VON OLIVER GRISS

Unvorbereitet ist der neue Trainer nicht. Es war der 31. Juli, als Michael Köllner (49) db24 vor dem 3:0-Heimsieg gegen den FSV Zwickau bat, die Aufstellung abfotografieren zu dürfen. Es gab einen kurzen Plausch, danach ging der neue Löwen-Trainer zurück auf seinen Sitzplatz auf der Haupttribüne - ob der Nürnberger Aufstiegstrainer damals schon auf diese große Chance beim Traditionsklub aus München-Giesing gehofft hat? Kult-Trainer Werner Lorant vermutet zumindest gegenüber dieblaue24: “Dass 1860 so schnell einen Trainer präsentiert, irritiert mich schon ein wenig. Vielleicht war man ja schon länger in Kontakt…”

Dass Köllner nur vier Tage nach dem Rückzug von Daniel Bierofka einsteigen kann, hat er auch seinem Vorgänger zu verdanken, denn: Der Ur-Löwe verzichtet in vollem Umfang auf sein Gehalt bis zum 30. Juni 2022. Ansonsten wäre es für die Löwen in Zeiten, in denen man sich nicht mal ein Winter-Trainingslager leisten kann, schwer gewesen, einen Profitrainer zu verpflichten. Dank Bierofka konnte Köllner sogar noch seinen Co-Trainer Günther Brandl mitnehmen - das freigewordene Budget gibt das her. Über die Vertragslaufzeit machte der TSV 1860 übrigens keine Angaben.

Michael Köllner folgt auf Daniel Bierofka: Ihre Meinung?

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Am Montag wird sich Köllner in der Geschäftsstelle des TSV 1860 das erste Mal gegenüber der Münchner Presse zu seinem Wechsel äußern und dabei womöglich verraten, wie er das Erbe von Bierofka verwalten und ausbauen will. Leicht wird’s nicht für ihn - das liegt schon allein daran, dass Bierofka in der Mannschaft nachwievor einen hohen Stellenwert genießt und auch Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik als Bierofka-Fan gilt. Köllner, der eine Zahnarzthelfer-Ausbildung absolviert hat, muss die richtige Brücke finden, um zu performen. Nach der Länderspielpause startet Köllner mit zwei Derbys - erst geht’s gegen Bayern II, dann gegen Haching.