VON OLIVER GRISS UND ULI WAGNER (FOTO)

Ulla Hoppen hatte es im Juli gewagt, auf der 1860-Mitgliederversammlung den brisanten Antrag einzureichen, dass der Kooperationsvertrag mit Hasan Ismaik aufgrund einer angeblichen Pflichtverletzung (weil der Investor nicht die Gelder bereitstellte, was er vertraglich auch nicht muss) aufzukündigen sei. Die Mehrzahl der noch verbliebenen Mitglieder im Saal der Zenith-Halle stimmten dem Antrag zu und jubelten hinterher, als wenn die Löwen nach 1966 zum zweiten Mal Deutscher Meister geworden wären.

Warum der Verein diesen Antrag überhaupt zugelassen hat und Hoppen nicht vom Kurs abgebracht werden konnte, ist immer noch unklar, schließlich ging man wenige Tage zuvor mit Ismaik noch einen beiderseitigen Sanierungsvertrag ein, der sicherstellte, dass der TSV 1860 vor der Insolvenz gerettet ist. Das zweite Fragezeichen, das viele Fans beschäftigt: Wie kommt ein normaler Fan wie Hoppen an den streng geheimen Kooperationsvertrag?

Seit Montagmittag herrscht jedenfalls Klarheit in dieser unsäglichen Diskussion: Der TSV 1860 kündigt auf Anraten der Anwälte das wasserdichte Dokument mit Ismaik nicht, was vor allem die Hardliner auf e.V.-Seite in Rage versetzt, weil Reisinger & Co. den Auftrag der Mitglieder nicht umgesetzt haben. In den Social Media-Kanälen ist die Rede davon, dass der Verein “feige” ist.

Doch die Wahrheit ist: Die finale Vernunft des Gremiums hatte am vergangenen Freitag in der Verwaltungsratsitzung gesiegt, bei der mit dem nun zurückgetretenen MAN-Betriebsratschef Saki Stimoniaris und die Münchner Stadträtin Verena Dietl kurioserweise die zwei bekanntesten Räte (aus Selbstschutz?) gefehlt hatten. Eine Kündigung des Kooperationsvertrages hätte möglicherweise fatale Folgen für den Verein und das totale Chaos an der Grünwalder Straße ausgelöst.

Finden Sie es gut, dass der 1860-Verwaltungsrat den Hoppen-Antrag abgelehnt hat?

Umfrage endete am 01.01.2018 18:00 Uhr

Ja, super Entscheidung: Jetzt muss der Verein Hasan Ismaik die Hand reichen!
77% (2419)

Nein! Ich bin schwer enttäuscht von der Vereinsspitze!
14% (446)

Mir egal: Mir geht`s nur um Fußball!
9% (270)

Teilnehmer: 3135

Schließen die Löwen jetzt endlich Frieden mit Ismaik? Sieht weiter nicht danach aus, wenn man in der Presseerklärung zwischen den Zeilen liest: “Nach sorgfältiger Prüfung und Abwägung von Pro und Contra gelangen das Präsidium und der Verwaltungsrat des TSV München von 1860 e.V. gemeinsam zur Ansicht, dass unter den aktuellen Rahmenbedingungen und zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Umsetzung des Mitgliederbeschlusses eine Schmälerung der Handlungsmöglichkeiten und der Rechtspositionen des Vereins nach sich ziehen würde.” Und dann kommt’s: “Das vom Verein beauftragte juristische Gutachten reicht über die unmittelbare Fragestellung zur Kündigung des Kooperationsvertrags hinaus und leistet den Gremien auch für die Zukunft in Gesellschafterfragen unverzichtbare Dienste.”

Heißt: Der Verein rechnet offenbar damit, dass Ismaik demnächst gegen den Vertrag verstoßen könnte. Und was sagt die Frau, die dem TSV 1860 diesen Peinlich-Antrag und Gutachter-Kosten im Wert eines Kleinwagens beschert hat? Hoppen zur “SZ”: “Ich bin recht unzufrieden mit der Entscheidung, aber ich kann trotzdem damit leben. Es steht ja auch drin, dass sie das Gutachten für die Zukunft nützen können.” Vom “Betroffenen” Hasan Ismaik gab’s übrigens keine Reaktion auf die Posse. Der Jordanier scheint das Giesinger Spielchen längst durchschaut zu haben und steigt nicht auf die Provokation ein.