VON OLIVER GRISS UND CATRIN MÜLLER (FOTO)

Vor zwei Wochen stellte sich Präsident Robert Reisinger bei “Blickpunkt Sport” - sein Auftritt war salopp gesagt: Undurchsichtig, ausbaufähig - nicht 1860-like. Viele Fragen blieben offen. Und weil die Kritik nach der öffentlichen Reisinger-Präsentation nicht kleiner geworden ist, reagiert der TSV 1860 auf seiner Website tsv1860.org nun mit der Beantwortung der wichtigsten Fan-Fragen:

Was bedeutet der Begriff Konsolidierungskurs im Zusammenhang mit der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA eigentlich?

Nach dem Abstieg aus der Zweiten Liga war die ausgegliederte Profi-Fußballgesellschaft in eine existenzbedrohende Krise geraten. Die darlehensbasierte Risikofinanzierung, mit der in der Saison 2016/2017 gearbeitet wurde, belastet die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA schwer. Die Gesellschaft stand nach dem Absturz am Rand der Insolvenz. Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle waren von Arbeitslosigkeit bedroht und auch der gemeinnützige Verein fürchtete wegen der damals noch ungelösten Situation rund um die Immobilie des Nachwuchsleistungszentrums im Fall einer Insolvenz einen erheblichen finanziellen Schaden zu erleiden.

Welche Note geben Sie dem Präsidium Reisinger?

Umfrage endet am 23.09.2019 16:00 Uhr

In dieser Situation hat das neu formierte Präsidium auf dem Engagement eines erfahrenen Sanierungsspezialisten als Interimsgeschäftsführer bestanden. In einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Gesellschaftern, Gläubigern, Sponsoren und Partnern gelang es das drohende Unheil abzuwenden und eine positive Fortführungsprognose zu erwirken. Das bedeutet nicht, dass die Profi-Fußballgesellschaft deshalb gesund ist, sondern lediglich, dass sie unter bestimmten Bedingungen bis auf weiteres fortgeführt werden kann. Die Fähigkeit zur Fortführung muss von Wirtschaftsprüfern immer wieder neu testiert werden. Das ist kostspielig und belastet zusätzlich den Haushalt.

Auch der Verband wirft bei der Lizenzierung ein Auge auf die wirtschaftliche Gesamtsituation des Unternehmens, beurteilt die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage und erteilt gegebenenfalls Auflagen. Im Fall der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA ist eine der Auflagen zur Lizenzierung, dass sich das negative Eigenkapital nicht verschlechtern darf. Andernfalls drohen Geldstrafen und im Wiederholungsfall Punktabzüge.

Um das Unternehmen zu restrukturieren und zu sanieren, beschäftigen sich die fachlich Verantwortlichen in der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA mit der Veränderung von Kostenstrukturen und Geschäftsprozessen, neuen Partnerschaften und Kooperationen und mit alternativen Finanzierungswegen für den Profifußball. Zusammenfassend beschreibt alles das den sogenannten Konsolidierungskurs. Er ist in der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens völlig alternativlos. Wer etwas anderes behauptet, versteht schlicht zu wenig von der Materie und kann die Bilanz sowie Gewinn- und Verlustzahlen nicht deuten.

Der Konsolidierungskurs wurde auch nicht, wie von einigen propagandistisch behauptet, vom Präsidium in der Winterpause 2018 völlig überraschend ausgerufen, sondern er ist fester Bestandteil des wirtschaftlichen Handelns der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA seit dem Sommer 2017 um eine Insolvenz zu vermeiden.

Anmerkung: Die eingangs erwähnte Problematik hinsichtlich eines möglichen Teilverlusts der Gemeinnützigkeit des Vereins im Falle einer Insolvenz der Profi-Fußballtochter wurde vom Präsidium mittlerweile erfolgreich gelöst (siehe Bericht der letzten Mitgliederversammlung). Der Verein ist davon nicht mehr bedroht.

Wie lange dauern die Konsolidierungsmaßnahmen?

Das kommt stark darauf an, in welcher Geschwindigkeit und mit welcher Konsequenz die Sanierungsmaßnahmen weiter umgesetzt werden, ob die Geschäftsführung schnelle und klare Entscheidungen herbeiführt und welcher Grad an Unterstützung durch die Gesellschafter bei der Bewältigung der Unternehmenskrise erfolgt. Der Verein unterstützt die kaufmännische Geschäftsführung der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA bestmöglich. Die Restrukturierung ist eine Chance für den Klub.

Warum sind die Maßnahmen überhaupt erforderlich?

Die ausgegliederte Profi-Fußballgesellschaft des TSV 1860 München ist bilanziell überschuldet und weist ein erhebliches negatives Eigenkapital auf. Das führt in der Folge nicht nur zu einem stark eingeschränkten Handlungsspielraum auf dem Transfermarkt, sondern auch zu drohenden Geldstrafen und Punktabzügen durch den Verband. Ohne eine nachhaltige Restrukturierung ist die Gesellschaft nicht überlebensfähig. Das wissen beide Gesellschafter.

Wie soll die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA jemals ihre Schulden zurück bezahlen?

Stundungen, Wandlungen, Schuldenschnitt und Besserungsscheine sind Themen, die für die Zukunftsfähigkeit der Profi-Fußballgesellschaft eine hohe Relevanz haben. Dabei müssen beide Gesellschafter sehen, was ihr Investment noch wert ist und auf Maximalforderungen verzichten.

Warum möchte der Verein keine weiteren Darlehen mehr zur Finanzierung der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA bei Hasan Ismaik aufnehmen?

Die Aufnahme weiterer Darlehen bei unserem Mitgesellschafter würde das finanzielle Problem der Gesellschaft nicht lösen. Sie darf keine neuen Schulden mehr machen. Jede weitere Verschlechterung der Eigenkapitalquote ist dringend zu vermeiden.

Warum spricht man nicht mit Hasan Ismaik?

Das ist nicht so einfach wie es klingt. Wer wann wo und worüber mit ihm spricht, entscheidet unser Mitgesellschafter allein. Das ist Teil seiner Politik und nichts, was von den Vereinsvertretern von außen zu beeinflussen wäre. Mit seinen Beratern und Vertretern besteht hingegen ein fortwährender Austausch. Hasan Ismaik ist immer informiert.

In den acht Jahren seiner Teilhaberschaft haben sechs Präsidenten und acht Geschäftsführer gänzlich unterschiedlicher Persönlichkeit sich um ein gutes Verhältnis bemüht. Gelungen ist es – mit einer bekannten kurzzeitigen Ausnahme – auf Dauer noch keinem. Ob unser Gesellschafter sich persönlich zeigt, kann niemand prognostizieren. Das wissen oft auch seine engsten Vertrauten nicht. Worauf wir uns als Vereinsvertreter nicht einlassen, ist ein Spiel der Gewährung von Audienzen. Das entspricht nicht unserer Vorstellung von Partnerschaft.

Unser Anspruch als Gesellschafter ist es, in unserem eigenen Kurs klar und berechenbar zu sein. Dabei benennen wir offen die Dinge, wie sie sich aus unserer Sicht darstellen und zeigen uns verlässlich in unserem Handeln.

Weshalb wird vom Verein der Kooperationsvertrag nicht gekündigt?

Wer diese Forderung erhebt, verbindet damit meist den Wunsch nach einer Trennung von unserem Mitgesellschafter. Das würde jedoch dadurch nicht passieren. Wir haben im Präsidium diesen Vertrag von unseren Vorgängern „geerbt“. Wer einen Vertrag unterschreibt, muss wissen, dass er sich an diesen Vertrag auch halten muss – und zwar wortgetreu. Das gilt für beide Seiten. Wir verhalten uns als Gesellschafter vertragstreu. Die mit dem Vertragswerk verbundenen Problematiken für den TSV 1860 München sind uns voll bewusst. Wir sind in der Hinsicht nicht naiv.

Wie soll die Zukunft des TSV 1860 München im Profifußball aussehen?

Im Präsidium und im Verein wollen alle den TSV 1860 München so erfolgreich wie möglich Fußball spielen sehen. Eine Rückkehr in die Zweite Liga und eines Tages auch wieder ein Aufstieg in die Bundesliga ist der Wunsch. Aber derzeit ist die Dritte Liga unsere sportliche Herausforderung und ein zu sanierendes Unternehmen die wirtschaftliche Realität. Darauf muss das Augenmerk gerichtet sein.

Die nachhaltige Stabilisierung und Entschuldung der KGaA hat oberste Priorität. Nicht wenige Vereine in der Dritten Liga arbeiten im Tagesgeschäft mit Verlust und mancher Klub versucht mit extrem hohem Risiko an die Fleischtöpfe in der Zweiten Liga zu gelangen. Die Liga ist für Vereine, die aus wirtschaftsschwächeren Regionen kommen und von ihrer Struktur her eigentlich zu klein sind für Profifußball, nur schwer zu stemmen. Bei Sechzig ist das etwas anderes. Wenn uns keine Altlasten drücken würden, hätten wir kein grundsätzliches Problem, die Dritte Liga zu finanzieren.

In der wirtschaftlichen Lage, in der sich die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA befindet, kann ein Aufstieg nicht auf Pump gekauft werden. Das Unternehmen darf nicht mehr kreditfinanziert ins Risiko gehen – das ist kein tragfähiges Konzept. Ein solcher Managementfehler hat den TSV 1860 München zuletzt nicht nur direkt in die Regionalliga, sondern um ein Haar auch in die Pleite geführt.

Der Klub braucht mehr Vielfalt bei den Kapitalgebern. Das Risiko und die Chancen im Profisport müssen auf mehr Schultern verteilt werden. Dann löst sich auch die ungute Polarisierung zwischen unserem alleinigen Mitgesellschafter und dem Verein. Sponsoring, kluge strategische Transfers und Verträge helfen den finanziellen Spielraum für den Kader zu vergrößern. Daran arbeiten die Verantwortlichen in der KGaA.

Erst wenn eine vernünftige wirtschaftliche Basis im Unternehmen besteht, wird dauerhafter sportlicher Erfolg wahrscheinlich. Eine gesunde Struktur mit mehreren Gesellschaftern und eine enge Verzahnung von Nachwuchsausbildung und Profisport ist das Ziel.

Kann das Grünwalder Stadion mit nur 18.060 Zuschauern eine sinnvolle Spielstätte für die Zukunft sein?

Wer heute bereits wieder in weiß-blauen Träumen von der Bundesliga und Champions League steckt, lässt die Gegenwart außer Acht, wiederholt alte Fehler und wird damit erneut scheitern. Beim TSV 1860 München muss realitätsnah und in vernünftigen Zeiträumen gedacht werden. Das Grünwalder Stadion ist auch mit einem verminderten Fassungsvermögen von 18.060 Zuschauern für die 3. und die 2. Liga ein geeignetes Stadion für den TSV 1860 München. Die Hälfte der aktuellen Zweitligaklubs spielt in Stadien mit geringerer Kapazität. Wichtig ist ein funktionsfähiger VIP- und Business-Bereich.

Ist der TSV 1860 München eines Tages sportlich wieder so erfolgreich, dass er dauerhaft in der Bundesliga spielt, wird die Frage des Spielorts neu zu bewerten sein. Bis dahin verbieten sich Schaumschlägereien von einer riesigen Arena im Umland. Auf der langen Liste von Klubs in Deutschland, die sich an einem Stadionbauprojekt finanziell verhoben haben, steht der TSV 1860 ganz oben.

Die Löwen gehören nach München-Giesing. Eine unbedachte Versetzung in die Peripherie würden das Herz und die Seele dieses Klubs zerstören. Wenn die Stadt München dem TSV 1860 mit der Ertüchtigung des Grünwalder Stadions eine Perspektive bietet, wäre der Klub ganz schlecht beraten, diese abzulehnen. Im Gegenteil, wir freuen uns sehr über die Initiative der Stadt und begrüßen sie ausdrücklich.

Stimmt es, dass Präsident Robert Reisinger den Sprecher des Investors Athanasios Stimoniaris als Verhandlungsführer für Gespräche über eine Kapitalerhöhung der KGaA ablehnt?

Einige Menschen wollen damit in der Öffentlichkeit Stimmung erzeugen. Das ist nicht in unserem Sinne und der Sache nicht dienlich.

Zum Hintergrund:

Das Präsidium hat unserem Mitgesellschafter einen Brief geschrieben, der die Option einer Kapitalerhöhung für die TSV München von 1860 GmbH & Co. KG durch Dritte zum Gegenstand hat. In diesem Zusammenhang bat das Präsidium die HAM International Limited einen Vertreter zu benennen, mit dem Details und das weitere Vorgehen besprochen werden können.

In einer kurz gefassten persönlichen Antwort verwies Hasan Ismaik auf Athanasios Stimoniaris. Das Präsidium äußerte daraufhin den Wunsch, einen direkten Ansprechpartner von HAM für das geplante Vorhaben zu erhalten. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Eine mögliche Kapitalerhöhung durch Dritte ist zunächst von den bestehenden Gesellschaftern HAM International Limited und TSV München von 1860 e.V. zu erörtern. Der Aufsichtsratsvorsitzende der TSV München von 1860 GmbH & Co. KG ist dafür schlicht der falsche Gesprächspartner. Herr Stimoniaris ist kein legitimierter Gesellschaftsvertreter der HAM International Limited mit Sitz in Dubai.

Das Präsidium möchte in dieser dif­fi­zilen Angelegenheit möglichst wenig Reibungsverlust zwischen den Gesellschaftern und nicht über Bande spielen müssen. Grundsätzlich akzeptieren wir aber jeden Vertreter den HAM International Limited benennt.

Wieso wird über Anwälte und nicht direkt miteinander gesprochen?

Es wird zwischen den Gesellschaftern nicht generell nur über Anwälte kommuniziert. Ein regelmäßiger Austausch zu verschiedenen Aspekten finden auf persönlicher Ebene mit den Vertretern unseres Mitgesellschafters und in den Klubgremien statt. Bei Themen, die Vertragsrecht berühren, werden im Einzelfall sachverständige Juristen hinzugezogen. Das ist dann aber auch sinnvoll.

Wie kann es sein, dass Hasan Ismaiks öffentliche Anwürfe gegen Vereinsvertreter immer folgenlos bleiben?

Den Respekt, den unser Mitgesellschafter gern für sich einfordert, muss er selbst zeigen. Dazu gehört für uns eine Änderung seines Kommunikationsstils. Wir sind nicht bereit, wiederkehrende Entgleisungen, die zumeist über sein Facebook-Profil “Ismaik1860“, aber auch in Interviews, verbreitet werden, zu akzeptieren. Über Social Media-Kanäle öffentlich Geschäftspartner des TSV 1860 München zu beschimpfen, Entlassungen und Rücktritte zu fordern und Mitarbeiter unseres Klubs abzuwerten, ist nicht länger hinnehmbar. Sollte der Eindruck entstehen, wir würden das tolerieren, so ist er falsch. Wir tragen das nur nicht in der Öffentlichkeit aus.

Was geschieht, wenn Hasan Ismaik gegen die 50+1-Regelung klagt?

Derzeit stehen einer möglichen Klage im Wesentlichen drei Dinge entgegen: 1. Die fehlende Klagebefugnis. Um klagen zu können, bräuchte der Klageführer den Klub hinter sich. Das darf mindestens in dieser Wahlperiode als ausgeschlossen gelten. 2. Die lange Dauer eines Verfahrens und die mehrheitliche Haltung der in der DFL organisierten Klubs für die Beibehaltung der 50+1-Regel. 3. Der Kooperationsvertrag zwischen den Gesellschaftern HAM International Limited und TSV München von 1860 e.V., der unseren Mitgesellschafter vertraglich dazu verpflichtet, die Ordnungen von DFB und DFL zu respektieren.

Hasan Ismaik kann aussitzen und blockieren, solange er möchte – er sitzt am längeren Hebel. Wie will der Verein unter diesem Umstand die TSV München von 1860 GmbH & Co. KG jemals wieder vorwärts bringen?

Wir unterstellen unserem Mitgesellschafter grundsätzlich, dass er an einem erfolgreichen TSV 1860 München interessiert ist. Nur dann gewinnen seine Anteile wieder an Wert. Gleichzeitig spielen aber auch Emotionen für ihn eine große Rolle. Das macht es nicht einfacher.

Richtig ist die Vermutung einer Blockadehaltung durch unseren Mitgesellschafter. Wir erleben diese als gravierendes Hemmnis im Alltag. Sie ist aus unserer Sicht politisch motiviert und hat mit einem befürchteten Machtverlust zu tun. Während der Abstiegssaison aus der Zweiten Liga verfügte unser Mitgesellschafter über eine nahezu unbeschränkte Machtfülle. Er hat nach Belieben Geschäftsführer und weiteres Personal aus seinem Umfeld eingesetzt, Spielerverpflichtungen mit Hilfe externer Berater getätigt, die Gesellschaft mit Krediten hoch verschuldet und dem Verein seine Bedingungen aufoktroiert. Mit dem Absturz in die Regionalliga ist ihm diese Hoheit verloren gegangen und er kämpft seither mit allen Mitteln um die Wiederherstellung seines Alleinvertretungsanspruchs.

Das Paradoxe daran ist: Der Konsolidierungskurs ist nicht nur überlebenswichtig für die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA, sondern deckt auch absolut die Interessen unseres Mitgesellschafters. Mit einer insolventen Gesellschaft würde er sein Investment verlieren. Der Profifußball beim TSV 1860 München kostet HAM International Limited seit zwei Jahren im laufenden Betrieb so wenig Geld wie noch nie.

Gleichzeitig versucht unser Mitgesellschafter öffentlich die Verantwortung für die sichtbaren Nachwirkungen der vergangenen Schuldenpolitik den Vereinsvertretern in der Gegenwart anzulasten. Er bringt den vergleichsweise geringen Kaderetat nicht etwa in Zusammenhang mit eigenen Versäumnissen, sondern benutzt ihn politisch, um die angebliche Unfähigkeit der Vereinsvertreter und einer von ihm ungeliebten Geschäftsführung zu demonstrieren.

Unsere Hoffnung und Erwartung ist, dass am Ende die kaufmännische Vernunft siegt und die Lust unseres Mitgesellschafters, den TSV 1860 München sportlich erfolgreich zu sehen, seine Aversion gegen die Vereinsvertreter übersteigt. Hilfreich wäre auch, wenn er sich von jenen Beratern trennen würde, die den Konflikt befeuern, weil er ihnen als Geschäftsgrundlage dient. Keine Alternative ist es aus unserer Sicht, unserem Mitgesellschafter die gewünschte Alleinherrschaft wieder zu übertragen und die Vereinsgremien mit willfährigen Funktionären zu besetzen. Einem solchen Ansinnen haben die Mitglieder unseres Vereins bei den Wahlen auch eine klare Absage erteilt. Unser Mitgesellschafter muss erkennen, dass er MIT dem Verein erfolgreich sein kann, aber niemals gegen ihn.

Es wird darauf ankommen, den Profifußball beim TSV 1860 München organisatorisch und wirtschaftlich so zu stellen, dass in Zukunft keine singuläre Abhängigkeit von einem einzelnen Investor mehr besteht und daraus resultierende Zwangslagen, wie sie beim Absturz in die Regionalliga deutlich wurden, sich nicht wiederholen. Das entlastet den Klub und unseren Mitgesellschafter gleichermaßen.

Was ist, wenn Daniel Bierofka keine Lust mehr auf das Traineramt hat?

Daniel Bierofka hat beim TSV 1860 München eine besondere Rolle, die über die eines normalen Trainers hinausreicht. Seine Scharnierfunktion in alle Richtungen und seine persönliche Identifikation mit den Löwen ermöglicht, dass sich irgendwie alle auf ihn einigen können. Auch unser Mitgesellschafter, der bis dato als wenig geduldig mit Trainern gilt. Das ist erfreulich und hat ihm einen langfristigen und für die Verhältnisse in der 3. Liga gut dotierten Vertrag eingebracht. Der TSV 1860 schätzt Bierofkas Engagement und weiß es zu honorieren. Doch auch in seinem Fall gelten die bekannten Mechanismen der Branche: Erhält er ein attraktives Angebot eines höherklassigen Klubs, kann ihm niemand verdenken, wenn er die Offerte annehmen würde. Als junger Trainer muss er auch seine eigene Karriere im Blick haben. Der TSV 1860 München hat vor Daniel Bierofka existiert und er wird es auch nach ihm tun. Seine Verdienste um die Löwen schmälert das nicht.

Wie geht es mit dem Fußball-Nachwuchs beim TSV 1860 München weiter?

Die Nachwuchsausbildung wird bei den Löwen immer einen sehr hohen Stellenwert haben. Das entspricht dem langjährigen Selbstverständnis unseres Klubs. Im Verein sind die Mannschaften von den U9- bis zu den U17-Junioren organisiert. Die U19- und die U21-Mannschaft spielen unter dem Dach der KGaA. Der Verein investiert heute mit Unterstützung seiner Mitglieder und Förderer mehr Geld als jemals zuvor in die Ausbildung seiner Talente. Die Rückkehr mit den B- und A-Junioren in die Bundesliga ist ein klar formuliertes Ziel. Im Nachwuchsleistungszentrum des TSV 1860 München wird mit großem Engagement gearbeitet. Auch die hohe Durchlässigkeit in die Profimannschaft ist weiter kennzeichnend für den Fußball bei den Löwen und wird es bleiben. Jüngste Beispiele dafür sind Dennis Dressel, Fabian Greilinger und Leon Klassen. Wer behauptet, beim TSV 1860 München wäre im Fußballnachwuchs nichts mehr los, kennt sich entweder nicht aus, oder erhebt diese Behauptung wider besseren Wissens aus politischen Motiven.

Kann der TSV 1860 München für den Profifußball einen in der 3. Liga wettbewerbsfähigen Kader ohne fremde Hilfe in naher Zukunft überhaupt noch finanzieren?

Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Der TSV 1860 München ist grundsätzlich einer der wenigen Klubs, die tatsächlich aus eigener Kraft die Finanzierung einer guten Mannschaft für die 3. Liga auf die Beine stellen kann. Die wirtschaftsstarke Region München, das hohe Maß an öffentlicher Aufmerksamkeit und Werbewirksamkeit, die der Klub genießt und die beispiellos große Loyalität von Mitgliedern, Fans und Sponsoren bieten alle Voraussetzungen dafür.

Hinderlich sind im Moment die finanziellen Altlasten aus der Vergangenheit. Erst wenn die Gesellschaft wirksam entschuldet ist, werden die Einnahmen nicht mehr von den Ausgaben aufgefressen. Hilfreich wäre im ersten Schritt, wenn unser Mitgesellschafter sich entschließen könnte, seine noch bestehenden Darlehen in Genussscheine zu wandeln, damit die Rückstellungen für bevorstehende Strafzahlungen an den Verband aufgelöst werden können.

Als positiv bewerten wir es, dass sich unser Mitgesellschafter im Rahmen eines Sponsorings an den Personalkosten für Timo Gebhart und Prince Osei Owusu beteiligen will. Dieser Schritt ist hilfreich für die sportliche Entwicklung der Mannschaft und die wirtschaftlich richtige Entscheidung für die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA. Das Engagement von Gönnern aus dem Vereinsumfeld bei der Verpflichtung von Aaron Berzel ist ein starkes Signal des Zusammenhalts. Mit unserem Haupt- und Trikotsponsor die Bayerische hat der TSV 1860 – entgegen anders lautender Behauptungen – zudem einen Sponsoringpartner, der innerhalb der 3.Liga mit den höchsten Betrag bezahlt.

Ist es zutreffend, wenn die Auseinandersetzungen zwischen den Gesellschaftern als interkulturelle Missverständnisse beschrieben werden?

In einigen wenigen Situationen in der weiteren Vergangenheit mag das eine Rolle gespielt haben. Das ist nicht von der Hand zu weisen und sollte aufgearbeitet werden, um eine Wiederholung zu vermeiden. Das barsche Verhalten unseres Mitgesellschafters aber pauschal als ein interkulturelles Missverständnis zu deuten, wird der Sache nicht gerecht. Unser Mitgesellschafter hat sich an einem Unternehmen in Deutschland beteiligt und will hier Geschäfte machen. Interkulturelles Verständnis ist keine Einbahnstraße.**