VON OLIVER GRISS

Der Löwen-Fan ist an sich ein dankbarer Mensch. Und deswegen verwundert es nicht, dass er sich an den kleinen Dingen in seinem Löwen-Leben erfreut. Nicht wenige Blaue werden heute zum AOK-Traditionsmasters nach Berlin reisen: Der Sigi aus München zum Beispiel, der ist im Morgengrauen in den Flixbus Richtung Hauptstadt gestiegen, um weiß-blaue Fußball-Veteranen (verzeiht es mir!) zu feiern bzw. mit ihnen möglicherweise den ein oder anderen Plausch führen zu können. Es sind nicht irgendwelche Herren auf dem Kunstrasen, sondern diejenigen, warum sich viele Kids in den 90er Jahren für die Oneway-Löwen-Liebe entschieden haben. Thomas Häßler, Thomas Riedl oder Benny Lauth stehen für eine erfolgreiche Löwen-Zeit. Auch nicht zu vergessen der Brasilianer Rodrigo Costa, der extra aus Rio einfliegt. Oder Balkan-Techniker Nemanja Vucicevic. Der verrückteste unter allen 1860-Oldies, die heute in Berlin das 1860-Trikot tragen werden, ist aber Michael Hofmann. Auch wenn der Torwart schon Jahre weg ist von der Grünwalder Straße, lebt er unseren Verein noch heute beispiellos. Wenn es um die Löwen geht, vergisst Hofmann alles um sich herum. Er wollte vor ein paar Jahren als ehemaliger Bundesliga-Torwart sogar für die Dritte in der Kreisklasse (!) spielen - aber die Begeisterung soll sich auf der Gegenseite in Grenzen gehalten haben. So entschied sich Hofmann eben anders und wurde im AH-Alter noch mal Bayernliga-Meister mit dem SV Pullach.

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Warum ich Ihnen diese Zeilen schreibe? Ganz einfach: Ich als 71er-Jahrgang habe den Radi oder den Rudi Brunnenmeier leider nicht mehr live spielen gesehen. Auch wenn ich Bundesliga 1981 und den Zwangsabstieg 1982 mit Rudi Völler und Herbert Waas schon realisiert habe, bin ich ein Vollblut-Löwe in den Niederungen der Bayernliga geworden. Natürlich habe ich auch seinerzeit für gewisse Spieler geschwärmt: Erich Beer, Ludwig Kögl, Jürgen Korus, Thomas Zander oder Andreas Löbmann. Aber diese Zeit verdränge ich gerne, weil sie hart und ernüchternd ohne Ende war und von den Gegnern teilwesie semi-professionell betrieben worden ist. Ampfing, Heidingsfeld oder Plattling erinnert eben an tiefste Fußball-Provinz. Die Teilnahme am Commodore-Cup 1986 und 1987 waren da schon absolute Highlights.

Und weil der TSV 1860 gerade wieder große Gefahr läuft, über Jahre in der Versenkung des Amateurfußballs zu verschwinden, appelliere ich an alle Löwen-Fans: Schaut Euch heute ab 16.30 Uhr auf SPORT1 Häßler & Co. an und ihr wisst, was ihr verpasst, wenn wir nicht alle Kräfte bündeln, um im Mai gemeinsam wieder aufzusteigen. Kann Unterföhring oder Seligenporten wirklich eine Alternative für unseren großen Verein sein? Ich sage: Nein!