VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)

Die alten Helden, die den TSV 1860 München einst zu einem Rivalen des FC Bayern gemacht hatten, sind durch die Bank in großer Sorge. Auch Kultstürmer Bernhard Winkler belastet die aktuelle Situation. Gegenüber "Sport1" sagte der 57-Jährige: "Es ist gerade wieder ein Trauerspiel, was sich bei 1860 abspielt. Das hat man sich anders vorgestellt. Natürlich wusste man, dass man nicht oben mitspielen kann, aber das es dann so läuft, hätte keiner gedacht. Ich habe auf einen Platz im gesicherten Mittelfeld gehofft." Aktuell sind die Löwen Tabellen-15. - mit einem minimalen Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz.

Es gibt durchaus Parallelen zu 2017: Diverse Protagonisten tragen mit ihrem Wirken gewaltig Unruhe in den Verein hinein, als der TSV 1860 noch in einem gesicherten Bereich spielte, u.a. wurden die Transferpolitik als “unsauber” bezeichnet, so dass sich Geschäftsführer Marc Pfeifer, der damalige Trainer Maurizio Jacobacci, Spielerberater und Profis sich wehren mussten. Belegt werden konnten diese knallharten Vorwürfe nicht - Pfeifer wurde vom eigenen Präsidenten (“verschleppte Gespräche!”) demontiert. Seit Monaten herrscht Funkstille zwischen den beiden. Belege dafür,dass Pfeifer dem Unternehmen nachweislich geschadet hätte, gibt es nicht. In der Spielerkabine ist dies seit Monaten Thema und trägt zur allgemeinen Verunsicherung bei. Winkler: “Die Unruhe ist gerade wieder mal extrem groß und man weiß nicht, wer bei 1860 die Wahrheit sagt. Wem kannst du in diesem Verein noch vertrauen? Jeder versucht gerade seine Haut zu retten, dass er gut da steht, falls der große Knall kommt.”

Winkler glaubt an einen erbitterten Abstiegskampf bis zum Schluss: “Es wird eng und ich habe Angst um 1860. Es geht um den Klub. Die Löwen gehören mittelfristig in die Zweite Liga.”

Der frühere Torjäger ist klar in seiner Analyse, vor allem weiß er auch, wie die Saison 2023/2024 in der Vorbereitung versemmelt wurde: Erst war kein Geld da - und als 1860 dann nachlegen konnte, dann waren die Leckerlis schon vom Markt. “Es war von Anfang an nicht leicht. Es müssen nicht immer die besten Spieler sein, eine Mannschaft muss sich nur finden. Ich habe große Bauchschmerzen.”

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Winkler wünscht 1860 sportliche Kompetenz: “Es gibt keinen kompetenten Mann, der da etwas entscheiden kann. Ich weiß nicht, ob Marc Pfeifer der große Stratege mit dem nötigen Fußball-Sachverstand ist, um herauszufinden, welchen Trainer die Löwen brauchen. Über Jahre wurde es versäumt, eine sportliche Führung aufzubauen, die Krisen durchlebt hat.”

Sport1 berichtete gestern zudem, dass der frühere Löwen-Kapitän Bernhard Trares als Trainerkandidat nun abgesagt hat. db24 kann dies noch nicht bestätigen. Winkler: “Wenn jemand bei Sechzig neu anfängt, hört man oft, wie alle von diesem großartigen Traditionsverein schwärmen. Das Gequatsche kann ich nicht mehr hören. 1860 muss man wirklich erlebt haben. Welcher Trainer tut sich das an, wenn es keine sportliche Führung gibt?” Einer, der Thema war, war sein früherer Mannschaftskollege Horst Heldt. Winkler bedauert, dass “Hotte” es nicht geworden ist: “Horst wäre sicher eine gute Lösung gewesen. Ich hätte ihn gerne bei Sechzig gesehen. Er hat ein gutes Netzwerk und einen guten Namen, und könnte auch etwas bewegen.”

Ist Robert Reisinger als Präsident des TSV 1860 noch tragbar?

Umfrage endete am 05.01.2024 06:00 Uhr
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Teilnehmer: 6237

Als neuen Trainer kann sich Winkler auch den vereinslosen Marco Antwerpen vorstellen. “Es muss ein Trainer sein, der die Regionalliga und die Zweite Liga gut kennt, was Spieler betrifft. Antwerpen könnte das gut machen, er weiß, wie Aufstieg geht und hat den FCK 2021 gerettet. Antwerpen hätte das Zeug dazu, um Sechzig wieder auf Vordermann zu bringen. Nur, wer spricht mit ihm? Es ist nicht einfach für Pfeifer, die Weichen für die Zukunft zu stellen, denn er ist im Sommer weg.”