VON OLIVER GRISS UND BERND FEIL (FOTO)

Sein Gesicht kennt bei 1860 fast jeder: Braungebrannt, blonde Mähne und immer ein altes Löwen-Sakko übergeworfen - Svend Friderici ist im deutschen Fußball bekannt wie ein bunter Hund. Er ist ein echtes Unikat.

Seine Hoch-Zeit hatte der ehemalige Versicherungskaufmann aus Dachau in der Ära von Kult-Präsident Karl-Heinz Wildmoser. Der Großgastronom vertraute Friderici so ziemlich alles an - und es kam schon mal vor, dass der Svend im Namen des Duos Wildmoser & Lorant die Münchner Nachtlokale kontrollierte, ob sich einer der Spieler “verirrt” hatte.

Auf Friderici konnte sich Wildmoser verlassen. Wenn mal Zigaretten fehlten oder eine Bratwurstsemmel gebraucht wurde, der Svend marschierte los. Oder Friderci spielte den Chauffeur für den alten Wildmoser oder buchte Tische im P1 für die Löwen - dafür bekam Friderici im Gegenzug immer die neuesten Infos rund um Münchens große Liebe. Friderici war der wichtigste Löwen-Adabei.

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Zwei verrückte Szenen bleiben besonders im Gedächtnis: Als 1860 Anfang 2000 im ausverkauften Dortmunder Westfalenstadion spielte, lief Friderici - als wäre es das normalste der Welt - kurz vor dem Anpfiff in einer Selbstverständlichkeit über den Rasen, während die Spieler beider Mannschaften ihre Torhüter prüften. Heutzutage undenkbar.

Oder Ende der 90er Jahre vor dem VIP-Eingang des Olympiastadions: Die Löwen hatten ein Heimspiel gewonnen, als rund drei Stunden nach Abpfiff Wildmoser und zwei Reporter über das Grünwalder Stadion diskutierten - wie sooft in dieser Zeit. Nach einem hitzigen Gespräch, darunter auch der spätere TV-Mann Christian Ortlepp, ging Wildmoser mit Friderici zu seinem Audi. Der damalige 1860-Boss ließ sein Auto am VIP-Parkplatz einige Meter anrollen, ehe er auf die Bremse trat und sich selbst inszenierte: “Svend, gib mir meine Pillen - mein Herz!” Wildmoser machte die Augen zu, der Motor der Limousine lief weiter. Nach ein paar Minuten sagte Wildmoser: “Jetzt geht’s wieder - Svend, steig aus!” Wildmoser brauste alleine davon…

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Wenn die Führungsriege des TSV 1860 in den deutschen Stadien aufkreuzt, dann ist Frührentner Svend nicht weit entfernt. Er zieht seine Linie knallhart durch - und das nur, um ein Teil von 1860 zu sein. Schon ein paar Mal versuchten diverse Löwen-Bosse Friderici auszugrenzen - doch der ehemalige Verteidiger blieb hartnäckig. Auch der aktuelle Amtsträger Robert Reisinger hat das Vergnügen mit Friderici.

Seit heute ist Friderici ein echter Sechzger und feiert seinen 60. Geburtstag. Alles Gute und nix für ungut, Svend!

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