VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)

Die Löwen trauern noch immer ihrer großen Chance hinterher: Das 0:1 gegen den neuen Tabellenzweiten Ulm hat nicht nur die tolle Serie im Jahr 2024 beendet, sondern auch vermutlich jegliche Chance geraubt, doch noch die Qualifikation für den DFB-Pokal zu schaffen. Die Löwen bleiben Zwölfter. Der Rückstand auf Platz 4 ist inzwischen auf acht Punkte angewachsen.

Im Mittelpunkt der Kritik: Zweitliga-Schiedsrichter Tom Bauer. Mit zweifelhaften Entscheidungen hat der 27-Jährige dem Süd-Duell eine Richtungsänderung gegeben (db24-Note 5). Erst hat er das vermeintliche Tor von Jesper Verlaat annulliert (es wäre das 1:0 gewesen), aber gleichzeitig beim Ulmer Siegtor durch Lukas Röser weggeschaut. Mit gleichem Maß gemessen? Mitnichten!

Wie bewertete der frühere Fifa-Schiedsrichter Babak Rafati die strittigen Situationen in seiner Kolumne bei liga3-online.de?

Szene 1 (das annullierte Verlaat-Tor): “Nach einer Ecke verfolgt Gaal Gegenspieler Verlaat und läuft selbstverschuldet in Ouro-Tagba, der sich wiederum positionieren will und in Bewegung ist, aber keinesfalls ein Foulspiel begeht oder eine aktive Bewegung Richtung Gaal macht, sodass alles korrekt ist und der anschließende Treffer von Verlaat zählen hätte müssen. Eine Fehlentscheidung, auf Stürmerfoul zu entscheiden und den Treffer nicht zu geben.”

Szene 2 (Bauer verschonte den bereits verwarnten 1860-Verteidiger Kurt die Ampelkarte zu zeigen): “Die erste gelbe Karte gegen Kurt ist vollkommen richtig. Er begeht ein taktisches Foulspiel und unterbindet eine aussichtsreiche Chance im Mittelfeld. Beim nächsten Zweikampf an der Eckfahne wird Kurt durch Rösch verladen, und Kurt kann sich nur noch durch ein kurzes und ansatzloses Festhalten am Trikot helfen. Dadurch begeht er ein Foulspiel und unterbindet einen aussichtsreichen Angriff, sodass ein taktisches Foulspiel vorliegt, für das die gelbe Karte vorgeschrieben ist. Somit hätte der bereits gelb-verwarnte Kurt die Ampelkarte sehen müssen. Eine Fehlentscheidung, es nur bei einer Ermahnung zu belassen.”

Szene 3 (die rote Karte gegen Marlon Frey): “Das Foulspiel von Frey an Leo Scienza sieht auf den ersten Blick schlimmer aus als es tatsächlich ist. Ein Foulspiel liegt natürlich vor, und will Frey auch nur ein Foulspiel begehen und weniger den Ball spielen. Allerdings ist der Treffer minimal, sodass eine gelbe Karte vollkommen ausreichend wäre, zumal nur die Dynamik diese gelbe Karte rechtfertigen würde und weniger der Treffer. Scienza steht auch sofort wieder auf und geht auf Frey zu, um seinen Unmut über dieses Foulspiel mitzuteilen. Das sofortige Aufstehen zeigt zusätzlich die mindere Schwere des Vergehens. Eine rote Karte ist jedoch eine Fehlentscheidung und womöglich den Emotionen von außen und den Akteuren auf dem Platz geschuldet.”

Szene 4 (das Ulmer Siegtor durch Röser): “Natürlich springt ein Ulmer einem Münchner Spieler in den Rücken, sodass theoretisch (!) ein Vergehen vorliegt. Aber der Verteidiger von 1860, der anschließend zu Boden geht, wäre nicht mehr an den Ball gekommen, weil weiter vorne Röser den Ball ins Tor köpft. Somit liegt eine richtige Entscheidung vor, weiterspielen zu lassen und den anschließenden Treffer anzuerkennen. Nicht jedes Vergehen muss auch geahndet werden, vielmehr ist nach Sinn und Geist der Regel zu entscheiden. Wäre dieses Vergehen unmittelbar bei einem Zweikampf passiert, bei dem der Verteidiger direkt neben dem Stürmer gestanden hätte, der den Treffer erzielt, müsste dieses Vergehen auch geahndet werden.”