VON OLIVER GRISS

Dass Robert Reisinger eine ganz spezielle Wahrnehmung vom TSV 1860 hat, ist seit seinem unvergessenen Auftritt bei Blickpunkt Sport im August bekannt. Er stellte bei Kult-Moderator Markus Othmer fest, dass es keine Spaltung im Verein gebe und dies - wenn überhaupt - nur von den Medien insziniert werde. Und außerdem: Reisinger ist ja, wie er selbst immer betont, schließlich nur der “kleine Präsident” des e.V….

Vielleicht nimmt der Kurven-Oberlöwe deswegen auch nicht die Aktionen gegen Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik wahr. Das sogenannte Scheichlied wird seit einigen Wochen wieder aus vollen Kehlen gegrölt; und in der Kurve hängt seitdem - gut positioniert - auch ein XXL-Banner mit einem durchgezogenen Kopf des Arabers. Mit freundlicher Unterstützung der KGaA-Geschäftsführung, die das Hausrecht im Grünwalder Stadion hat?

Sollte sich 1860-Präsident Robert Reisinger von den Schmäh-Gesängen und Plakaten gegen Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik öffentlich distanzieren?

Umfrage endet am 18.12.2019 09:00 Uhr

Und jetzt zu den Fakten: Ismaik gehören im “normalen Leben” 60 Prozent dieser Fußball-Firma. Stellen Sie sich vor, sie hängen als Angestellter in ihr Büro oder an ihren Arbeitsplatz ein Anti-Chef-Plakat - was passiert innerhalb von 48 Stunden? Man muss keine große Fantasie haben, welche Konsequenzen das nach sich zieht. Möglicherweise sogar eine fristlose Kündigung. Eigentlich sitzt man in einem Boot: Verein & KGaA. Zurecht hat Ismaik zuletzt seine Enttäuschung über diese Aktionen kund getan und den Teil der Fans angegriffen, der ihn attackiert. Über die Art und Weise kann man freilich streiten…

Aber vielleicht denke ich ja ein wenig schräg - und Partnerschaft funktioniert inzwischen in Deutschlands Gesellschaft ganz anders. Anders ist es nicht zu erklären, warum Präsident Reisinger zu allen Gemeinheiten gegen Ismaik beharrlich schweigt - um es sich nicht bei seinen Wählern (u.a. Homeboys) zu verscherzen?

Es braucht in dieser Posse endlich ein Machtwort.