VON FABIAN ROSSMANN


Der Ex-Löwe (30) erzählt im dieblaue24-Interview, warum 1860 Favorit ist  und er den Löwen-Fans nicht nachtragend ist
dieblaue24: Herr Görlitz, es steht das Derby zwischen dem FC Ingolstadt und 1860 (Mittwoch, 17.30 Uhr, dieblaue24-Liveticker) an. Ist es für Sie als Ex-Löwe ein ganz besonderes Spiel?

Andreas Görlitz (30): Ja, klar. Und zwar aus mehreren Blickwinkeln. Zum einen natürlich, weil ich meine gesamte Jugend bei diesem Verein verbracht habe. Ich bin dort Bundesligaspieler geworden und hab den Löwen einiges zu verdanken. Zum anderen ist es natürlich ein Derby, in dem wir die Position in der Tabelle vor den Löwen behaupten wollen.

dieblaue24: Ist es Euer Ziel, auch nach der Saison noch vor 1860 zu stehen?

Es wäre natürlich schön, aber ich denke, dass auch die Löwen das Ziel haben, am Ende ganz oben mitzuspielen. Sie reden ja jetzt auch schon zum Teil vom Aufstieg, haben sich im Sommer sehr gut verstärkt und dazu auch Geld in die Hand genommen. Ein Verein wie 1860 muss eigentlich unter den ersten drei, vier in der Tabelle mitspielen.

dieblaue24: Beim FCI steckt Audi ja auch eine Menge Geld in den Verein und die Mannschaft. In den kommenden Jahren kann doch nur der Aufstieg Euer Ziel sein, oder?

Ich denke, nur mit Geld ist es nicht getan. Aktuell gilt: Wir wollen den nächsten Schritt gehen und uns in der 2. Liga festigen. Um einen Aufstieg zu realisieren, muss Alles passen: Im Verein muss es stimmen und des muss die richtige Mannschaft vorhanden sein. Es ist sicherlich unser Ziel, irgendwann in den nächsten Jahren oben anzuklopfen, aber man hat ja auch bei Greuther Fürth gesehen, wie lange es dauern kann, bis man aufsteigt. Die waren oft nahe dran, aber der letzte Schritt zum Aufstieg ist noch mal ein sehr großer Schritt. Die Löwen haben den Vorteil, dass sie seit einigen Jahren eine eingespielte Mannschaft auf dem Platz haben mit der Achse Gabor Kiraly, Daniel Bierofka und Benny Lauth vorne drin. Das hat in den letzten Jahren schon gut funktioniert und kommt den Löwen natürlich zugute. Dazu kommen die guten Verstärkungen dieses Jahr. Deshalb bin ich mir sicher, dass sie ganz oben mitspielen werden.

dieblaue24: 1860 hat in sechs Spielen nur drei Gegentore kassiert. Wie wollt Ihr den bärenstarken Gabor Kiraly bezwingen?

Ich kenne gerade den Necat Aygün, den ich sehr schätze als Innenverteidiger. Ich denke, dass der Torwart zusammen mit der Abwehr super funktioniert und die gesamte Mannschaft gut nach hinten arbeitet. Aber das ist bei uns ähnlich. Wir sind auch auf einem guten Weg, haben aber noch Luft nach oben, was das Spielerische angeht. Von daher denke ich, dass es auf alle Fälle ein spannendes und interessantes Spiel wird. Nicht nur, weil's ein Derby ist sondern einfach auch, weil zwei gute Mannschaften aufeinander treffen.

dieblaue24: Mit Benny Lauth und Necat Aygün stehen bei 1860 zwei ehemalige Teamkollegen von Ihnen auf dem Platz. Wie intensiv ist der Kontakt heute noch?

Wir haben relativ wenig Kontakt. Es ist auch schon einige Jahre her, dass wir bei den Löwen zusammengespielt haben. Den Necat habe ich letzte Woche mal zufällig in Ismaning mit Stefan Leitl zusammen getroffen. Da haben wir dann kurz gequatscht, aber ansonsten haben wir eigentlich wenig Kontakt. Aber es ist natürlich schön, wenn man die alten Kollegen, mit denen man eine schöne Zeit hatte, wieder trifft.

dieblaue24: Hatten Sie seit Ihrem Abschied vor acht Jahren noch mal Kontakt zu 1860 wegen einer Rückkehr?

Ja, ich hatte damals, bevor ich nach Ingolstadt gewechselt bin, mit Reiner Maurer ein Gespräch. Aber seitdem gab es diesbezüglich keinen Kontakt mehr nach München.

dieblaue24: Der Wechsel von 1860 zum FC Bayern erhitzte damals die Fangemüter. Wie sehen Sie Ihren Abgang heute?

Ich denke, es ist egal welcher Spieler es ist. Wenn man von den Löwen zu den Bayern wechselt oder auch andersrum, dann ist es für die Fans natürlich ein gefundenes Fressen. Aber ich kann die Fans auch verstehen, dass sie das nicht gerne sehen. Es ging damals zum Teil aber auch unter die Gürtellinie. Doch Fakt ist ebenso, dass die Ablöse den Löwen damals geholfen hat. Ich hatte eine schöne Zeit bei den Löwen, hatte aber danach auch eine schöne Zeit bei den Bayern, durfte dort viele schöne Dinge erleben. Zum Beispiel das Champions League Finale oder die Meisterschaften. Ich habe es nie bereut, dass ich den Schritt damals gemacht habe, wobei ich trotzdem sage, dass 1860 ein Top-Verein ist und ich dort eine sehr schöne Zeit hatte.

dieblaue24: Sie sind jetzt 30 Jahre alt. Wie lange wollen Sie noch aktiv Fußball spielen?

Das wird man sehen. Also ich spiele jetzt noch drei, vier Jahre. Ich schaue, wie lange es noch geht und mir Spaß macht. Ich habe zurzeit eine schöne Zeit hier in Ingolstadt und solange körperlich alles passt, werde ich auch noch spielen.

dielbaue24: Sie sind auch mit Ihrer Band "Room 77" sehr bekannt. Wollen Sie sich hiermit ein zweites Standbein für die Zeit nach der Laufbahn aufbauen?

Ich denke weniger an ein zweites Standbein oder die Zeit nach meiner Karriere. Sondern es macht mir einfach viel Spaß, Musik zu machen. Ich habe mit Gitarre spielen angefangen und verstehe mich mit meinen Jungs aus der Band gut. Und wenn's die Zeit neben dem Fußball zulässt, wenn mal ein freier Tag oder nur einmal Training ist, dann versuche ist da Musik zu machen. Entweder spiele ich dann alleine Gitarre oder treffe mich mit den Jungs zur Probe. Es ist einfach ein schönes Hobby. Und wenn's den Leuten auch ein bisschen gefällt, dann freut mich das natürlich auch. 

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