VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)

Vorweihnachtszeit, staade Zeit? Von wegen: Beim TSV 1860 kommt nach dem sportlichen Absturz in der Dritten Liga das blanke Chaos und die gravierende Inkompetenz in diesen Tagen so richtig zum Vorschein.

Aber der Reihe nach: Am Donnerstagnachmittag veröffentlichte “t-online.de” unter dem Titel “Beben bei Traditionsklub: Jetzt eskaliert der Trainerzoff” brisante Details in der Trainerfindung bei Münchens tragischer Liebe.

Die Hauptdarsteller des Streits: Präsident Robert Reisinger - und der abgesägte Geschäftsführer Marc Pfeifer, der für die e.V.-Seite inzwischen zu nah an Hauptgesellschafter Hasan Ismaik sein soll.

Der Ober-Löwe hatte bereits im Sommer Pfeifer für einiges verantwortlich gemacht, u.a. für angeblich verschleppte Gespräche bei der Sportchef-Suche und für den schlechten Transfersommer. “t-online.de” schreibt: “Ausgetragen wird der Zwist der beiden über einen Mailverteiler - für sämtliche in cc gesetzten Mitglieder des Aufsichtsrats, des Beirats sowie des Präsidiums gut (mit)-lesbar - alle Nachrichten sind darin sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch zu finden. Dieser schriftliche Austauch, in dem sich verbale Spitzen, gegenseitige Unterstellungen und Lügenvorwürfe aneinanderreihen und immer schärfer formuliert werden, liegt auch t-online vor.”

Es begann mit einer harmlosen Mail von Pfeifer am 6. Dezember an die Gremien. Darin informierte der Schwabe die Funktionäre des Klubs über die Anforderung des DFB, dass bis zum 22. Dezember - also heute - ein neuer Trainer mit entsprechender Lizenz kommuniziert werden müsse. Außerdem wollte Pfeifer vom Präsidium wissen, welche Erwartungshaltung es an ihn habe, was den Prozess der Nachbesetzung betreffe. Er schloß seine Email mit der Bemerkung, ob bei dieser Entscheidung jemand mit Sportkompetenz eingebunden sein soll. In einer der folgenden Antworten fragte Pfeifer dann konkret nach, ob Sportchef Dr. Christian Werner, der immer noch auf Abruf steht, bereits involviert werden solle. Werner wird im weiteren Text noch eine große Rolle spielen.

Schnippisch antwortete Reisinger: Er könne nicht verstehen, warum Pfeifer sowohl Jacobacci als auch Co-Trainer Stefan Reisinger entlassen habe, wodurch der Klub sich selbst beschneidet und selbstverschuldet unter Zugzwang geraten sei. Außerdem hielt Reisinger Pfeifer vor, dadurch nun zwei Trainer auf dem Gehaltszettel zu haben. Daraufhin antwortete Pfeifer, dass er die Freistellung des Trainer-Duos mit Reisingers Vize-Präsidenten abgesprochen habe. Außerdem habe Jacobacci seine Abfindung schon bekommen. Nach db24-Informationen hat Jacobacci auch schon seinen Dienstwagen in München zurückgelassen. Reisinger war also wieder einmal nicht richtig informiert…

Wer soll den Trainer bei 1860 machen?

Umfrage endete am 04.01.2024 19:00 Uhr
Bernhard Trares
51% (3197)
Keiner von beiden!
30% (1899)
Marco Antwerpen
19% (1166)

Teilnehmer: 6262

Pfeifer rechtfertigte sich in einer Mail außerdem, dass sowohl Budget, Bewerber und “Lizenzinhaber im Haus” (u.a. NLZ-Boss Manfred Paula) vorhanden sind. Am vergangenen Samstag legte Reisinger dann mit einer weiteren Mail nach, die großen Sprengstoff enthält: Er erhob nämlich den Vorwurf, dass im Januar mit Michael Köllner schon einmal ein Trainer entlassen worden sei, ohne dass die Geschäftsführung damals einen Nachfolger habe präsentieren können. Dieser Version widersprach Pfeifer energisch: Er betonte, dass die damalige Geschäftsführung dem Präsidium und Beirat sehr wohl geeignete Trainerkandidaten vorgeschlagen habe. “t-online” folgert: “Im Umkehrschluss würde das bedeuten, dass Reisinger die Unwahrheit sagt und der Geschäftsführung in großer Runde vor allen in den Gremien vertretenen Mitlesern Versäumnisse unterstellt.” db24 weiß: Reisinger nimmt in der Trainer-Beurlaubung eine ganz besondere Rolle ein. Dazu will Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik eine Aufklärung, die sehr belastend für den Ober-Löwen sein könnte.

Belastend ist auch für Reisinger, dass es laut “t-online” Whatsapp-Chats zwischen Reisinger und der damaligen Geschäftsführung existieren, die belegen sollen, dass der damalige Geschäftsführer Günther Gorenzel tatsächlich bereits im Januar Vorschläge für einen neuen Chefcoach gemacht hatte. Ist Reisinger hiermit überführt?

Andrew Livingston, Anwalt von Hasan Ismaik und im Aufsichtsrat vertreten, schaltete sich in diesen Zoff ein - und schrieb: “Wir als Vertreter von HAM fühlen uns schmerzlich an die Geschehnisse um die Freistellung von Herrn Köllner und die anschließende Nachfolgesuche eirnnert.” Dem Email-Verkehr entnehme er, “dass es erneut ein Zerwürfnis zur der Frage der Trainer-Nachfolge gibt. Wir hoffen, dass aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt wurde.” Top-Kandidaten für die Jacobacci-Nachfolge: Marco Antwerpen (Reisinger) und Bernhard Trares (Pfeifer). Auch über den ehemaligen Meistertrainer Felix Magath soll man sich sogar Gedanken gemacht haben. Der 70-Jährige lebt in München-Harlaching, also gleich um die Ecke. Er ist auch immer wieder ein gern gesehener Gast im In-Lokal “Tagesbar”, in dem zahlreiche Löwen ein und aus gehen.

Nein, es ist noch nicht Schluß im vorweihnachtlichen Giesinger Komödienstadel - wenige Stunden nach dem “t-online”-Artikel bringt auch der “Kicker” neue Details ans Licht, die nur noch Kopfschütteln erzeugen. Bekannterweise trifft sich heute um 14 Uhr der 1860-Beirat. Die e.V.-Seite mit Hauptdarsteller Reisinger und dem Regensburger Anwalt Nicolai Walch will den 42-jährigen Dr. Christian Werner als Geschäftsführer Sport bestellen. Das Kuriose: Der Schwabe wurde vom e.V. als Sportchef schon dreimal abgelehnt. Der “Kicker” schreibt: “Doch diese Personalie und die damit verbundenen Konsequenzen sind brisant. Wie aus einem internen Schreiben vom 24. September, von Präsident Robert Reisinger an Geschäftsführer Marc Pfeifer (mit Heinz Schmidt und Hans Sitzberger in cc), das dem Kicker vorliegt, empfand das Präsidium Werner als untauglich.”

Der Vorwurf: “Hr. Dr. Werner erfüllt in unseren Augen nicht dem Anforderungsprofil und Kriterien, die wir von einem Geschäftsführer erwarten. Es braucht viel mehr als das von Hr. Dr. Werner vorgelegte Konzept.” Reisinger, höchst erfolgreicher Unternehmensberater, kanzelt den eigenen Kandidaten ab, um ihn jetzt wieder als A-Lösung vorzuschlagen. Verrückte Giesinger Welt. Die e.V.-Seite wirkt dadurch alles andere als glaubhaft - und Dr. Werner, sollte er heute ins Amt kommen, ist schon vor seinem ersten offiziellen Arbeitstag schwer beschädigt.

Wissen die Löwen noch, was sie tun?

Ist Robert Reisinger als Präsident des TSV 1860 noch tragbar?

Umfrage endete am 05.01.2024 06:00 Uhr
Nein!
91% (5699)
Ja!
9% (538)

Teilnehmer: 6237

Warum der Verwaltungsrat, der das Präsidium kontrolliert, hier schweigend zuschaut und das Giesinger Chaos offenbar billigend in Kauf nimmt, ist nicht mehr nachvollziehbar. In diesem Neuner-Gremien sitzen Sebastian Seeböck, Sascha Königsberg, Nicolai Walch, Robert von Bennigsen, Dr. Markus Drees, Christina Groß, Gerhard Mayer, Norbert Steppe und Beatrix Zurek.

Freiheit für Sechzig?