VON NICK SAUTER UND BORIS STREUBEL (BONGARTS/GETTY IMAGES)

Peter Pacult (58) ist eine Legende beim TSV 1860. Sein Tor am 11. Juni 1994 zum 1:0-Sieg in Meppen machte zehntausende Löwen-Fans glücklich: Es war das Tor zur Bundesliga. Später war der Österreicher auch Trainer, in der Bundesliga. Auf Platz 8 (!) wurde er entlassen. Seitdem ist viel passiert an der Grünwalder Straße. Das Interview mit der Löwen-Ikone:

Herr Pacult, Sie feierten kürzlich beim Oldie-Hallenturnier in Steyr ein Comeback im Löwen-Trikot. Wie hat sich’s angefühlt?

PETER PACULT: Es war natürlich wieder toll, das Löwentrikot offiziell zu tragen. Es hat auch Riesenspaß gemacht, mit den ehemaligen Spielern wieder zusammenzukommen und zu spielen, auch wenn die Jungs natürlich einiges jünger waren als ich (lacht).

Mittlerweile haben Sie einen Trainer-Job beim albanischen Meister Kukesi angetreten. Ihre vorigenTrainerstationen waren leider weniger erfolgreich, ihre Engagements dauerten nur wenige Wochen. Haben Sie eine Erklärung dafür, warum die vergangenen Stationen so unglücklich liefen?

Zum Trainer-Job gehören nunmal nicht nur die Sonnenseiten, sondern natürlich auch Entlassungen. Bei einer Unterschrift unter einen Vertrag unterschreibt man auch gleichzeitig irgendwie seine Entlassung. Natürlich waren die letzten Stationen nicht vom Glück begleitet, aber wenn man diesen Schritt wagt, muss man auch damit rechnen, dass vor allem in manchen Ländern andere Gesetze herrschen. Leider hatte ich bei meiner letzten Station, Radnicki Nis, einen Gegner, gegen den ich von Anfang an keine Chance hatte. Das Positive aber war, dass ich bei Nis wieder in die sportliche Erfolgsspur zurückkehren konnte. Dann gab es am 24. Dezember einen Anruf, ob ich mir das Abenteuer Balkan wieder antun möchte. Es war eine Anfrage vom aktuellen albanischen Meister Kukesi. Nach einem Gespräch mit dem Präsidenten nahm ich dieses Angebot an, weil ich noch immer sehr gerne Trainer bin und ich mich nicht von den letzten Stationen entmutigen lasse. Außerdem gibt es die Chance, mit dem Team einen internationalen Platz zu erreichen - der Verein liegt nur drei Punkte hinter Tabellenführer Skenderbeu.

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Auf Giesings Höhen sind Sie eine Legende. Wie aber sieht ihr Blick auf den TSV 1860 heute aus? Verfolgen Sie, was im Verein passiert?

Zum Thema Verein und Investoren sind die Meinungen natürlich gespalten. Ich frage mich: Sind nicht auch die Sponsoren heimliche Investoren? Man sollte sich nur in Europa umschauen, was im Moment von privaten Investoren im Fußball alles finanziert wird. Man denke nur an PSG, Manchester United, Man City, oder Chelsea - dort begann das alles schon vor Jahren mit Abramovich. Auch RB Leipzig ist hier zu nennen. Es ist halt nur die Frage, wie dieses Geld verwertet wird. Leider ist es Herrn Ismaik nicht gelungen, die richtigen Leute einzusetzen und in weiterer Folge auch den richtigen Trainer und die richtigen Spieler zu installieren, die den Verein dorthin bringen hätten sollen, wo er hingehört: Nämlich in die 1. Bundesliga. Denn es wären sicher heute sehr viel Löwen-Fans froh, wenn sie wie zu meiner Zeit einen 8. Platz in der Bundesliga zu feiern hätten.


Wie beurteilen Sie als Trainer-Kollege die Arbeit von Daniel Bierofka?

Daniel hat schon vor einiger Zeit mit der Rettung des Nichtabstieges bewiesen, dass er ein guter Trainer werden kann und schon ist. Er hatte ja davor die Amateure souverän in der Regionalliga spielen lassen, und es war aus meiner Sicht richtig ihn als Trainer zu halten, da er besonders die ganzen jungen Spieler bereits kannte und mit den Verstärkungen eine gute Mischung fand. Jetzt steht das Team souverän an der Spitze. Ich bin mir sicher, dass die Mannschaft ihre Position auch im Frühjahr verteidigen wird und als Meister in die für mich unnötigen Relegationsspiele geht.