VON OLIVER GRISS

Möglicherweise ist es die letzte Chance auf ein Gemeinsam. Heute trifft sich der Aufsichtsrat des TSV 1860 - das wichtigste Thema auf der Agenda: Die sportliche Zukunft der Löwen. Sport-Geschäftsführer Günther Gorenzel wird dem Rat erklären, warum der eingeschlagene Weg gefährlich ist und welche Konsquenzen er haben kann. Stand jetzt kann der Verein weder mit seinen Leistungsträgern verlängern noch auf dem Transfermarkt aktiv werden - das ist das Resultat aus dem Reisinger-Kurs, der vorschreibt: Drei Millionen Etat in der Saison 2019/2020, rund 2,5 Millionen Euro in der darauffolgenden Spielzeit. Hansa Rostock beispielsweise wird im Sommer mit einem Budget von 4,4 Millionen Euro arbeiten können.

Präsident Robert Reisinger gibt die Verantwortung ab und wünscht sich Kreativität der sportlichen Kommandobrücke - wohlwissend, dass die Mannschaft mit diesem Etat in der Dritten Liga nicht konkurrenzfähig sein kann. Schon in dieser Saison hat Daniel Bierofka alles aus dem Kader herausgepresst. Und herbeigezogene Vergleiche mit Tabellenführer Osnabrück sind nicht zielfördernd, denn allein die Lebenshaltungs- und Mietkosten sind in München in einer ganz anderen Preisklasse als im beschaulichen Osnabrück. Und was mit dem beim TSV 1860 mehrmals diskutierten “Modell Haching” gerade passiert, ist auch nicht von der Hand zu weisen: Wenn den Vorstädtern Leistungsträger wie Dominik Stahl oder Stephan Hain fehlen, die im übrigen fremdfinanziert werden, ist Haching sportlich nur noch die Hälfte wert. Die Abstiegsgefahr ist allgegenwärtig im Sportpark.

Welchen Kurs braucht 1860, um eine gute Zukunft zu haben?

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Was möglicherweise auch noch nicht in die weiß-blauen Planspiele einbezogen worden ist: Wird das Produkt Fußball geschwächt, wird auch das Zuschauerinteresse nachlassen. Das ist wie beim Berchtesgadener Bauerntheater. Werden theoretisch die Schauspieler schwächer, werden von Vorstellung zu Vorstellung immer mehr Plätze im Saal leer bleiben. Heißt: Weniger Einnahmen - will man das billigend in Kauf nehmen?

Das größte Problem bei 1860: Weder im e.V.-Verwaltungsrat noch im KGaA-Aufsichtsrat sitzen Personen, die aus dem Profifußball kommen oder zumindest auf höherklassiger Amateurebene erfolgreich gearbeitet haben. Die Last liegt jetzt bei Karl-Christian Bay (Wirtschaftsprüfer), Thomas Heigl (Vorstand “Die Bayerische”) und Sebastian Seeböck (arbeitet im elterlichen Kaffeeautomatenbetrieb) sowie der Ismaik-Seite um den designierten Aufsichtsratsboss Saki Stimoniaris (u.a. VW-Aufsichtsrat und MAN-Gesamtbetriebsratschef), einen Plan zu entwerfen, mit dem beide Seiten leben können. Beraten wird 1860 außerdem von Anwalt Guido Kambli. Er sollte eigentlich wissen, wie man 1860 nach oben bringt. Er war jahrelang Wildmosers persönlicher Rechtsbeistand.