VON OLIVER GRISS, EIBNER (IMAGO) UND STEFAN MATZKE (FOTO)

Nach dem Winter-Abgang von Aufstiegsheld Sascha Mölders (zu Sonnenhof Großaspach) hat der TSV 1860 vor allem ein Problem: Wer wird das neue Aushängeschild der Löwen? Darüber muss sich nicht nur die Merchandising-Abteilung Gedanken machen, um auch im nächsten Jahr wieder überdurchschnittlich viele Trikots verkaufen zu können, sondern auch Cheftrainer Michael Köllner. Einer der sich automatisch anbietet, ist Marco Hiller. Er ist prädestiniert für diese Rolle. Die User von db24 wählten den 24-Jährigen kürzlich zum Löwen-Gesicht des Jahres 2021 - mit großem Abstand vor Mölders. Hiller hat die Chance, zum neuen Poster-Löwen in München-Giesing aufzusteigen.

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Das sieht auch Köllner so. “Grundsätzlich ist es in einem Traditionsverein wichtig, dass du Gesichter produzierst. Das ist unerlässlich. Als Trainer musst du schauen, dass du das hinbekommst”, sagte der Oberpfälzer gegenüber db24 im Trainingslager in Belek: “So, wie Sascha Mölders unser Gesicht in den letzten Jahren war, musst du immer schauen, dass du auch wieder Gesichter hast, die zukünftig den Verein und die Profimannschaft abbilden. Marco ist natürlich prädestiniert dafür. Ein Spieler, der aus dem eigenen Nachwuchs kommt, bei einem Verein, der sich über viele Jahre über die Nachwuchsarbeit definiert hat.”

Exemplarisch nimmt Köllner ein Spiel her, in dem Hiller für die Werte für 1860 einstand: Das gewonnene Derby gegen Bayern 2 in der Vorrunde, als Hiller blutüberströmt nach kurzer Behandlung weiterspielte. Köllner: “Wenn du ein Spiel nimmst wie das gegen die Mannschaft, die letztes Jahr abgestiegen ist: Schmerzen, Blut – und er spielt weiter. Das ist am Ende auch das, was ein Fan sehen will. Er geht mit dem Verein durch dick und dünn, hält auch den Kopf hin, wo andere zurückziehen. So nimmt dann so eine Geschichte ihren Lauf.”

Welcher Löwe muss unbedingt über den Sommer 2022 hinaus gehalten werden?

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Sportlich läuft’s bei Hiller sowieso bestens. Er ist von der Nummer 3 in der U19 bis zur Nummer 1 bei den Profis aufgestiegen - und gehört seit Jahren zu den besten Spielern. Köllner: “In der Zeit, seit ich hier bin, hat er sich fußballerisch super entwickelt. Früher war der Ball am Fuß eher ein Fremdkörper für ihn. Wir arbeiten da fleißig dran, dass er am Fuß stärker wird.”

Längst hat Hiller an Profil gewonnen. “Er ist auch als Typ selbstbewusster geworden”, findet Köllner: “Marco hatte auch Spiele drin, in denen er nicht immer toll ausgeschaut hat. Das ein oder andere hat er uns auch gekostet. In der Summe hat er uns aber viele Punkte geholt.”

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Und trotz aller Lobpreisungen hat es der TSV 1860 noch nicht geschafft, den im Sommer auslaufenden Vertrag mit Hiller zu verlängern. Köllner: “Ich glaube, wenn wir Marco heute einen Vertrag hinlegen, dass er bei uns spielen kann bis 37. Also entweder bis er 37 ist oder bis 2037, was bei ihm dasselbe ist - den würde er wahrscheinlich unterschreiben.” Tatsächlich kann sich Hiller vorstellen, für immer bei den Löwen zu bleiben. Doch das Gehalt muss auch stimmen - und das wird die Schwierigkeit in der Vertragsgestaltung sein. Denn Hiller, der in der Kicker-Rangliste “herausragend” auf Platz 3 eingestuft worden ist, will seine Leistung auch honoriert haben - mit einem besseren Angebot. Doch weil die Löwen künftig noch mehr sparen müssen, wird genau das eine große Aufgabe für die Geschäftsführung.