VON OLIVER GRISS UND BERND FEIL (MIS)

Der TSV 1860 steht vor einer ungewissen Zukunft - und wie denkt der Hauptsponsor “Die Bayerische” über den von Präsident Robert Reisinger verordneten Sparkurs? Der Versicherer ist seit drei Jahren Hauptsponsor der Löwen, unterstützt aber auch Red Bull München im Eishockey. 2017 verlängerten die Münchner nach dem Zwangsabstieg den Vertrag langfristig mit dem Altmeister von 1966 und gewährten ein Zwei-Millionen-Darlehen, bekamen dafür sogar einen Sitz im Aufsichtsrat (Thomas Heigl). Derzeit überweist die Bayerische rund 500.000 Euro pro Jahr und damit weniger als noch in der Regionalliga Bayern. Martin Gräfer, einer der Vorstände der Versicherung, sprach mit der “tz” über:

das Chaos bei 1860: “Was heißt Chaos? Die Bayerische ist jetzt gute drei Jahre im Boot und wir haben das Gefühl, dass es lange nicht so ruhig zugegangen ist. Man muss unterscheiden zwischen e.V. und KGaA. Was den e.V. angeht: Der ist aus meiner Sicht ganz hervorragend aufgestellt. Damit meine ich auch den Breitensport. Aber auch, was die KGaA betrifft, also den Profifußball. So viel geordnetes, planvolles Vorgehen wie jetzt haben wir nicht immer in den letzten drei Jahren festgestellt. Bis 2017 war der Enthusiasmus vor allem durch immense Geldausgaben geprägt. Nach dem Worst Case des Doppelabstiegs scheint erstmals Vernunft eingekehrt zu sein. Die Basisbildung ist erfolgt.”

die verhärteten Fronten zwischen den Gesellschaftern: “Es geht nicht darum zu sagen: Der darf mitspielen, der aber nicht mehr. Es geht eher um die Frage: Wie kann man Substanz reinbringen? Das werden zwar manche nicht gerne hören, aber eine KGaA ist letztlich ein Wirtschaftsunternehmen, und das muss auf wirtschaftlich gesunden Füßen stehen. Deswegen muss das Ziel die 2. Bundesliga sein - allein schon wegen der Fernsehgelder. Der Weg dorthin sollte aber sauber und substanziell aufgebaut sein. Zusätzliche Darlehen und Kredite bringen nicht zwangsläufig zusätzlichen Erfolg.”

Was sollte die Löwen-Brust pro Jahr wert sein?

Umfrage endet am 22.02.2019 08:00 Uhr

die Sponsoren-Landschaft bei 1860 (Vermarkter Infront zahlt eine Garantiesumme von vier Millionen Euro pro Jahr): “1860 hat eine sehr breite und loyale Sponsoring-Gemeinde. Da zählt auch die Bayerische dazu. Die Marke 1860 ist es wert, sich zu engagieren. Wir unterstützen jeden, der Lust dazu hat, 1860 als Sponsor zu begleiten. Auf der anderen Seite muss man an der Kostenstruktur ansetzen.”

sein Rat an Investor Hasan Ismaik: “Wenn ihm daran gelegen ist, die Werthaltigkeit seines Investments zu steigern, wäre es eine supergute Idee, Sponsorengelder einzubringen (Ismaik hat im Sommer 2018 in Form von Genussscheinen zwei Millionen Euro für zwei Jahre garantiert, d. Red.). Wir haben Herrn Ismaik kennengelernt, können uns aber kein Bild über seine Motivlage machen. Ich persönlich bin ein Freund davon, dass man miteinander spricht. Wenn man allerdings feststellt, dass die Ehe gar nicht mehr zu kitten ist, muss man konsequent handeln. In diesem Fall wäre es sicher ein Thema, über eine Trennung, sprich Scheidung, nachzudenken.”