VON OLIVER GRISS

Dass Sturm-Talent Fynn Lakenmacher (23) die Löwen verlassen wird, ist kein Zufall: Zum einen hat der TSV 1860 mit seinen 4,5 Millionen Euro ein Budget, das nahezu ausgeschöpft ist, zum anderen folgt der Angreifer dem Ruf, bei einem höherklassigen Verein (SV Darmstadt 98) Fuß fassen zu können.

Bei einer virtuellen Pressekonferenz des Bündnis Zukunft am Donnerstagmittag wurde verkündet, dass man in den Profifußball investieren müsse, um letzlich ans Ziel zu kommen: “Wir gehen davon aus, dass die KGaA des TSV 1860 zusätzliche Mittel von mindestens zehn Millionen Euro benötigt, um den Aufstieg in die Zweite Liga zu ermöglichen. Um dort zu bestehen, werden weitere fünf Millionen Euro benätigt.”

Das Fanportal “Löwenmagzin”, das mit einem gewissen Andreas Gradl in der Online-PK vertreten war, machte daraus sofort die Zeile: “Bündnis Zukunft empfiehlt 15 Millionen Euro-HAM-Darlehen für den Aufstieg in die Zweite Liga.” Dies wurde in der fast anderthalb stündigen Video-PK jedoch zu keinem Zeitpunkt kommuniziert.

Was aber richtig ist: Das Bündnis will mit Hasan Ismaik auf Augenhöhe sprechen. Seit Monaten gibt es Kontakte nach Abu Dhabi. Es wurde sich mit dem Mehrheitsgesellschafter auch bereits ausgetauscht. Man habe bei dieser Gelegenheit den Eindruck gewonnen, dass Ismaik unter bestimmten Voraussetzungen wieder helfen will. Professor Klaus Lutz weiß aufgrund seiner beruflichen Vergangenheit, wie man mit arabischen Unternehmern umgeht. Trotzdem sagt der frühere BayWa-Boss, der bei seiner ersten Präsentation als VR-Kandidat sehr eloquent, symphatisch und redegewandt rüberkam: “Man muss selbst wissen, was man überhaupt will. Man muss an einem Strang ziehen - und das respektvoll. Wenn er sieht, man hat eine einheitliche Linie, dann kommt man auch zu geschäftlichen Erfolgen.” Schon jetzt ist absehbar: Lutz wäre ein großer Gewinn für Sechzig.

Dass die Löwen aktuell mit einem überschaubaren Etat ins Rennen gehen wollen, bewertet Bayerische-Vorstand Martin Gräfer wie folgt: “In den letzten sieben Jahren haben wir als Hauptsponsor mindestens alle zwei Jahre persönlich Hand angelegt, wenn’s darum ging, im Sportlichen mehr Budget zu bekommen, indem wir die BayWa gefunden haben oder andere Sponsoren. Aber auch, indem wir vorzeitig unseren Vertrag verlängert haben. Weil es ja Vertrauensbeziehungen zwischen Menschen sind…”

Und dann wurde Bayeische-Vorstand Gräfer, der als Verwaltungsrat kandidiert deutlicher: “Ich sehe das kritisch. Wir leisten als Hauptsponsor ein Sponsoring, das sich in der Zweiten Liga im Mittelfeld von der Höhe auf sehr gutem Niveau befindet. Wir können das auch rechtfertigen, weil wir mit 1860 unsere Markenziele erreicht haben. Wenn aber die Zielsetzung, sich dauerhaft im unteren Bereich der Dritten Liga zu etablieren und man eher mit Glücksgriffen aufsteigen will, dann wäre die Bayerische auf Dauer nicht der richtige Partner als Hauptsponsor.”

Am Donnerstagabend will sich das Bündnis den Löwen-Fans virutell stellen.