VON OLIVER GRISS UND ULI WAGNER (FOTO)

Der durchaus engagiert auftretende neue Löwen-Trainer Maurizio Jacoabacci ist erst seit drei Spieltagen da - und schon ist er unbewusst ein Giesinger Politikum geworden. Die e.V.-Seite um Präsident Robert Reisinger will die Geschäftsführung genau wegen Jacobacci abmahnen. Die Einstellung sei aus Sicht der Vereinsseite nicht ordnungsgemäß verlaufen, heißt es.

Die SZ schreibt: “Wie zuerst die Bild-Zeitung berichtete, steht den Geschäftsführern - neben Gorenzel auch Finanzchef Marc-Nicolai Pfeifer - eine Abmahnung ins Haus: auf Betreiben des e.V., der die Trennung von Köllner zwar guthieß, aber die Abläufe bei der Verpflichtung des Nachfolgers Maurizio Jacobacci moniert.”

Die Geschäftsführer hätten laut “SZ” für die Personalie demnach das Einverständnis des Präsidiums einholen müssen - und genau das sollen Günther Gorenzel und Marc Pfeifer nicht getan haben. Die Zustimmungspflicht der Gesellschafter der Geschäftsführungs GmbH, die zu 100 Prozent dem e.V. gehört, ist im undurchsichtigen Konstrukt des TSV 1860 schließlich der Hebel zur Durchsetzung von 50+1. Und genau das missfällt der HAM-Seite um Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik. Irgendwie auch verständlich. Nach db24-Informationen ist es aber so, dass die e.V.-Seite nur das Recht auf Information hat, nicht aber auf eine Entscheidung in der Trainer-Frage. Das obliegt allein der Geschäftsführung im Rahmen des Sport-Budgets.

Inzwischen ist auch Gorenzel angezählt. Eine Weiterbeschäftigung über den Sommer hinaus ist trotz Vertrags bis 2024 mehr als fraglich. Auch von e.V.-Seite wird der Österreicher inzwischen immer kritischer gesehen - und das überrascht: Vor einigen Wochen verteidigten Reisinger & Co. den Sport-Chef noch auf Biegen und Brechen - gegen den Willen von Ismaik. Woher der plötzliche Sinneswandel kommt, ist nicht bekannt - Fakt ist: Mit ihrer Haltung hat die Vereinsseite dafür gesorgt, dass eine mögliche Gorenzel-Entlassung richtig teuer für 1860 wird.

Welchen Nachfolge-Kandidaten hat Ismaik im Visier? Der 45-Jährige gegenüber der “SZ”: “Ich würde mir wünschen, dass der geeignete Kandidat Erfahrung hat, um aufzusteigen, und dass er eine Persönlichkeit ist, die den Trainer und den Spielerstab ergänzt, anstatt sich gegen ihn zu stellen.” Michael Köllner und auch Vorgänger Daniel Bierofka können ein Lied davon singen.

Präsidenten-Rüffel für Bernd Patzke: Darf ein Meister-Löwe seine Meinung über 1860 nicht frei äußern?

Umfrage endete am 28.03.2023 10:00 Uhr
Natürlich, das erwarte ich auch!
94% (6073)
Nein, Patzke soll sich bei 1860 unterordnen!
6% (391)

Teilnehmer: 6464

Was Ismaik laut “SZ” auch missfällt: Während die e.V.-Seite die Hassbekundungen gegen die Investorenseite stets unter dem Titel “Meinungsfreiheit” abstempelt, soll sie überaus ungehalten sein, wenn es um Kritik an sich selbst geht. Zuletzt hat auch Meister-Löwe Bernd Patzke einen Präsidenten-Rüffel bekommen, weil er auf db24 seine Meinung gesagt hat. Dazu Ismaik: “Mir ist zu Ohren gekommen, dass meine Partner vom e.V. sich derzeit mit dem Kommentarbereich einiger Blogs und Online-Artikel auseinandersetzen, in denen Äußerungen gegen bestimmte e.V.-Mitglieder als ,Hassreden’ bezeichnet werden. Sie fordern die Geschäftsführung auf, Maßnahmen zu ergreifen.” Es sei “interessant zu beobachten, wie sie handeln, wenn der Schuh am anderen Fuß sitzt”, denn: “Ich fordere meine Partner seit vielen Jahren auf, sich mit den Hassreden zu befassen, die ich und meine Vertreter bei Spielen erhalten haben, und die Geschäftsführung in dieser Frage zum Handeln zu drängen.”

Pikant: Mit Sebastian Seeböck sitzt sogar ein Funktionär im Aufsichts- und Verwaltungsrat, der bei einem Zweitliga-Heimspiel vor einigen Jahren im Ehrengastbereich der Allianz Arena das Anti-Ismaik-Plakat hochgehalten hat (Foto liegt der db24-Redaktion vor). Das sagt eigentlich alles über die Zustände beim TSV 1860 aus.