VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)

Ex-Löwen-Kapitän Manni Schwabl hat als Präsident die SpVgg Unterhaching zurück in die Dritte Liga geführt - heute geht's zum TSV 1860 (14.03 Uhr, db24-Ticker). Es ist ein ganz spezielles Kräftemessen. Auf die aktuellen Zustände bei den Löwen wollte Schwabl gar nicht eingehen: "Jeder sollte vor seiner eigenen Haustür kehren. 1860 macht's drüben." Mit db24 spricht der frühere Nationalspieler über:

die Rivalität mit 1860: “Auch wenn es nur ein S-Bahn-Derby ist, solche Spiele sind immer was ganz Besonderes. Bei mir geht das Kribbeln erst los, wenn ich Richtung Löwenstüberl fahre und dann in die Trambahn zum Grünwalder Stadion einsteige. Ich finde, es gehört als Vorstand dazu, dass man vorher in die Alm oder ins Löwenstüberl geht. Und nach dem Spiel weiß man nie, wie es sich entwickelt. In der Regel komme ich aber auch nach dem Schlußpfiff nochmal…”

die Chance auf eine Überraschung bei 1860: “Natürlich geht es in diesem Spiel auch nur um drei Punkte - und trotzdem ein wenig ums Image. Für uns zählt einzig und allein, dass wir den Strich fernhalten können (Schwabl meint die Abstiegszone, d. Red.). Es interessiert kein sechster oder achter Platz - wir wollen einfach vom Strich weg! Und da tut uns natürlich jeder Punkt gut. Und aufgrund der Nähe zu Sechzig ist ein Sieg vielleicht ein halber Punkt mehr (lacht).

seine neue Wege mit Trainer ohne Fußballlehrer-Lizenz und mit Markus Schwabl und Josef Welzmüller aktuelle Spieler als Sportdirektoren: “Ich bin der Meinung, dass man in einem Verein Leute braucht, die die DNA haben. Von der Wurzel - das hat Marc Unterberger als langjähriger Jugendtrainer und die beiden Spieler sowieso. Sie sind seit zehn Jahren da. Sie haben alle Höhen und Tiefen miterlebt. Und das zweite ist, dass du als Vorstand versuchen musst, junge Leute ranzuziehen. Da brauchst du Typen, die diese DNA verkörpern, aber auch in diese Verantwortung gehen wollen. Es ist ja so im Fußball: Viele reden schlau daher, aber keiner den Kopf raushalten. Ich sehe das als Glücksfall für uns. Ob das letztlich von Erfolg gekrönt ist, wird man sehen. Aber das weiß ich auch nicht, wenn ich Fremde hole. Wir versuchen erst einmal vor der eigenen Haustür zu schauen, wenn können wir aufbauen als Spieler, Trainer oder Sportchef. Und wenn nix finden, dann könnten wir immer noch fremd schauen…

die Dritte Liga aus Ausbildungsliga: “Wir haben heuer nicht so eine junge Mannschaft, weil wir noch viele Alt-Verträge haben. Wir haben mit Bauer und Obermaier zwei Talente, die spielen würden, wenn sie nicht schwer verletzt ausfallen würden. Definitiv ab der nächsten Saison wird der Verjüngungsprozess weiter und noch intensiver gemacht. Der Grund ist ganz einfach: Wir müssen die Personalkosten im Griff haben. Man muss einfach den Jungen eine Chance geben - aber das ist das Thema im gesamten deutschen Fußball. Und ich bin einer, der immer redet, dass man den Jungen eine Chance geben muss, deswegen muss ich das auch im eigenen Verein tun. Man darf das aber nicht mit Harakiri machen…Was ich auf finde, dass der Anreiz für die Vereine, die auf Talente setzen, größer sein muss. Bis dato lockst du mit dem Fördertöpfchen keinen. Das sieht man ja. Es hat sich null verändert in der Quote der Einsatzminuten. Aber im Sinne des deutschen Fußballs sollte man da nochmal genau drüberschauen.”

das Problem des deutschen Fußballs: “So tief will ich gar nicht einsteigen, aber ich vertrete die These schon lange, dass in den ersten drei Ligen zu wenig Nachwuchskräfte im Wettkampf auf dem Platz stehen, die für deutsche A- oder U-Mannschaften infrage kommen. Wir haben fünf Prozent Einsatzzeiten - das ist zu wenig! Das kann ich noch 100mal erzählen: Meine Frau sagt immer: ‘Du erzählst auch immer dasselbe…” Ist aber Fakt, weil ich das kontrollieren lasse. Und wenn die Jungs nicht am Platz sind, können sie sich nicht weiterentwickeln. Und in anderen Ländern ist das deutlich mehr.”