VON OLIVER GRISS UND BERND FEIL (FOTO)

Die aktuelle Fanszene in Deutschland kämpft. Über 3.000 Fanclubs haben innerhalb einer Woche der Kampagne »50+1 bleibt!« ihre Unterstützung bekundet. Auch bei den Löwen haben knapp 100 Fanclubs die Initiative unterschrieben, darunter Namen wie “Bluetsbrüder”, “Chaoten 1860”, “Freunde des Sechzger Stadions”, “Panzerknacker 1860”, “Rabauken 1860” oder “Zammgsuffa Maskulin 1860”. In den Stadien ist die Formel “50+1” allgegenwärtig, auf Bannern und Transparenten der Fans. Die meisten Anhänger in den Kurven sind strikt gegen eine Änderung der bestehenden Regel.

Der Auslöser: Heute bei der DFL-Mitgliederversammlung in Frankfurt diskutieren alle 36 Erst- und Zweitliga-Vereine über 50+1. Es geht um eine mögliche Lockerung der Regel. Die sieht vor, dass Investoren nur in streng regulierten Ausnahmefällen Stimmmehrheiten an Klubs übernehmen dürfen - und damit die Kontrolle über das operative Geschäft erlangen.

Der “SPIEGEL” hat bei allen 36 Klubs der Bundesligen nachgefragt: Wie halten sie es mit dem Erhalt der 50+1-Regel? Nur gut ein Drittel der Erst- und Zweitligisten spricht sich ohne Wenn und Aber für die Beibehaltung der Regel in der gegenwärtigen Form aus, wobei fast zwei Drittel angeben, die Grundidee zu begrüßen, aber Verbesserungsbedarf sehen. Es ist ein heterogenes Meinungsbild.

1860 Fanshop Banner

Das größte Problem in Deutschland: Die 50+1-Regel wird nicht von allen Vereinen gleich gelebt. Es gibt Sonderfälle. Wie RB Leipzig, Bayer Leverkusen, Hoffenheim oder Wolfsburg - und genau diese Thematik muss hinterfragt werden. Wenn eine Regelung - dann ohne Ausnahme.

Immer wieder wird 1860 als “abschreckendes Beispiel” genannt. Richtig ist, dass der gutgläubige Investor Hasan Ismaik einige gravierende Fehler gemacht hat, nicht wegzudisktuieren ist aber auch, dass der 40-Jährige von Anfang nicht als Freund des Hauses, sondern als Gegner gesehen wurde. Ismaik wurde mit offenem Visier bekämpft - und das obwohl nur er im Jahr 2011 als Retter bereit stand. Keine einzige Münchner Firma - und auch ein gewisser Gerhard Mey interessierte sich nicht für den deutschen Meister von 1966.

Es gibt viele Beispiele, wie versucht wurde, Ismaik wieder loszubekommen: Sein damaliger Statthalter Noor Basha wurde beispielsweise beim Kreisverwaltungsreferat “angeschwärzt” bezüglich der Aufenthaltsgenehmigung. 1860 wollte wieder unter sich sein. Damals sprang sogar der heutige 1860-Präsident Robert Reisinger in der Funktion als Fußball-Abteilungsleiter zur Seite, um Basha zu unterstützen. Oder: Als Ismaik einmal nach München kam, stand der Unternehmer aus Abu Dhabi an der Grünwalder Straße vor verschlossenen Türen. Oben in der Geschäftsstelle, der damals Robert Schäfer vor stand, soll man darüber lauthals gelacht haben.

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Nur in der Zeit von Präsident Peter Cassalette war Hasan Ismaik bei 1860 richtig willkommen. Am Tag des Abstieges am 30. Mai 2017 soll dem Ober-Löwen aber dann gesagt worden sein: “Du kannst bleiben - aber ohne Hasan.” Cassalette trat zurück. Seitdem wird gegen Ismaik eine “Politik der Nadelstiche” gefahren, die auch in einer Email von Verwaltungsratsboss Dr. Markus Drees belegbar ist. Der Verein hat sich bis heute davon nicht distanziert. Um wieder auf eine normale Gesprächsstufe zu kommen, ist Ismaik von seinen Ämtern bei 1860 zurückgetreten und hat die beiden Münchner Peter Cassalette und Saki Stimoniaris als Aufsichtsräte eingesetzt. Doch auch diese werden gnadenlos bekämpft. Und was macht der Verein? Er schweigt.

Unterstützen Sie den Kurs von 1860-Präsident Robert Reisinger?

Umfrage endete am 01.04.2018 13:59 Uhr

Nein, die Nadelstich-Politik gegen Ismaik und der "schwäbische Hausfrauen"-Kurs schaden dem Verein!
70% (6798)

Ja, selbstverständlich! So funktioniert Sechzig!
26% (2576)

Mich interessiert keine Vereinspolitik!
4% (357)

Teilnehmer: 9731