Die nächsten anstehenden Personal-Entscheidungen im Kader werden zeigen, wie ernst es der Altmeister mit seinen Ankündigungen nimmt.

Oliver Griss, Baujahr 1971, schreibt seit 1989 über den TSV 1860 München. Er hat den Weg von den Niederungen der Bayernliga bis in den Europapokal und zurück mitgemacht. In diesen über drei Jahrzehtne war er u.a. 12 Jahre für die Abendzeitung am Ball. Seit 2011 betreibt Griss db24.