VON OLIVER GRISS UND ORKY HAIST (IMAGO)

Alles in Butter bei 1860?

Möchte man meinen…

Zwei Tage vor dem wichtigen Saisonstart in Dresden (Samstag, 14 Uhr, db24-Ticker) meldet sich der e.V.-Präsident in einem recht brisanten Exklusiv-Interview in der “tz” zu Wort. Und einige Aussagen von Robert Reisinger dürften besonders bei Löwen-Trainer Michael Köllner, dem großen Menschenfänger der Blauen, für Augenrollen sorgen. Reisinger, der zuletzt von etwas mehr als 300 von 18.000 stimmberechtigten Mitgliedern als Ober-Löwe bestätigt wurde, über:

die Entwicklung von 1860 seit Mai 2017 unter seiner Regie: “Das sollen andere beurteilen. Ich hatte einen Plan, wollte Ruhe und Konstanz reinbringen - ich glaube, das ist ganz gut gelungen.”

den Aufstiegsdruck in dieser Saison: “Es muss klappen für die Fans, für unser Team - alle sehnen sich nach der Zweiten Liga. Aber strukturell und finanziell muss es nicht klappen. Uns droht nicht der Gang zur Infanteriestraße (Amtsgericht, d. Red.), wenn wir nicht aufsteigen.”

die angesprochene Perspektive für Michael Köllner: “Genervt war ich, weil der Herr Köllner einen gültigen Vertrag hatte, und ich bin ein Mensch, der Diskussionen über laufende Verträge nicht gerne führt.”

die öffentliche Rolle von Köllner: “Darüber äußere ich mich erst, wenn ich mit ihm gesprochen habe. Solche Sachen kläre ich zuerst intern.”

Zwei Tage vor dem Saisonauftakt: Wie bewerten Sie das Reisinger-Interview in der TZ?

Umfrage endete am 04.08.2022 20:00 Uhr
Ein typischer Reisinger: Was soll man dazu noch sagen?
72% (3120)
Bei 1860 kehrt nie Ruhe ein!
15% (671)
Reisinger hat Recht.
13% (558)

Teilnehmer: 4349

die Haltbarkeitsdauer von Köllner und den Vergleich zu Kult-Trainer Werner Lorant, der neuneinhalb Jahre Cheftrainer war: “Ich würde es mir wünschen. Der richtige Typ dazu wäre er - wenn er sich auf den Sport konzentriert. Von mir aus kann er so lange bleiben wie Streich in Freiburg. Das allerdings dachten wir bei Daniel Bierofka auch schon.”

sein Verständnis für Köllners Lob für Anthony Power: “Teils, teils. Nicht, weil er den Anthony Power gelobt hat. Es steht ihm frei, jeden zu loben, den er loben will. Aber für manche Leute ist es verwunderlich, dass er sich da so exponiert zeigt und außerhalb seines Fachgebiets Statements abgibt…Wie heißt der Spruch? Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. So könnte man es ausdrücken, zumal in einem so sensiblen Konstrukt wie 1860 - wo ja wirklich jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird.”

der Köllner-Lauf zwischen den Gesellschaftern: “Ich sehe keine Fronten, denn wir wollen alle in die Zweite Liga. Gut, dass jetzt die Liga anfängt - dann konzentriert er sich wieder aufs Wesentliche.”

das politische Interesse bei den Löwen: “Ist das nur bei 1860 so? (lächelt). Ich denke, bei uns wurden in der Vergangenheit zu viele Fehler gemacht. Vieles war nicht transparent und hätte mit einer besseren Kommunikation im Keim erstickt werden können. Dazu kommen die Medien, die Foren, die Blogger, wo 24 Stunden am Tag zu allem und von jedem unqualifizierter Senf dazugegeben wird.”

das Verhältnis zu Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik: “Weder war es ein Burgfrieden noch eine echte Annäherung. Ich denke, jeder hat sich auf das konzentriert, wofür er zuständig ist. Die Zusammenarbeit wird jetzt von weniger Ressentiments begleitet, von weniger Argwohn. Jeder kapiert, was der andere will - und alle wollen nur das Beste für den Verein. Wie man die Ziele erreicht - darüber gibt es aber immer noch unterschiedliche Ansichten…Ich muss nicht bei Hasan Ismaik in Dubai auf dem Boot sitzen und in der Badehose teuren Wein saufen. Ich will eine sachliche Ebene, auf der man kommuniziert - und so die Gesellschaft nach vorne bringt. Das ist uns nach fünf Jahren endlich gelungen.”